Bundestagswahl-Kandidat mit nur einem Thema: Wölfe regulieren

Erfolgreiches politisches Engagement macht offenbar süchtig: Nachdem er bereits Ende der 80èr bei den Leipziger Montagsdemonstrationen mitmachte und daraufhin die Mauer fiel, tritt der heute 46-jährige Mario Borchert aus Ostprignitz-Ruppin nun als Direktkandidat für den Bundestag an. Mit nur einem Thema: Die Regulierung der Wolfsbestände.

Aufmerksamkeit möchte er damit erregen. Für ein Thema, das seiner Ansicht nach „niemand sonst ordentlich behandelt.“

Seine Argumente klingen in meinen Augen allerdings recht dürftig. Selbst das „Kleine Wolfs-ABC“ scheint er nicht einmal richtig zu beherrschen.

Spätestens als Borchert anmerkt, dass Politiker aller Parteien „dies und das“ zum Wolf erklären würden, sich ansonsten aber hinter dem geltenden EU-Recht versteckten, wird für mich deutlich, dass es mit seinem politischen Basiswissen offenbar nicht ganz so weit her ist. Benanntes EU-Recht ist nämlich letztendlich bereits das demokratisch errungene Werk von…? Richtig: Gewählten Politikern!

Die Landbevölkerung sieht er als „Versuchskaninchen im Umgang mit dem Wolf“. Dabei scheint er zu übersehen, dass diese Landbevölkerung von so manchem auch als Spielball der industriellen Agrarindustrie, der Saatgut- und Pflanzenschutzhersteller und der Bauernlobby gesehen wird, was oft sogar als das eigentliche und viel größere Problem genannt wird. Das scheint Borchert allerdings nicht sonderlich zu stören.

Mit dem Argument, „Wolfsbestände müssten reguliert werden“, weil in Brandenburg der sogenannten günstige Erhaltungszustand längst erreicht sei, lenkt der Hobbyjäger zudem erkennbar davon ab, dass günstige Erhaltungszustände für großräumig wandernde Raubtiere überhaupt nicht für einzelne Bundesländer festgelegt werden.

Im Fall der in Brandenburg heimischen Wölfe betrachtet man grenzübergreifend die deutsch-polnische Wolfspopulation, die auch als zentraleuropäische Tieflandpopulation oder als mitteleuropäische Flachlandpopulation bezeichnet wird. Und hier ist man vom günstigen Erhaltungszustand von mindestens 1000 erwachsenen Tieren noch weit entfernt.

Dass die Monitoring-Zahlen der Wölfe in Brandenburg, wie er anmerkt, „sehr diffus“ seien, kann unter Umständen auch daran liegen, dass der Landesbauernverband dort neben dem offiziellen Wolfsmanagement mit eigenen Listen und Zahlen hantiert (siehe hier!).

Und dass seine Begründung, Wölfe würden auch in den EU-Ländern Schweden und Lettland geschossen, eigentlich keine ist, weil dort damit kein einziges Problem gelöst wird, war sogar vorgestern noch in einem Focus-Online-Artikel zu lesen (siehe hier!).

Dennoch dürfte nach diesen Zeilen immer noch nicht völlig klar geworden sein, ob mit Mario Borchert – wie er selbst behauptet – wirklich ein Mann der „problemlösenden praktischen Vernunft“ in Ostprignitz-Ruppin zur Wahl steht.

Klar dürfte allerdings geworden sein, dass er in einer Diskussion mit halbwegs wolfskundigen Kontrahenten vergleichsweise schnell „aus der Kurve fliegen“ dürfte, zumal er wesentliche Fakten in diesem Kontext einfach zu ignorieren scheint.

Auch Spott und Häme sind ihm für seinen Schritt – das ist heute schon erkennbar – sicher. Im Netz wird er beispielsweise als „Profilneurotiker“ bezeichnet, der einen persönlichen Vorteil auf dem Rücken wehrloser Tiere zu erringen versucht. (*2)

Ich selbst mache keinen Hehl daraus, dass ich so viel „demokratischen Mut“ sogar schätze, es natürlich aber wesentlich besser finden würde, Borchert würde sich inhaltlich FÜR die Wölfe und FÜR mehr Herdenschutz und GEGEN so manche von ihm selbst erzählte Wolfslegende aussprechen.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er damit am 24. September als Direktkandidat größeren Erfolg hätte!

Just my two cents…

Jürgen Vogler


Quellen:

(*1) Märkische Online-zeitung, www.moz.de, Artikel von Mathias Hausding am 16.8.2017: „Einzelkämpfer gegen den Wolf“, abgerufen am 20.8.2017, hier der Link!

(*2) Kommentar auf der Social-Madia-Plattform Facebook

 

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