Eckhard Fuhr: Der Wolf im Spiegel von Politik und Gesellschaft

„In die politische Erziehung, in die Staatsbürgerkunde, in die Programmatik der Parteien und das Repertoire der politischen Rhetorik hat das neue Wolfsbild noch nicht Eingang gefunden, wahrscheinlich, weil auf dem Gebiet des Politischen jede Form von „Naturalismus“ mit einem Tabu belegt ist. Wer behauptet, dass etwas von „Natur aus“ so oder so sei, setzt sich dem Vorwurf aus, nicht auf der Höhe einer aufgeklärten Gesellschaft zu sein.


Jenseits der Politik aber steht „Natürlichkeit“ hoch im Kurs. Zwar lässt sich trefflich darüber streiten, was mit „natürlicher Ernährung“, oder „natürlichem Wohnen“ genau gemeint sein soll. Es gilt aber die Annahme, dass in der Natur so etwas wie das richtige Maß zu finden sei. In der Wirtschaft, unter Managern, Personalberatern und Coachs geht seit einigen Jahren die Idee um, dass speziell in der Wolfsnatur das richtige Maß für Autorität, Hierarchie, Kooperation, Konkurrenz, Disziplin und Toleranz bei der Mitarbeiterführung zu finden sei. Das Motto heißt „Lernen von den besten Führungskräften der Natur.“


(Zitiert aus: Eckhard Fuhr, „Rückkehr der Wölfe – Wie ein Heimkehrer unser Leben verändert„, München, Riemann Verlag 2014, Seite 184)

Kommentar verfassen