Niedersachsen: Wahlkampffalle Wolf

Welche Erkenntnisse kann man aus dem soeben beendeten Wahlkampf in Niedersachsen ziehen? Bestimmt eine ganze Menge, schaut man sich aber mal die Stimmenergebnisse derer an, die besonders aktiv versuchten, die Wähler davon zu überzeugen, dass es wolfsfreie Zonen geben müsse und Wölfe ins Jagdrecht gehörten, dann sieht es so aus als wäre genau denen das nicht besonders gut bekommen.

Beispiel Frank Oesterhelweg. Der Landwirt und CDU-Landtagsabgeordnete wurde von dem Spitzenkandidaten seiner Partei, Bernd Althusmann, ins Schattenkabinett berufen. Als möglicher Umweltminister.

Oesterhelweg, im Januar 2013 noch mit 41,5 % der Erstimmen seines Wahlkreises direkt gewählter Abgeordneter, machte zuletzt vor allem mit einem Politikentwurf von sich reden, der wenig wolfsfreundlich wirkte.

Der Wolf gefährde Dorfgemeinschaften, Waldkindergärten und den Tourismus, war von ihm zu hören. Für ihn gebe es deshalb nur einen Ausweg: Der Wolf müsse ins Jagdrecht.

Sein Wahlergebnis: Nur noch 34,6 %, der möglichen Stimmen entfielen auf Oesterhelweg. Er verlor damit seinen Wahlkreis.

Ein zweites Beispiel: Der CDU-Abgeordnete Thiemo Röhler machte auf seiner Facebook-Seite mit einem Beitrag auf sich aufmerksam, in dem es heißt: „Keine Wölfe an den Deichen! – Am 15.10. Thiemo Röhler wählen“.

Eigentlich – so zeigen es die anderen Beiträge auf seiner Facebook-Seite (siehe hier!) – interessierten sich im Allgemeinen nicht außergewöhnlich viele Menschen für seinen Social-Media-Wahlkampf.

Anders nach dem Wolfsstatement des Wahlkämpfers: Dieser wurde nicht nur mehrere hundert Mal geteilt, knapp 1600 Menschen hinterließen sogar einen Kommentar, die meisten einen Ärger-Emoji.

Das Wahlergebnis letzten Sonntag: Röhler rutschte von 41.4 % der Erstimmen (2013) auf nunmehr nur noch 29.88 % in diesem Jahr.

Stefan Wenzel, der amtierende Umweltminister, der die niedersächsische Wolfspolitik in den letzten Jahren zu verantworten hatte, erzielte übrigens heuer 18.6 %, nachdem er vor vier Jahren 18.7 % der Stimmen in seinem Wahlkreis geholt hatte. Und das, obwohl die GRÜNEN bei dieser Wahl insgesamt rd. 5% einbüßten. Im Jahr 2013 konnte die Partei noch vom Fukushima-Effekt profitieren.

Fazit: Es scheint so, als ob das Thema Wolf für einige zur Wahlkampffalle wurde.


Just my two cents…

Jürgen Vogler


P.S.: Beide, Oesterhelweg und Röhler sind über die Landesliste in den Landtag gekommen, also weiterhin dabei…


Quelle: Facebook-Seite von Thiemo Röhler, abgerufen am 16.10.2017

 

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