Europaabgeordneter Eck: „Konservative und Jäger fürchten die „Wolferisierung“ Europas!“

Stefan Bernhard Eck ist Mitglied des Europaparlaments in Brüssel (MdEP) und berichtete gestern von der dortigen Veranstaltung „Coexisting with large carnivores – Challenges and Solutions“ (Koexistenz mit Großen Beutegreifern – Herausforderungen und Lösungen). Hier sein Bericht:

„Lobbyveranstaltung gegen den Wolf – Stimme des Tierschutzes nicht erwünscht, denn Konservative und Jäger fürchten die „Wolferisierung“ Europas!“

„Am 17.10.2017 fand im Europäischen Parlament in Brüssel eine Veranstaltung mit dem irreführenden Titel „Coexisting with large carnivores – Challenges and Solutions“ statt, zu der der EU-Abgeordnete Karl-Heinz Florenz (CDU, Fraktion EVP), Präsident der parlamentarischen Intergruppe „Biodiversität, Jagd und ländlicher Raum“, Interessensvertreter der europäischen Jägerschaft und FACE – „die Stimme der Europäischen Jäger“ (Dachverband der Jagd in Europa), eingeladen hatte.

Entgegen der Annahme, die das Plakat vor der Veranstaltung vorgegaukelt hatte, dass es um eine „Ko-Existenz mit großen Karnivoren – Herausforderungen und Lösungen“ gehen würde, bekamen die anwesenden Gäste bald den Eindruck, gefährliche und blutrünstige Horden von Wölfen würden in Kürze marodierend insbesondere durch den deutschsprachigen Raum ziehen, unschuldige Rotkäppchen verspeisen und deren Großeltern all ihrer Enkel berauben. Die „Wolferisierung“ Europas hat begonnen, nehmt Euch in Acht!

Ein „Höhepunkt“ dieser Pro-Wolfsabschuss-Veranstaltung war der Redebeitrag des Kammerrats der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Daniel Heindl, der mit den Worten begann: „Wir brauchen und wir wollen den Wolf nicht“.

Auch äußerte er seine Sorge darüber, dass Europa bald ein Wolfsland mit Menschen sei. Zur Krönung erläuterte er, dass er Ärger mit seiner Frau bekäme, sollte sich ein Wolf eine seiner Gänse holen. Weitere „Ergüsse“ dieses Spezialisten der Landwirtschaftskammer Niederösterreich ersparen wir den Leser/innen und Tierschützer/innen an dieser Stelle.

Ein Landtagsabgeordneter der CDU aus Brandenburg berichtete über die „Ängste“ der Bürger*innen, weil ein Wolf durch die Innenstadt gestreunt sei und sich (vermutlich aus Neugier heraus) einem Kind genähert habe. Der Abschuss des Wolfes sei aus Sicherheitsgründen unumgänglich und er forderte genauso wie der jagdwütige Niederösterreicher, dass der strikte Schutz des Wolfes aufgehoben werde müsse.

Obwohl sich der EU-Abgeordnete Stefan Bernhard Eck, der für seine konsequenten Positionen in Sachen Tierschutz im EU-Parlament allseits bekannt ist, wiederholt meldete, um Partei für die Spezies Wolf zu ergreifen, kamen nur die Jagd-Vertreter*innen zu Wort.

MdEP Karl-Heinz Florenz (CDU) erteilte seinem Parlamentskollegen Eck bewusst kein Rederecht. Ganz offensichtlich war „die Stimme für den Wolf und für den Tierschutz“ bei dieser Lobbyveranstaltung nicht erwünscht!

Der einzige Lichtblick dieser Veranstaltung war der Vertreter der EU-Kommission, der sich ausdrücklich für den Wolf aussprach und der für sein Plädoyer einzig und allein von MdEP Stefan Eck Beifall erhielt.

Wieder einmal zeigte sich, dass Tierschutz für die Vertreterinnen und Vertreter der konservativen und rechtskonservativen Parteien ein Fremdwort und maximal ein bloßes Lippenbekenntnis ist.“


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Stefan Bernhard Eck, vielen Dank auch Sandra Gabriel für die Unterstützung!

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