Deutschland: 60 Wolfsrudel nach 46 im Vorjahr – NABU: „Konstante Entwicklung“

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) vermeldeten heute die offiziellen Wolfszahlen für das Wolfsjahr 2016/2017 (1.Mai 2016 bis 30.April 2017). Die Anzahl der Rudel stieg demnach um 13 auf 60, die Zahl der Wolfspaare sank von 21 auf 13. Die Zahl der residenten Einzelwölfe ist außerdem von vier auf drei gesunken.

Der Naturschutzbund beklagt daraufhin, dass es auch im Jahr 17 der Wolfsrückkehr in Deutschland an einem nationalen Herdenschutzzentrum fehlt.


Die Meldungen von BfN, DBBW (1) und NABU (2) im Wortlaut:

Aktuelle Zahlen: 60 Wolfsrudel in Deutschland

Aktuell sind in Deutschland 60 Wolfsrudel bestätigt. Das geht aus einer neuen Erhebung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hervor. Die Wolfs-Vorkommen konzentrieren sich derzeit weiterhin vor allem auf das norddeutsche Tiefland, das sich von der sächsischen Lausitz in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis nach Niedersachsen erstreckt.

Die Zahl der 60 von den Bundesländern bestätigten Rudel des aktuellen Monitoringjahres 2016/2017 in Deutschland ist im Vergleich zum vorherigen um 13 gestiegen. Allerdings ist die Zahl der Wolfspaare im selben Zeitraum von 21 auf 13 und die Zahl der sesshaften Einzelwölfe ist von vier auf drei gesunken. Die meisten Tiere leben heute in Brandenburg und in Sachsen, wo im Jahr 2000 erstmals nach der Ausrottung der Art in Deutschland vor 150 Jahren ein Wolfspaar aus Polen zugewandert ist.

„Für den Naturschutz sind diese Zahlen zwar erfreulich, jedoch weist die Art noch immer eine insgesamt ungünstige Erhaltungssituation auf“, sagt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. „Vor allem der Straßenverkehr gefährdet den Wolf in seinem Bestand; daneben stellen illegale Abschüsse ein erhebliches Problem dar.“ Von den in Deutschland seit dem Jahr 2000 insgesamt 201 tot aufgefundenen Wölfen sind 140 durch den Straßenverkehr ums Leben gekommen und 26 illegal getötet worden. Im Vergleich zum Monitoringjahr 2015/2016 ist die Zahl der illegalen Tötungen von zwei auf fünf angestiegen.

Die Daten, die das Bundesamt für Naturschutz jährlich im Herbst veröffentlicht, werden von den Bundesländern jeweils für ein Monitoringjahr erhoben. Dieses läuft jeweils vom 1. Mai bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres und deckt sich zeitlich mit einem biologischen „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Die Daten werden anschließend jeweils noch überprüft und durch das BfN und die DBBW bundesweit zusammengeführt. Diese Zusammenführung erfolgt jährlich im Herbst bei einem Treffen der im Monitoring erfahrenen Personen von Bund und Ländern.

„Die Rückkehr des Wolfes stellt uns in unserer heutigen Kulturlandschaft vor eine besondere gesellschaftliche Herausforderung. Die Angst der Menschen vor direkten Begegnungen und die Sorgen der Weidetierhalter müssen wir sehr ernst nehmen. Wir unterstützen mit wissenschaftlich fundierten Beiträgen und Handlungsempfehlungen zum Wolf und informieren so die Bundesländer, bei denen in Sachen Wolf die Vollzugshoheit liegt“, so die BfN-Präsidentin. Einen wichtigen Beitrag leistet dabei die DBBW, die der Bund im Jahr 2016 eingerichtet hat, um insbesondere Daten aus den Bundesländern zusammenzutragen und die Fachbehörden zu beraten.

Mittlerweile wurden in 13 Bundesländern Wolfsmanagementpläne sowie entsprechende Leitlinien, Konzepte oder Leitfäden veröffentlicht. Darin ist in der Verantwortung der Länder unter anderem festgelegt, wie für den Schutz von Weidetieren die Prävention und auch Kompensation geregelt sind. „Ein flächendeckender Herdenschutz, der sich an den vom BfN empfohlenen Schutzstandards orientiert, ist essentiell, um in weiteren potenziellen Ausbreitungsgebieten für die Ankunft des Wolfes gewappnet zu sein.

Um Übergriffe auf Weidetiere weitgehend zu reduzieren, müssen Herdenschutzmaßnahmen konsequent umgesetzt und dafür auch ausreichend finanziert werden“, sagt Prof. Beate Jessel. Die Ausgaben der Bundesländer mit Wolfsvorkommen betrugen im Jahr 2016 insgesamt 1.100.963 Euro für Herdenschutzmaßnahmen. Im Vergleich dazu lagen die Schadenausgleichszahlungen, bei denen ein Wolf als Verursacher nachgewiesen oder nicht ganz ausgeschlossen werden konnte, bei rund 135.140 Euro.“


NABU: Deutsche Wolfspopulation entwickelt sich konstant

Miller: Bund und Länder müssen Herdenschutz in den Mittelpunkt stellen

„60 Wolfsrudel und 13 Paare – die heute vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) veröffentlichten Daten zeigen eine konstante Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland. Die Zunahme um 13 Rudel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum liegt leicht unter dem langjährigen Mittel von 33 Prozent Wachstum pro Jahr (seit 2009).

„Wachstumsraten von rund 30 Prozent sind in der Wildbiologie für Tierarten, die geeignete Lebensräume neu besiedeln, völlig normal und freie Territorien und Lebensräume gibt es genügend in Deutschland“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Natürliche Faktoren, wie die territoriale Lebensweise sowie Beuteverfügbarkeit und Krankheiten, begrenzten das Wachstum bereits heute und sorgten langfristig für eine stabile Populationsdynamik. Auch sterben immer wieder Wölfe durch den Straßenverkehr, aktuell mit 146 Fällen seit dem Jahr 2000 die häufigste Todesursache für Wölfe in Deutschland. Dazu kommen noch illegale Tötungen. Seit 2000 sind deutschlandweit nachweislich bereits 26 Wölfe illegal getötet wurden, die Dunkelziffer ist ungewiss.

Unklar bleibt auch, wie die Bundesländer im Umgang mit auffälligen Wölfen die eigens dafür initiierte Dokumentations- und Beratungsstelle für den Bund zum Thema Wolf (DBBW) einbinden wollen. Eine im Mai durch die Umweltministerkonferenz eingerichtete Ad-hoc Arbeitsgruppe zum Thema auffällige Wölfe kam bisher zu keinem Ergebnis, wie die Minister vergangene Woche zum Ende der Umweltministerkonferenz in Potsdam verkündeten.

Die Pläne der Länder, ein einheitliches Vorgehen im Umgang mit auffälligen Wölfen in Zusammenarbeit mit dem Bund zu erstellen, begrüßt der NABU. Gleichzeitig verweist er aber auf das kürzlich bereits erarbeitete Handlungskonzept der Experten der DBBW.

Eine Einbeziehung der Fachexperten in die Entwicklung von bundeseinheitlichen Wolfsmanagement-Konzepten ist zwingend notwendig. Denn eine allgemeingültige Definition von auffälligen Wölfen kann aufgrund unterschiedlichster Gründe für auffälliges Verhalten zusätzlich zu individuellen Charaktereigenschaften der Tiere unmöglich erstellt werden. Somit muss es sich bei der Beurteilung von Verhaltensweisen immer um Einzelfallbetrachtungen handeln.

Unerlässlich für das alltägliche Zusammenleben von Mensch und Wolf bleibt die Anwendung eines flächendeckenden und fachgerechten Herdenschutzes in Wolfsgebieten. Deshalb setzt sich der NABU zusammen mit Weidetierhaltern und anderen Natur- und Tierschützern für eine bessere Unterstützung von Präventionsmaßnahmen ein (siehe Eckpunktepapier Weidetierhaltung und Wolf vom 31.08.2017).

„Auch im Jahr 17 der Wolfsrückkehr fehlt es in Deutschland an einem nationalen Herdenschutzzentrum. Es kann nicht sein, dass der Wolf erst in allen Flächenbundesländern anwesend sein muss, damit sich das Landwirtschaftsministerium der Sorgen der Nutztierhalter, insbesondere in der extensiven Weidehaltung annimmt und klare Regelungen, Unterstützung und die Ausbildung in Sachen Herdenschutz forciert“, so Miller. Der NABU fordert bereits seit langem die Einrichtung eines Herdenschutzzentrums als wesentliche Ergänzung der DBBW.“


Quellen (beide abgerufen am 22.11.2017):

(*1)BfN am 22.11.2017: „Aktuelle Zahlen: 60 Wolfsrudel in Deutschland“, hier der Link!

(*2) NABU am 22.11.2017:Deutsche Wolfspopulation entwickelt sich konstant“, hier der Link!


Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

(Anmerkung: Für die Richtigkeit der Angaben und Inhalte der verlinkten Webseiten wird keinerlei Gewähr übernommen)

 

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