Freundeskreis kritisiert „haarsträubende Aussagen“ sächsischer Jagdfunktionäre

Vor wenigen Tagen schrieb Wolfsmonitor im Beitrag „Grüß Gott in Absurdistan“: „Eine absurdere und unerträglichere Hatz auf den Wolf habe ich nämlich vorher noch nirgends in Deutschlands Blätterwald gefunden als die, die offenbar nun Rolf Kotzur, Anton Krinner und Wolfgang Morlang in Anwesenheit des Präsidenten des Bayerischen Jagdverbands, Dr. Jürgen Focke, in der „Alten Schießstätte“ in Bad Tölz ablieferten“ (siehe hier!).

Mit dieser Einschätzung war Wolfsmonitor wohl nicht so ganz alleine. Der Freundeskreis freilebender Wolfe e.V. wandte sich nun mit einem „offenen Brief“ an die drei „Antagonisten“ (nachfolgend im Wortlaut):


Offener Brief zum Artikel in der Merkur vom 28.11.2017 – Thema Wolf: „Kritik an Volksverdummung“

https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/bad-toelz-ort28297/thema-wolf-kritikan-volksverdummung-9406650.html#idAnchComments

Dieser Brief bezieht sich auf den kürzlich gehaltenen Vortrag des „Schalenwild-Obmanns“ des Sächsischen Jagdverbandes vor der Kreisjägerschaft in Bad Tölz. Dieser Vortrag enthielt Behauptungen bzw. Inhalte, die jeglicher wissenschaftlicher Basis entbehren. Schützenhilfe wurde Herrn Kotzur zuteil von dem Vorstand der Kreisjägerschaft, Wolfgang Morlang, und dem Wildhegegemeinschafts-Leiter Anton Krinner, die mit weiteren haarsträubenden Aussagen glänzten.

Liebe Herren Kotzur, Morlang und Krinner, bitte erklären bzw. belegen Sie dem geneigten Lesern doch einmal Ihre Aussagen wie folgt: Zitat Herr Kotzur: „Obwohl bereits 250 Exemplare für eine stabile Population ausreichen würden, werde man in Sachsen bereits 2018 über 1000 Wölfe nachweisen können“

Nur zu gerne würde die interessierte Öffentlichkeit erfahren, welche wissenschaftlichen Quellen belegen, dass 250 Exemplare für eine stabile Population ausreichen. Bei isolierten Populationen wird eine Mindestzahl 1000 Adulten Tieren angegeben, bei Populationen bei denen ein Austausch von demographischer und genetischer Wirkung mit anderen Populationen besteht wird von 250 adulten Tieren nicht Exemplaren gesprochen. (Quelle: Guidelines for Population Level Management Plans for Large Carnivores)

Sehr gespannt darf man auch sein auf Ihre Quellenangaben, die Ihre 1000 Wölfe allein in Sachsen belegen. Da Sie als Jägerschaft mit der Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht in Sachsen einen Monitoring-Auftrag übernommen haben, sollte dies für Sie kein Problem sein, hier seriöse Zahlen vorzulegen. Gleiches gilt für Ihre Aussage der „stark wachsenden Zahl der Hybriden, also Kreuzungen aus Wolf und Hund“.

Sie können doch sicher nach solchen Aussagen Untersuchungen vorlegen können, die diese Thesen untermauern oder etwa doch nicht?

Interessant ist auch die Mutmaßung des Herrn Morlangs:„ Amtliche Wildbiologen würden verharmlosen und keine korrekte Arbeit leisten.“ Dies ist unseres Erachtens nach eine sehr dreiste Aussage. Herr Morlang, und bitten um Klartext: Welche Wildbiologen verharmlosen und arbeiten nicht richtig Ihrer Aussage nach? Bitte definieren Sie für jeden verständlich, was in diesem Zusammenhang Ihrer Meinung nach richtig sei?

Schlussendlich, jedoch nicht weniger haarsträubend, die Aussage des Herrn Krinners. Zitat: „Mir sind Fälle bekannt, in denen Naturschützer Wölfe und Luchse aus Gehegen angekauft und sie anschließend ausgewildert haben.“

Herr Krinner, da Ihnen diese Fälle bekannt sind, haben Sie die Pflicht diese Personen konkret zu benennen. Solche Handlungen sind illegal und müssen an geeigneter Stelle angezeigt werden. Wollen sie nicht? Kein Problem, nennen Sie Namen und versorgen Sie uns mit der Beweislast und der Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. übernimmt das!


Sehr geehrte Herren,

unterstützen Sie die Jäger mit belegten Daten und Fakten, anstatt mit o.g. haltlosen Mutmaßungen und peinlichen Verdächtigungen in die Öffentlichkeit zu poltern.

Halten Sie sich vor Augen, das Sie mit vorgenannten Aussagen dem Ansehen der gesamten Jägerschaft mit Bedacht Schaden zufügen.

Das nachfolgende Lob hätte von Ihnen ausgesprochen werden sollen: „Ich bedanke mich bei allen Jägern, die sich tatsächlich für ein sachliches produktives Miteinander von Jagd und Naturschutz einsetzen und auch im Wolfsmanagement aktiv mitwirken.“

Damit Sie sich bei einen folgenden Auftritt nicht wieder lächerlich machen und die gesamte Jägerschaft in Mitleidenschaft ziehen, fragen Sie einfach die soeben erwähnten Mitjäger oder die von ihnen angeführten Wildbiologen. Diese stützen ihre Aussagen nicht wie sie auf Mutmaßungen und Jägerlatein.


In freudiger Erwartung einer Antwort

Hochachtungsvoll,
Für den Freundeskreis freilebender e.V.

Andreas Scheck
Andreas.Scheck@freundeskreis-wolf.de


Quellen:

(*1) Freundeskreis freilebender Wölfe e.V., www.lausitz-wolf.de, am 4.12.2017, hier der Link!

(*2) Merkur, www.merkur.de, „Thema Wolf: Kritik an „Volksverdummung“ am 28.11.2017 von Rainer Bannier, abgerufen am 1.12.2017, hier der Link!

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