Sachsen: „Warum wir Wölfe (nicht) brauchen“…

In journalistischer Pro- und Contra- Manier wurde vergangene Woche in der Sächsischen Zeitung gleich über mehrere Tage und Artikel hinweg die Frage diskutiert, ob Wölfe eigentlich „gebraucht“ werden oder auch nicht. Der bekannte Lausitzer Biologe und Naturfilmer Sebastian Koerner vertrat in einem Interview überzeugend die Ansicht „wir brauchen die Wölfe“, der Bautzener Landrat Michael Harig hingegen wagte in einem wenige Tage später folgenden Beitrag die Gegenthese, „wir brauchen die Wölfe nicht“.

Koerner verwies in seinem Interview auf die positive Rolle der Wölfe für das Ökosystem und darauf, dass sich Konflikte weitestgehend vermeiden ließen und Wölfe unter hiesigen Lebensbedingungen für Menschen nicht gefährlich seien.

Außerdem merkte er an, dass wirksamer Herdenschutz in vertretbarer Form möglich und nötig sei. Nahezu alle Wölfe, die es täten, seien durch nicht ausreichende Herdenschutzmaßnahmen quasi zum Schafereißen „erzogen“ worden, so Koerner.

Harig hingegen erinnert in seinem Beitrag daran, dass Wölfe bereits im 18. Jahrhundert als „Plage“ galten und bemängelt, dass die Menschen keinen Bezug mehr zu dem hätten, was Landwirtschaft auf welche Weise leistet. Hier sei viel Unwissenheit im Spiel.

Er denke, in der Konsequenz werde es in wenigen Jahren keine Tierhalter kleiner und mittlerer Bestände mehr geben. Er werde deshalb „nicht nachlassen, darauf hinzuwirken, die rechtlichen Bedingungen dafür zu schaffen, dass Artenschutz und Nutztierhaltung einander nicht ausschließen“.


Kommentar:

Natürlich gewinnt der in Punkto Wolfsbiologie erstaunlich uninformiert wirkende Bautzener Landrat im Vergleich zu dem wolfskundigen Biologen bei diesem „dialektischen Aufeinandertreffen“ nahezu keinen Stich.

Es reicht nämlich nicht, wie Harig es tut, mit dem Blick in den Rückspiegel auf die gesellschaftlichen Verhältnisse von vor 200 Jahren zu verweisen und ansonsten den Bürger als uninformiert und „in der breiten Masse“ als uninteressiert zu brandmarken.

Ferner ist es außerdem wenig hilfreich, allein die Wölfe für die anwachsenden Wildschweinrotten und Schalenwildrudel, also für die nach landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen unangepassten Wildbestände verantwortlich zu machen.

Zu hohe Wildtierbestände sind nämlich nicht selten wegen des höheren „Jagdwertes“ erwünscht und werden deshalb durch die Form ihrer „Bewirtschaftung“ dahingehend beeinflusst.

Das Problem kennen viele Forst- und Landwirte als Leidtragende bereits seit langer Zeit und viele von ihnen auch schon, bevor es überhaupt Wölfe bei ihnen gab.

Analog existiert bereits seit Jahrzehnten eine Diskussion zwischen Förstern und Jägern, die unter der Überschrift „Wild vor Wald“ oder „Wald vor Wild“ geführt wird.

Und wenn sich diese nun sowieso schon „künstlich“ überhöhten Wildtierbestände zusätzlich auch noch gegen anwesende Beutegreifer (und damit ein Stück echter Natur) zu noch größeren Einheiten zusammenrotten, ist wer schuld? Natürlich der Wolf! Glaubt offenbar Harig.

Er werde deshalb „nicht nachlassen, darauf hinzuwirken, die rechtlichen Bedingungen dafür zu schaffen, dass Artenschutz und Nutztierhaltung einander nicht ausschließen“, ist von ihm zu lesen.

Vermutlich aus genau diesem Grund forderte Hobbyschafhalter Harig im letzten Jahr gleich mehrfach den fragwürdigen Abschuss von Wölfen. Allerdings vergeblich, da Wolfsbefürworter erfolgreich Rechtsmittel dagegen einlegten.

Auf den Betrachter wirkt es im Übrigen, als sei auch hier viel Unwissenheit im Spiel…


Just my two cents…

Jürgen Vogler


Quellen:

SZ-Online, beide Artikel abgerufen am 07.01.2018: Mittwoch, 03.01.2018: „Wir brauchen die Wölfe“ von Jana Ulbrich, hier der Link! und Freitag, 05.01.2018 „Wir brauchen die Wölfe nicht“, hier der Link!

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