Diskussion über „böse Wölfe“ erreicht Brüssel!

In Brüssel fand am 15. September 2015 eine „Europäische Konferenz über das Wolfsmanagement“ statt, die unter dem Motto „Europa und der böse Wolf – schießen oder schützen?“ stand. Der CDU-Europaabgeordnete und Präsident der fraktionsübergreifenden parlamentarischen „Intergruppe Biodiversität, Jagd, ländliche Aktivitäten“ im Europäischen Parlament, Karl Heinz Florenz und „die Europäische Föderation der Verbände für Jagd und Naturschutz“, kurz FACE, hatten dazu eingeladen.

In einer Pressemitteilung, die Florenz vor der Konferenz auf seiner Internetseite veröffentlichte, hieß es:


„Ich möchte keine Wölfe, die durch Siedlungsgebiete streifen, in der Nähe von Schulen in Mülleimern wühlen oder Jagd auf Schafe und Hühner machen. Der Wolf muss den nötigen Respekt vor uns Menschen haben – wenn es sein muss auch durch einen Warnschuss und andere Vergrämungsmaßnahmen. Wir müssen aber auch den Mut haben, wenn Gefahr in Verzug ist, aggressive und kranke Wölfe zu entnehmen. Unbürokratisch und schnell, sonst fühlt sich die Bevölkerung in ihren Ängsten nicht ernst genommen. Hier muss über eine klarere, zielführendere Regelung auch auf europäischer Ebene nachgedacht werden“.
(hier der Link zur vollständigen Meldung)

Quelle: FACE.EU
Einladungsplakat zur Wolfskonferenz in Brüssel (Quelle: www.face.eu)

Eine Position, die Helmut Dammann-Tamke, agrarpolitscher Sprecher der CDU im niedersächsischen Landtag und Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) nach Angaben der Südwestpresse auf der Konferenz bekräftigte. Er warnte vor einem biologisch begründeten steil ansteigenden Wolfsbestandswachstum von jährlich 30 bis 50%. Eine „Welle“, die die wenigsten erkannt hätten (hier der Link).

Übertrieben fand der Vertreter des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) Dr. Eick von Ruschkowski diese Äußerungen. Der derzeitige rechtliche Schutz des Wolfes sei ausreichend, eine „konfliktfreie Koexistenz“ zwischen Wölfen und Menschen möglich, Nutztiere könnten ausreichend geschützt werden, eine Entnahme „verhaltensauffälliger Wölfe sei bereits heute vorgesehen.

Die administrativen Verfahren zur Erlangung der behördlichen Genehmigungen für die „Vergrämung“ oder dem Abschuss „verhaltensauffälliger Wölfe“ müssten allerdings durch Richtlinienlockerungen beschleunigt werden, war wiederum die Meinung des Deutschen Jagdverbandes. Eine Forderung, die Ruschkowski letztlich für überflüssig hielt, weil sie nur dazu diene, den Wolf „ohne weiteres bejagen zu dürfen.“

Kommentar:

Die in Deutschland zwischen den Naturschutzverbänden geführte Diskussion über den richtigen Umgang mit den Wölfen wurde nun also gezielt nach Brüssel getragen. Es ist nicht unüblich und gehört somit quasi zum Tagesgeschäft in Brüssel, dass politische Interessensvertreter, deren Gruppierungen sowie allerlei Verbände im Rahmen von parlamentarischen Abenden, Konferenzen oder anderen Events versuchen, EU-Kommissionsmitglieder von ihrem Ansinnen zu überzeugen. Einerseits sollte man diese Aktivitäten nicht überbewerten. Andererseits sind die Kommissionmitglieder auf den fachlichen Austausch mit der „Basis“ angewiesen, um sich bei ihren Entscheidungen nicht dem Vorwurf aussetzten lassen zu müssen, man habe vollständig die „Bodenhaftung“ verloren. Zu häufig schon wurde in der Vergangenheit der Eindruck vermittelt, Brüsseler Entscheidungen hätten mit dem Lebensalltag vieler Europäer kaum noch etwas zu tun.

Es ist den Verantwortlichen dieser Konferenz hoch anzurechnen, dass die Diskussion in Brüssel in ähnlicher Weise vorgetragen wurde, wie sie in Deutschland tatsächlich geführt wird. Der „Meinungsmix“ war durch die Stellungnahmen des NABU-Vertreters entsprechend ausgewogen. Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit und muss als höchst seriös gewürdigt werden.

Die auf der Konferenz vorgetragenen Argrumente kommen dem aufmerksamen Beobachter jedoch überwiegend bekannt vor, obwohl der Wahrheitsgehalt einiger zweifelhaften Botschaften durch deren ständige Wiederholung nicht zunehmen dürfte. Wölfe vermehren sich, das ist wildbiologisch bestätigt, jährlich um rund 30%, mit zunehmender Population eher in einem geringeren Maß. Die „Welle“, von der der LJN-Präsident sprach, wird deshalb aller Voraussicht nach ausbleiben.

Ein vollständiges Bild der Sachlage würden die EU-Kommissionsmitglieder allerdings erst dann erhalten, wenn auch der NABU, der WWF, die LCIE, der IFAW und die GzSdW – vielleicht gemeinsam – eine gleichwertige Veranstaltung mit der EU-Kommission in Brüssel durchführen würden. Natürlich sollte dann auch ein Vertreter der Jagdverbände zu Wort kommen, um die Ausgewogenheit der Argumente abermals zu gewährleisten.


Wäre das Bild der EU-Kommission von den Herausforderungen, die die Wolfsrückkehr mit sich bringt, am Ende dann vielleicht ein anderes?


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

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