NABU: „Das Agieren des Bauernbundes ist unverständlich und empörend.“

Nachdem der Bauernbund Brandenburg, ein kleiner Verein mit etwa 500 Mitgliedern und recht kompromisslos klingenden Argumenten („Wir wollen Brandenburg wolfsfrei haben“), nach dem Wirksamwerden der Brandenburger Wolfsverordnung die Zusammenarbeit mit der Landesregierung aufgekündigt hatte, fordert der NABU in Brandenburg den Bauernbund nun auf, die Hetzkampagne gegen den Wolf einzustellen (im Wortlaut):

Bauernbund Brandenburg macht Jagd auf den Wolf

„Während gestern (am 17.1., Anm.d.R.) der Landtagsauschuss für Landwirtschaft einen sachlichen Meinungsaustausch mit Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz führte, setzte der Bauernbund seine Hetzkampagne gegen den Wolf in Brandenburg fort.

Wieder wurde mit falschen Behauptungen und Hinweisen auf offenen Rechtsbruch Stimmung gegen ein vernünftiges Zusammenleben mit dem Wolf gemacht.

Frau Jessel, vor ihrer jetzigen Tätigkeit Professorin an der Universität Potsdam, hat deutlich gemacht, dass der Wolf eine nach europäischem und deutschem Recht streng geschützte Tierart ist. Einen günstigen Erhaltungszustand habe man mit 60 Rudeln (etwa 150 erwachsene Tiere in ganz Deutschland) davon 22 Rudel in Brandenburg, nicht erreicht.

„Diese Zahlen sind fachwissenschaftlich ermittelt, die vom Bauernbund ohne fachliche Grundlage behaupteten, deutlich höheren Zahlen sind reine Stimmungsmache“, erklärte Friedhelm Schmitz-Jersch, Vorsitzender des NABU Brandenburg.

Im Landtagsausschuss hat Frau Jessel dafür geworben, ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben mit dem Wolf zu organisieren. Die Zahl der Übergriffe auf Weidetiere hänge von der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen ab.

Der NABU weist darauf hin, dass der Vorsitzende des Bauernbundes, Marco Hintze eine mögliche Schutzmaßnahme wirksam praktiziere. Auf seiner Rinderweide stehe seit 2012 ein Esel, der Alarm schlage, wenn sich ein Wolf nähere. Für Präventionsmaßnahmen, wie elektrische Weidezäune stellt das Land Fördermittel bereit.

Die gerade erlassene Wolfsverordnung – die erste in Deutschland – wurde von Frau Jessel bestätigt. Diese stehe in Übereinstimmung mit den rechtlichen Vorgaben. Sie erläuterte auch, dass es seit der erneuten Ausbreitung des Wolfes in Europa noch keine Angriffe eines Wolfes auf Menschen gegeben habe.

Dennoch schaffe die Verordnung Vorsorge für ein Eingreifen bei problematischem und aggressivem Verhalten gegenüber Menschen. Auch bei nachgewiesenen erheblichen wirtschaftlichen Schäden für Tierhalter könne konkret eingeschritten werden.

Zum Vorgehen des Bauernbundes Brandenburg erklärt Friedhelm Schmitz-Jersch: „Die Wolfsverordnung ist gerade erst erlassen und wird vom Bauernbund schon für gescheitert erklärt. Ich fordere den Bauernbund auf, die Hetzkampagne gehen den Wolf einzustellen und keine Werbung für die rechtswidrige Jagd auf den Wolf und damit für den klaren Rechtsbruch zu machen. Im Bauernbund sind auch viele Ökobauern organisiert. Diese stehen besonders für eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Das Agieren des Bauernbundes ist deshalb umso mehr unverständlich und empörend.“


Herausgeber: NABU Landesverband Brandenburg e.V., Lindenstraße 34,,14467 Potsdam

Redaktion: NABU-Pressestelle Brandenburg, Heidrun Schöning (verantwortlich)

 

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