Kampagne gegen Wölfe?

Was man zurzeit in der Märkischen Allgemeinen (MAZ) über den „dramatischen“ Anstieg der Wolfsrisse in Brandenburg liest, klingt nicht unbedingt beruhigend. Wolfsbefürworter im Netz spekulieren sogar über eine Anti-Wolf-Kampagne der Zeitung.

Anlass hierzu war zuletzt ein Artikel von Ulrich Wangemann, in dem der MAZ-Autor seinen Protagonisten uneingeschränkt und unkritisch zu glauben scheint.

Zumindest muss der Leser das denken, so einseitig und unausgewogen wie der Autor die Ereignisse, Äußerungen und Fakten präsentiert. Für meinen Geschmack muss er allerdings etwas zu häufig auf das Wörtchen „mutmaßlich“ zurückgreifen.

Denn „mutmaßlich“ könnte die von ihm erzählte Geschichte auch ganz anders lauten. Vielleicht ist es nämlich nicht allein der Wolf, der für die angeblich „dramatisch“ steigenden Risszahlen in Brandenburg verantwortlich zu machen ist. Der kann nämlich nicht zwischen erlaubten und unerlaubten Beutetieren unterscheiden. Er differenziert zwischen leicht erreichbarer und unerreichbarer Beute.

Vielleicht liegen die steigenden Risszahlen deshalb ja zu einem maßgeblichen Anteil an den sich dem Herdenschutz verweigernden Nutztierhaltern?

Diesbezüglich erkennbar nicht nur polemisch ganz vorn ist in Brandenburg der von Ulrich Wangemann dargestellte Bauernbund. Der brach zuletzt nach dem Inkrafttreten der Wolfsverordnung zum Jahresanfang sogar die weitere Zusammenarbeit mit der Landesregierung hinsichtlich der Wölfe ab, weil dem Verband das Papier nicht weit genug ging. Nicht ausgeschlossen also, dass dieser Gesprächsabbruch in der Folge für den Verband das selbst gewählte politische Abstellgleis bedeutet.

Die Landesregierung selbst könnte am Ende sogar ganz froh darüber sein. Konstruktives war nämlich von diesem Verband in Punkto Wolf kaum zu vernehmen.

Wangemann selbst scheint die ihm von ihm beschriebenen Umstände selbst nicht wirklich zu durchdringen. Ansonsten hätte er erkennen müssen, dass die einzig konsequente Alternative, als Nutztierhalter dauerhaft friedfertig in Nachbarschaft mit den Beutegreifern leben zu können, wirksame Herdenschutzmaßnahmen sind.

Und die sind – allen Unkenrufen zum Trotze – möglich. Dazu müssen die meisten Rinderhalter auch nicht, wie immer wieder behauptet wird, außerhalb von „Kernbereichen“ 30- oder 50- Hektar-Weiden wolfssicher einzäunen.

Wenn also die Landesregierung in Brandenburg klug beraten sein will, lässt sie sich von der Unsachlichkeit und der Unprofessionalität einzelner „Lautsprecher“ nicht tiefergehend beeindrucken.

Denn es gibt in Deutschland massenhaft Beispiele von Nutztierhaltern, die in Wolfsgebieten wirksam Herdenschutz ohne Nutztierverluste betreiben. Und täglich werden es mehr.

Vielleicht könnte es auch für einen Autor wie Ulrich Wangemann interessant sein, einmal darüber zu berichten….

Just my two cents

Jürgen Vogler


Quelle: Märkische Allgemeine am 25.1.2018 von Ulrich Wangemann: „Zahl der Wolfsrisse steigt dramatisch“, abgerufen am 27.1.2018, hier der Link!

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