Das alljährliche Erkenntnisgrab der durch unterlassenen Herdenschutz entstehenden Nutztierrisse

Es ist wahrlich müßig über Risszahlen von Wölfen zu reden, wenn man diese nicht mit den jeweiligen vorhandenen (oder auch nicht vorhandenen) Herdenschutzmaßnahmen ins Verhältnis setzt, wie nun Dirk Fisser es (wie auch bereits in früheren Beiträgen) erneut tut. Irgendwann wird das sicher auch mal diesem NOZ-Redakteur einleuchten, dessen jährliche „Einsichten“ zu den norddeutschen Risszahlen ich nun schon das dritte Mal in Folge präsentiert kriege.

In seinem Kommentar bietet Fisser dann sogar noch folgende „interessante“ Erkenntnis an, angeblich um die hitzige Wolfsdebatte zu „versachlichen“:

…“Der Wolf ist wieder ein Stück Heimat, er gehört zu Deutschland. Er wird weitere Schafe und Ziegen töten. Dort aber, wo das Raubtier tatsächlich Weidetierhaltung und die wirtschaftliche Existenz von Menschen bedroht, müssen Grenzen gezogen werden. Und das kann in letzter Konsequenz eben auch heißen einzelne Tiere zu töten.“ (*1)

Warum müssen die teils seit Jahren vorliegenden Fachstatements öffentlicher Stellen eigentlich „ergänzt“ und damit verwässert werden? Warum glaubt Dirk Fisser, noch eine weitere und zudem interpretationsbedürftige „Versachlichungsfloskel“ in den Ring werfen zu müssen?

Reicht nicht unter Umständen auch folgende Erkenntnis des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, die ich Fissers Vorschlag hier einmal entgegensetze:

„…Die durch Wölfe entstehenden Schäden bleiben weit unter den Verlusten, die Nutztierhalter durch andere Einflüsse (Unfälle) oder natürliche Gegebenheiten (Krankheiten) verlieren.

Der Wolf ist eine nach europäischem Recht streng geschützte Tierart, dessen Erhaltungssituation gefährdet ist. Forderungen nach Obergrenzen oder wolfsfreien Gebieten sind mit dem Gefährdungsstatus nicht vereinbar.

Es hilft auch nicht, den Wolfsbestand auszudünnen oder zu regulieren. Selbst bei Anwesenheit von wenigen Wölfen können Schäden nicht ausgeschlossen werden.

Es müssen trotzdem weiterhin Schutzeinrichtungen beibehalten und gegebenenfalls ausgebaut werden.

Es ist nicht lauter, das Sicherheitsgefühl der Menschen auf dem Land mit den durch unterlassenen Herdenschutz entstehenden Schäden in Verbindung zu bringen. Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus, sie reagieren auf Menschen mit Vorsicht und nicht aggressiv.“ (*2)

Es stimmt außerdem nicht, was der in Fissers Beitrag zitierte Landvolk-Vize-Präsident Jörn Ehlers behauptet: „…allein über stärkeren Schutz der Weidetiere lasse sich diese Entwicklung nicht stoppen.“

Richtig ist: Nahezu nur über den stärkeren Schutz der Weidetiere lässt sich diese Entwicklung stoppen!


Just my two cents

Jürgen Vogler


Quellen (alle abgerufen am 10.4.2018):

(*1) NOZ am 10.4.2018: Dirk Fisser: „Wölfe töteten 2017 mehr als 500 Nutztiere in Norddeutschland“, hier der Link!

(*2) Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: „Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland“, hier der Link!

 

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