4 neue Wahrheiten über Wölfe!

Ich fühle mich ganz gut informiert. Besonders über „unsere deutschen“ Wölfe. Zahllose gelesene Bücher älteren und neueren Datums bringen mich zu dieser mutigen Einschätzung. Oft denke ich, meine „kleine Wolfsbibliothek“ sei nun vollständig, bis…, ja bis ich wieder ein unentdecktes Buch in den Online-Antiquariaten entdecke.


Das besorge ich mir dann meistens umgehend und lese es zügig. Dieses angelesene Wissen aus Büchern ergänze ich üblicherweise durch die Lektüre von Broschüren, neuzeitlichen Veröffentlichungen und Fachstudien. Auch die tägliche Presse über die heimischen Wölfe verfolge ich regelmäßig. Ein mehrtägiges Monitoring-Seminar, mein Background als Jäger und allerlei Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen, die sich ebenfalls mit Wölfen beschäftigen, ergänzen meine persönlichen Kenntnisse. Die Summe dieses Wissens bildet letztlich das Grundgerüst dieses Blogs. Es handelt sich allerdings – das muss ich mir ehrlicherweise eingestehen – immer noch um ein „generalistisches Halbwissen“. Das soll kein Eingeständnis dafür sein, dass die Artikel auf dieser Webseite fehlerhaft sind, ich will nur darauf hinweisen, dass es eine letztliche Gewissheit für die Richtigkeit jeglicher Einschätzungen nicht gibt. Nicht geben kann!


Wir brauchen mehr Expertenwissen in der öffentlichen Wolfsdiskussion!


Die ausgewiesenen Wolfsexperten besitzen zwar andererseits oft ein bestechendes Fachwissen, doch zeitweise ist es leider nicht das, was in der öffentlich- politischen Diskussion gerade gebraucht wird. Viele dieser Experten, oft mit wissenschaftlichem Background gesegnet, sehen sich auch nicht in der Rolle und vielleicht ebenso auch nicht in der Lage dazu, die politischen Dimensionen ihrer wildtierbiologischen Erkenntnisse öffentlich zu erörtern.


Gerade in diesen Tagen stelle ich immer häufiger fest, dass viele, die sich in der Presse zu Wort melden, über so gut wie kein halbwegs „tragfähiges Wolfswissen“ verfügen. Zumeist nicht einmal über ein „generalistisches Halbwissen“. Mit dieser Aussage nehme ich einige Verbandsvertreter, die es sich zur Hauptaufgabe gemacht haben, gegenüber den politisch Verantwortlichen Ansprüche anzumelden, besonders in den Fokus. Denn gerade sie machen sich zu Wortführern der gesellschaftlichen Diskussion über die Zukunft der Wölfe in Deutschland. Da stehen dann plötzlich Forderungen und Feststellungen im öffentlichen Raum, wie beispielsweise: „nicht akzeptabel seien Forderungen, nach denen sich die Nutztierhaltung auf der Weide den neuen Gegebenheiten anzupassen habe“…, „da rollt eine Welle auf uns zu, die die wenigsten in Ihrer Intensität erkannt haben“, oder „die Rückkehr des Wolfes in unsere Kulturlandschaft und Zivilisation gibt allen Anlass zur Sorge“!….Drei Zitate von deutschen Verbandsfunktionären aus der letzten Zeit, die wegen ihrer potenziellen öffentlichen Wirkung ebenfalls „Anlass zur Sorge“ geben. Wird von den Verbandvertretern nach der Devise verfahren, wer am lautesten schreit, wird am ehesten gehört?

Aus diesem Grund würde ich mir manchmal wünschen, dass unsere „echten Wolfsexperten“ sich häufiger als bisher ein Herz fassen und dem fachlich jeglicher Grundlage entbehrenden „Schmarren“ solcher Äußerungen öffentlich entgegentreten.

Gebündeltes Know-how auf Wolfskonferenz birgt zahlreiche relevante Erkenntnisse

Nichts ist jedoch im Zweifel hilfreicher, um auf dem aktuellen Wissenstand zu bleiben, als das gebündelte Know-how, das ausgewiesene Fachleute auf Tagungen und Kongressen ihren Zuhörern vermitteln. Das wurde mir auf der internationalen Wolfskonferenz im September in Wolfsburg wieder einmal deutlich.

Deshalb möchte ich meinen Lesern nun vier Ergebnisse der Konferenz vorstellen, die mir in dieser Form noch nicht bekannt waren:


  1. Unter den heutigen Gegebenheiten und bei Berücksichtigung aktueller Studien wird ein „günstiger Erhaltungszustand“ der Wolfspopulation in Deutschland bei 200 Wolfsrudeln, also rund 1.600 Wölfen ausgemacht. Eine „überlebensfähige Mindestpopulation“ ist bei einer Zahl von 1.500 Wölfen gegeben. Diskussionen darüber, ob bereits heute ein „günstiger Erhaltungszustand“ erreicht sei, sind demnach verfrüht. (Dr. Guillaume Chapron, Grimsö Wildlife Research Station, Schweden)
  2. Die Bejagung von Wölfen erhöht nicht die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung. Das zeigen Erfahrungen aus dem amerikanischen Bundesstaat Wisconsin. Im Gegenteil: Durch die Bejagung der Wölfe wird der Bevölkerung unterschwellig der Eindruck vermittelt, Wölfe seien ohne Wert, quasi wertlos. Wissenschaftliche Studien über Wölfe erhöhen die Akzeptanz des Beutegreifers in der Bevölkerung hingegen. (Dr. Adrian Treves, Carnivore Coexistence Lab, Nelson Institute for Environmental Studies, University of Wisconsin-Madison, USA)
  3. Die statistische Mortalitätsrate durch illegale Wolfsabschüsse liegt bei 16%. (Dr. L. David Mech, United States Geological Survey, USA)
  4. Die Idee des Deutschen Jagdverbandes (DJV) ist es, die Bejagung als ein Baustein im Wolfsmanagement zu integrieren. (Andreas Leppmann, Geschäftsführer des Deutschen Jagdverbandes)

Es lohnt sich, über jeden einzelnen der hier aufgeführten Punkte einmal ausführlich nachzudenken! Welcher der vier Punkte könnte die öffentliche Diskussion in Deutschland in eine neue Richtung lenken? Ich hätte da durchaus einen Vorschlag, aber beantworten Sie die Frage doch erst einmal für sich persönlich!


Herzlichst
Ihr
Jürgen Vogler

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