Wölfe dezimieren oder auf deren Bejagung verzichten?

Im Abstand von nur wenigen Stunden erschienen am vergangenen Wochenende zwei Pressemeldungen in der brandenburgischen „Märkischen Allgemeinen“, die an Wölfen interessierte Menschen aufhorchen ließen: Einem Bericht von Saskia Popp entsprechend, ging es auf einer Versammlung des Kreisjagdverbandes Potsdam-Mittelmark sehr lebhaft zu. Man „schlug dort Alarm“. Man fürchtet dort nämlich nach Aussage eines „Wolfsbeauftragten“ eine „Wolfsplage und wolle nun entsprechend handeln“, was schlussendlich bedeute, dass man im November seitens der Jägerschaft bei einer Zusammenkunft im Umweltministerium fordern werde, Wölfe durch Abschüsse „dezimieren“ zu dürfen. Die Beobachtungen der Jäger seien „eindeutig“, der Wolf sei eine „unterschätzte Gefahr“. Den ganzen Artikel können Sie lesen, wenn Sie diesen Link nutzen!

Das gleiche Medium, die „maz-online“, gab am selben Tag eine Meldung über einen illegal erschossenen Wolf bei Siegdahl, ebenfalls Brandenburg, heraus (Wolfsmonitor berichtete – hier der Link!). Obwohl das tödliche Projektil in diesem Fall sichergestellt werden konnte, was die forensische Beweisaufnahme zur Überführung des Täters erheblich erleichtern dürfte, kann diese Meldung mit dem obigen Artikel eigentlich nicht seriös in Verbindung gebracht werden. Jegliche Spekulation darüber, ob es sich bei dem „Wolfstöter“ um einen Jäger handelt, wäre verfrüht und fragwürdig. Dennoch bin ich als aufmerksamer Leser irritiert. Hier die Forderung, Wölfe „dezimieren“ zu wollen, wenig später an anderer Stelle im selben Bundesland ein erschossener Wolf.

Nachtrag 13.10., 15:00 Uhr: Die Irritation verflog spontan mit der Meldung der Polizei in Brandenburg, dass der genannte Wolfe nicht beschossen wurde (hier der Link!).

Die Versammlung des Kreisjagdverbandes Potsdam-Mittelmark ist dann auch ein zeitgenössischer Beleg dafür, mit welchen Argumenten und gleichzeitig stimmungsmachenden Rechtfertigungen heutzutage – dem Pressebericht entsprechend scheinbar in Stammtischmanier – versucht wird, interessenpolitisch und somit gesellschaftlich Einfluss zu nehmen. Und zwar unabhängig von der derzeit geltenden Rechtslage. Wölfe gehören nämlich zu den am strengsten geschützten Tierarten in Deutschland. Dementsprechend dürfte die Forderung der Jägerschaft im Umweltministerium im November scheitern.

Der Landesjagdverband Brandenburg verurteilte kurze Zeit später öffentlich den illegalen Abschuss des Wolfes (hier ein Link, Quelle: www.morgenpost.de). Zur Sitzung des Kreisjagdverbandes ist dort jedoch nichts zu lesen.

Dass die Diskussion in Punkto Wolf auch wesentlich sachlicher und damit eindrucksvoller geführt werden kann, zeigt ein Bericht von Andreas Puls in der „Volksstimme“, der am selben Wochenende in Sachsen-Anhalt erschien. Der Förster Horst Schulze, Leiter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt und ebenfalls „Wolfsbeauftragter“ auf dem Truppenübungsplatz Altmark, bezieht in diesem Artikel Stellung zu einem kurz vorher in derselben Zeitung veröffentlichten Leserbrief. Sie erreichen ihn unter folgendem Link!


Zwei Wolfsbeauftragte, zwei Meinungen, mag man nun denken! Meine Empfehlung: Lassen Sie einmal beide Artikel auf sich wirken und entscheiden Sie selbst, durch welchen Beitrag Sie sich sachgerechter informiert fühlen!


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


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