Wir brauchen keine Wölfe! Wirklich?

Manche neigen dazu, komplexe Dinge auf einfache Formeln zu bringen. Politiker müssen das sogar, da sie ansonsten Gefahr laufen, dass ihre Botschaft nicht von den Medien aufgegriffen wird. Für uns Bürger bleibt gewöhnlich kaum Zeit, die Vielzahl der täglichen Nachrichten und Informationen hinreichend zu durchdenken und zu durchdringen. Dreiminütige Radionachrichten auf dem Weg zur oder von der Arbeit müssen zuweilen ausreichen, damit wir uns ausreichend informiert fühlen. Deshalb haben wir uns angewöhnt, die einfachen „Formeln“, die uns medial präsentiert werden und einer gewissen Logik nicht entbehren, kritiklos zu übernehmen. Im Ergebnis sind die Dinge dann oft gut oder schlecht, richtig oder falsch, schwarz oder weiß.

Wer schon einmal an einer Informationsveranstaltung zum Thema Wölfe teilgenommen hat oder auch nur die Presseberichterstattung darüber verfolgt, dem dürfte aufgefallen sein, dass sich meistens irgendwann jemand mit der Frage zu Wort meldet, wozu wir eigentlich Wölfe brauchen. Schließlich waren über hundert Jahre keine da und niemand habe sie vermisst. Meistens folgt dann noch die Anmerkung, dass Wölfe so gut wie keinen Nutzen stiften und darüber hinaus auch noch die weidenden Tiere gefährden. Bei einer entsprechende Abwägung spreche eigentlich wenig für die Wölfe.

Da ist sie wieder, die unsachgemäße Vereinfachung. Die Einteilung der uns umgebenden Tierwelt in nützliche und schädliche Subjekte ist für viele langjährig eingeübte Praxis. Aber schauen wir einmal etwas genauer hin, auch wenn wir dabei Gefahr laufen, dass „ein Teil der Antwort die Bevölkerung verunsichern könnte“ (…in Anlehnung an einen amtierenden Innenminister). Wozu eigentlich könnten Wölfe nützlich sein?

Im Januar 2014 erschien auf „deutschlandfunk.de“ ein Artikel von Monika Seynsche, mit dem sie etwas mehr Licht ins Dunkel brachte. Sie schrieb: „Immer mehr Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass große Raubtiere eine wichtige Rolle für den Schutz und die Stabilität ihrer Ökosysteme spielen und der Mensch großen Schaden anrichtete, als er die Großräuber ausrottete.“

Der Artikel erklärt das Konzept der trophischen Kaskade, einen ökologischen Veränderungsprozess, der einsetzt, wenn große Beutegreifer durch ihre Rückkehr auf die Schalenwildbestände einwirken und – man lese und staune – so vielleicht sogar die Folgen des Klimawandels abmildern können.

Eines vorweg, über das Konzept der trophischen Kaskade herrscht wissenschaftlich (noch) keine Einigkeit. Zwar sehr wohl darüber, dass das Phänomen tatsächlich existiert, nicht jedoch über die jeweils zu erwartenden Wirkungen. Und dennoch, das Phänomen erscheint so logisch und einleuchtend zu sein, dass es sich als eine Teilantwort auf die Frage, wozu Wölfe gebraucht werden, durchaus eignet.

Wir wissen zwar heute noch nicht genau, wie sich trophische Kaskaden, die durch die Wolfsrückkehr einsetzen, bei uns in Deutschland auswirken werden, dafür sind die Wolfsbestände noch viel zu niedrig. Wir wissen dagegen ziemlich genau, welche Wirkungen die Abwesenheit der Wölfe hervorbrachte! Schauen Sie doch einfach einmal in die Wildunfall-, bzw. Wildschaden-Statistik oder fragen Sie einen Förster Ihres Vertrauens.

Über diesen Link finden Sie den Artikel „Der Nutzen der großen Jäger“ von Monika Seynsche!


(Quelle: www.deutschlandfunk.de, 10.01.2014, Themenbereich Ökologie: „Der Nutzen der großen Jäger“ von Monika Seynsche, abgerufen am 23.11.2015)

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