3 Antworten von Nathalie Soethe

Nathalie Soethe (42, Foto rechts) ist promovierte Agraringenieurin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald. Die von ihr gegründete Initiative WikiWolves hat sich zum Ziel gesetzt, Nutztierhalter durch Freiwilligeneinsätze im Herdenschutz zu unterstützen. Die Initiative möchte u.a. Schaf- und Ziegenhaltern praktische Hilfe leisten und so den Austausch zwischen Wolfsfreunden, Interessierten und betroffenen Tierhaltern fördern. Damit soll die gesellschaftliche Anerkennung der Arbeit der Schafhalter und ihr Beitrag zum Landschafts- und Biodiversitätsschutz gesteigert und langfristig ein konfliktarmes Nebeneinander von Wölfen und Nutztierhaltern ermöglicht werden. Wolfsmonitor hatte nun Gelegenheit zu einem Interview mit ihr.

WOLFSMONITOR: Frau Soethe, wie und wann kam es zur Initiative WikiWolves und wer sind die Initiatoren?


Bis vor kurzem war ich beruflich indas EU ProjektBIOMOT eingebunden, bei dem wir Motivationen imBiodiversitätsschutz erforscht haben. Eine unserer Fallstudien war dasWolfsmanagement in Mecklenburg Vorpommern. Hierdurch bin ich 2013 intensiver auf dieWolfsthematik aufmerksam geworden. Zeitgleich hielt ein Kollege von mir, ThomasStruwe, einen Vortrag über dieBaumpflanzinitiativeWikiWoods.org. Noch während des Vortrags kam mir der Gedanke „Hätten die Freiwilligen von WikiWoods nicht auch mal Lust,Herdenschutzzäune zu bauen?“. Nach dem Vortrag sprach ich Thomas sofort an und die Idee „WikiWolves“ war geboren. Der Ansatz, Tierhaltern in Form vonFreiwilligenarbeit beimHerdenschutz zu helfen, fand von Beginn an sehr viel Anklang, sowohl unter Tierhaltern als auch unterWolfsfreunden. Bis es aber wirklich zum erstenFreiwilligeneinsatz kam, dauerte es fast zwei Jahre. Rückblickend bin ich sehr froh darüber, dass wir am Ball geblieben sind!

WOLFSMONITOR: Sie sind gerade dabei, ein größeres Netzwerk von Freiwilligen aufzubauen, sowohl auf Seiten der Unterstützer als auch auf Seiten der Tierhalter. Wo steht WikiWolves heute?


Im Frühjahr dieses Jahres wurde aus der Idee WikiWolves die Initiative WikiWolves. Der Wendepunkt trat ein, als ich im März eingeladen wurde, auf der BUND-Tagung „Fakten zum Wolf“ in Güstrow einen Vortrag über WikiWolves zu halten. Zwei Tage später rief mich der erste Schäfer an und wir vereinbarten einen Termin für einen ersten Wochenendeinsatz. Seit dem wächst das Netzwerk. Inzwischen haben wir mit 21 Freiwilligen an fünf Wochenenden Schäfern in Mecklenburg Vorpommern und Schleswig Holstein beim Bau von Zäunen geholfen. Deutschlandweit gibt es bislang etwa 70 Freiwillige, die bereit sind, bei Hilfseinsätzen mitzumachen, und wir haben regionale Ansprechpartner in acht Bundesländern. Es wird also deutlich: Die Leute möchten helfen, die Situation der Schäfer, für die Herdenschutz ein erheblicher Zusatzaufwand bedeutet, ist auch den Wolfsfreunden nicht egal! Die vielen neuen Bekanntschaften, die innerhalb der letzten acht Monate entstanden sind, und die Begeisterung mancher Leute über die Initiative sind für mich persönlich eine ganz große Bereicherung.

WOLFSMONITOR: Was hat bislang besonders gut funktioniert, wo hakt es vielleicht noch und was sind Ihre Pläne für die nahe Zukunft?


Was mich besonders gefreut hat: Es fanden sich bislang für jeden geplanten Einsatz immer genügend Freiwillige! Das lag unter anderem auch daran, dass Studenten der Landschaftsökologie in Greifswald uns so toll unterstützt haben. Was mich auch gefreut hat: Ich war mir am Anfang nicht sicher, ob unsere Einsätze für die Schäfer wirklich eine praktische Hilfe sein würden oder ob sie mehr symbolischen Charakter hätten. Inzwischen bin ich mir sicher, dass wir den Schäfern wirklich Arbeit abnehmen, wenn auch nur für ein paar wenige Tage. Und was die Wölfe betrifft: Dass die Schäfer und die Freiwilligen unterschiedliche Meinungen über die Rückkehr der Wölfe hatten, war kein Geheimnis. Aber das hat überhaupt keine Rolle gespielt. Wir haben zusammen gearbeitet, uns kennengelernt und zusammen Spaß gehabt, und das ist, was zählt.

Was die Anzahl der Einsätze letztendlich begrenzt hat, war teilweise die Nachfrage der Tierhalter selbst, und die möchten wir ermutigen, sich an uns zu wenden. Wir wollen wirklich einfach nur helfen. Ein anderer begrenzender Faktor war die Verfügbarkeit von Einsatzbetreuern, also Leuten, die die Organisation von Wochenendeinsätzen in die Hand nehmen. Dem wollen wir uns im nächsten Jahr verstärkt widmen, möglicherweise auch durch Schulungen von Einsatzbetreuern.

Nach wie vor freuen wir uns über jede/n, der oder die uns unterstützen möchte, als Betreuer oder Teilnehmer von Einsätzen, oder als weiterer regionaler Ansprechpartner. Wir sind auch denen dankbar, die uns beim Vernetzen unterstützen und natürlich helfen uns auch Euros weiter. Momentan brauchen wir finanzielle Unterstützung,  vor allem, um WikiWolves effektiv bewerben zu können und um den Freiwilligen die Fahrtkosten zu den Einsätzen zu erstatten. Wer uns kontaktieren möchte, findet uns unter www.wikiwolves.org.

Frau Soethe, vielen Dank für das Interview!

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