3 Antworten von Peter Peuker

Als es im März 2015 zu vier Wolfsübergriffen im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree auf Gatterwild kam, wurden dabei 15 Stück Damwild getötet. Das Landesumweltamt Brandenburg (LUGV) entschied darauf hin, Präventionsberatungen anzubieten, die schließlich mit finanzieller Unterstützung der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V. (GzSdW) durchgeführt wurden.
Jäger und NABU-Mitglied Peter Peuker (Foto rechts), gelernter Forstwirt und Agrarwissenschaftler, ist im Wolfsmonitoring des Landes Brandenburg aktiv und wurde mit der Beratung der Gatterwildhalter beauftragt. Wolfsmonitor hatte nun Gelegenheit zu einem Interview mit ihm.

WOLFSMONITOR: Herr Peuker, welches sind die besonderen Merkmale eines wolfsabweisenden Wildgatters und welche besondere Empfehlung würden Sie nach diesem Projekt den Gatterwildhaltern in anderen Wolfsgebieten geben?

Gatter von Rot-, Dam- und Muffelwild weisen stationäre Zäunungen auf. Auf Grund des Sprungvermögens dieser Tierarten, ist eine Höhe der Zäune von 1,80 m von vornherein zu gewährleisten. Darum gilt es in erster Linie das Untergraben der Gatterzäune durch Wölfe zu verhindern. Praktikabel und bewährt bieten sich je nach Situation drei Möglichkeiten an. Eine Möglichkeit wäre, den Gatterwildzaun, beziehungsweise eine Zaunverlängerung, 0,5 m tief senkrecht in den Boden einzugraben. Allerdings ist dies eine bei der Bauausführung aufwendige Variante, wenn man bedenkt, dass solche Wildgatter oft mehrere Hektar groß sind. Einfacher ist es, einen Untergrabungsschutz zu gewährleisten, in dem der Zaun oder eine Zaunverlängerung 1,0 m waagerecht bodenbündig verankert nach außen verlegt wird. Da der Gatterzaun normalerweise auf der Grundstücksgrenze steht, sind bei dieser Variante unter Umständen die Eigentumsverhältnisse zu berücksichtigen.


In der Ausführung am einfachsten ist die Installation von 2 stromführenden Litzendrähten in 0,2 m und 0,4 m Höhe über dem Erdboden außen vor dem Zaun. Die Spannung sollte dabei möglichst über 4000 Volt liegen. Allerdings ist bei dieser Variante eine kontinuierliche Wartung notwendig. Weitere Schwachstellen, die durch einen Wolf untergraben werden können, sind unter anderem Tore aber auch Übersprungmöglichkeiten, beispielsweise an unmittelbar angrenzenden flachen Gebäuden. In jedem Fall ist es eine Einzelfallentscheidung, welche Präventionsmaßnahmen die geeigneten sind.

WOLFSMONITOR: Wie häufig wurden Ihre Dienste von Gatterwildhaltern in Anspruch genommen und für wie nachhaltig halten Sie das Projekt im Rückblick?

Das Interesse der Gatterwildhalter für eine Präventionsberatung war in jedem Fall positiv. Im Zeitraum von 5 Monaten haben alle von mir kontaktierten 22 Gatterwildhalter die angebotenen Konsultationen in Anspruch genommen. Es ging darum, im Einzelfall pragmatische Lösungen zu finden und keine „Lehrbuchweisheiten“ zu präsentieren.
Dabei traf ich auf viele bodenständige Menschen aus unterschiedlichsten Gesellschaftsbereichen. Landwirte, Gastronomen, Jäger, Hobbyhalter, Tierparkmitarbeiter und Rentner waren darunter zu finden. In keinem Fall kam es zu unsachlichen Debatten über das sensible Thema Wolf, wohl aber zu kontroversen Gesprächen. Weil durch mich ebenfalls in der Region das Wolfsmonitoring durchgeführt wird, konnte ich auch fundiert über die aktuelle Situation des Verbreitungsstatus der Wölfe berichten.


Den Tierhaltern ist die Anwesenheit von Wölfen in Ostbrandenburg mehrheitlich bewusst und die Fälle von Wolfsübergriffen im Frühjahr 2015 auf Gatterwild im Landkreis Oder-Spree bekannt. Die Notwendigkeit einer wolfssicheren Zäunung der Gatter, um ihre Tiere vor Übergriffen zu schützen, wird von den Haltern anerkannt. Jedoch ist trotzdem in einzelnen Fällen geäußert worden, dass man den Aufwand, einen Untergrabungsschutz herzustellen, für zu groß bzw. für nicht leistbar hält. Über die möglichen Konsequenzen hinsichtlich der Gewährung von Ausgleichszahlungen, wenn ein Wolfsübergriff bei fehlender wolfssicherer Zäunung erfolgt, habe ich im Rahmen der Präventionsberatungen informiert.
Mein Eindruck war, dass die Tierhalter vor allem die Fürsorge, die sie durch die Präventionsberatungen erhielten, positiv aufgenommen haben. Aber auch der „Multiplikatoren-Effekt“ durch die Beratungen ist meines Erachtens ein wichtiges Element der Nachhaltigkeit, weil man eben im Dorf und ringsum darüber spricht.

WOLFSMONITOR: Sie betreiben unter anderem auch die Webseite „AmarokTV“ (*) mit dem Schwerpunktthema Wölfe in Skandinavien. Welche Geschichte liegt diesem Engagement zugrunde und wieso haben Sie sich gerade für Skandinavien entschieden?

Der Ursprung dafür liegt sicher schon in meiner Kindheit und der in dieser Zeit entstandenen Beziehung zur Natur, insbesondere zum Wald. Wie ein roter Faden hat sich das dann in meinem Leben fortgesetzt. Das “Draußensein“ gehört zu mir. Mitte der 90-er Jahre habe ich Schweden mit seinen Wäldern, der Weite und Rauheit im Norden des Landes entdeckt. Seitdem bin ich vom Nordlandvirus infiziert. Viele Touren mit Kanu, Rucksack und Zelt haben meine Frau und ich dort unternommen. Zwangsläufig kam es auch zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Natur- und Umweltthemen Skandinaviens.


Die skandinavische Wolfspopulation gehört vermutlich zu einer der am besten untersuchten Populationen. Dort wird beispielsweise auch die genaue Zahl der Individuen im Territorium bzw. der Population erfasst und nicht wie bei uns die Population vor allem nach Rudeln, Paaren und stationären Einzelwölfen dargestellt. Das hat natürlich Gründe, nämlich durch die lang anhaltenden Schneeverhältnisse in den Wolfsverbreitungsgebieten Schwedens und Norwegens eine Einzelzählung realisieren zu können. Dadurch kommt man beim Monitoring zu einer genauen Erfassung der Individuen in einem Wolfsterritorium und kann die Tiere auch besser genetisch bestimmen.
Die in den letzten Jahren durchgeführten Wolfslizenzjagden sind wiederum eine sehr kritische Seite des Wolfsmanagements. Ich habe den Eindruck, dass die Wissenschaft dabei zum Teil dafür herangezogen wird, um politisch motivierte Entscheidungen durchzusetzen, die von verschiedenen Interessengruppen gewollt sind.

Herr Peuker, vielen Dank für das Interview!


(*) hier der Link zur Amarok-Webseite!

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