Lückenhaftes Wolfs-Management?

Warum wird über die Rückkehr des Wolfes dort, wo er plötzlich auftaucht so aufgeregt und emotional diskutiert? Warum ist auch einem Ottonormalbürger wie mir das Thema so wichtig und warum glaube ich, nun auch noch meinen Senf zu einer Diskussion dazugeben zu müssen, bei der bereits alles ausdiskutiert zu sein scheint? Ausdiskutiert? …werden Sie sich jetzt vielleicht fragen?


Dass die Diskussion bereits sehr weit fortgeschritten ist, haben sie vielleicht noch gar nicht wahrgenommen. Zumindest, soweit sie persönlich noch nicht im oder am Rande eines Wolfsgebietes leben.
Fast alle Bundesländer, die über Wolfsvorkommen verfügen, haben in den letzten Jahren Wolfsmanagementpläne entwickelt und veröffentlicht. Diese Pläne beschreiben den aktuellen Erkenntnisstand, geben Handlungsempfehlungen, regelnden Schadensausgleich und verteilen Zuständigkeiten und Aufgaben dort, wo Isegrim auftaucht. Insbesondere das Bestätigen der Wolfsvorkommen mit wissenschaftlichen Methoden, die Rechtsnormen, Konfliktpotenziale und Lösungsansätze werden in diesen Plänen ausführlich dargestellt. Die Pläne wurden von den jeweils zuständigen (in der Regel Umwelt-) Ministerien unter Mitwirkung der Naturschutz-, Landwirtschafts-, Forst- und Jagdverbände entwickelt. Dort, wo es in Deutschland heute noch keine Wölfe gibt, in den sogenannten Wolfserwartungsländern, werden derartige Pläne vorbereitet. Jährlich werden die Monitoringergebnisse aller betroffenen Bundesländer in einem gemeinsamen Gremium erörtert, alle sechs Jahre werden sie an die EU berichtet.

Nun habe ich – als jemand, der sich ebenfalls beruflich mit Managementaufgaben befasst  – leider ein etwas angespanntes Verhältnis zum Begriff des Managements. Viel zu häufig verbirgt sich dahinter nichts anderes als eine Form der organisierten Unverantwortlichkeit. Oft ist im Management zwar alles geregelt – aber am Ende niemand wirklich verantwortlich. Die Frage, wer im Zweifelsfall für falsche Managerentscheidungen haftet, spielt dabei keine untergeordnete Rolle, wie am Beispiel vieler Wirtschaftsskandale immer wieder deutlich wird. Ein sogenannter „Goldener Handschlag“ ist – wie so oft in der Wirtschaft – bei falschen Entscheidungen im Wolfsmanagement allerdings nicht zu erwarten.

Ich glaube, ich befinde mich beim Thema Wolf, das für viele Mitmenschen Neuland ist und für das es nur wenige ausgewiesene Experten und Erfahrungsträger in Deutschland gibt, als interessierter Laie somit in bester Gesellschaft. So zumindest wirken große Teile dieser Managementpläne auf mich. Außerdem möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass relevante Teile der deutschen Populärliteratur zum Thema Wolf von einem ehemaligen Reiseverkehrskaufmann und einer einstigen Anwältin stammen. Das ist weder despektierlich gemeint, noch soll diese Feststellung die Leistungen beider schmälern. Die Beiträge der beiden Wolfsfreunde sind wertvoll und weitreichend. Es zeigt aber, dass es für die Herausforderung, vor der wir gerade stehen, kaum eine wirklich fachliche und eine nur spärliche wissenschaftliche Tradition in Deutschland gibt. Geben kann! Einen entsprechenden Lehrstuhl an einer deutschen Universität sucht man bis heute vergebens.
Ich entdeckte ferner bei der Analyse der mir vorliegenden Managementpläne und der Literatur zum Thema einige mir prägnant vorkommenden Lücken im bisher geplanten und besonders im gelebten Umgang mit dem Wolf und schlage auf dieser Webseite einige Lösungen dafür vor. Lösungsansätze, die ich – in Thesen formuliert – kurz anreißen und später ausführlich darlegen möchte.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

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