Paolo Molinari: Der Wolf fasziniert!

„Der Wolf ist ein Wolf. Wohl kaum ein anderes Tier wurde und wird so geliebt und gehasst wie der Wolf. Kaum eine Tierart wurde so verfolgt, und später dann wieder so gehegt und geschützt. Kaum einer Tierart wurden so viele Eigenschaften und Charakterzüge zugeschrieben, wie dem Wolf: brutal, aggressiv, hinterlistig, schlau. Doch übertragen hier nur wir Menschen unsere eigenen Eigenschaften auf das Tier…


Jahrhunderte, gar Jahrtausende der Koexistenz unserer Hirtenkultur mit dem Raubtier haben dieses Feindbild vom Wolf geschaffen. In anderen Kulturen wird der Wolf hingegen verherrlicht und respektiert. So etwa bei den Jägerkulturen – oder man denke hier auch an den heiligen Franz von Assisi.


Die gegensätzlichen Sichtweisen sind aufrecht geblieben: Sie bewegen sich zwischen dem guten Bild der Wölfin von Rom und jenem des bösen Wolfes im Märchen von Rotkäppchen; verhasst bei vielen Bauern und Jägern, für sympathisch befunden oder gar verherrlicht von den Naturschützern – als Symbol für Wildnis. All diese Bilder haben aber recht wenig mit dem Wildtier selbst zu tun. Es sind bloß menschliche Übertragungen. Der Wolf ist nicht gut und nicht böse – der Wolf ist ein Wolf.


Sicher aber ist: Der Wolf lässt keinen kalt: sein durchdringender Blick, seine eleganten Bewegungen, sein Gänsehaut verursachendes Heulen, sein außerordentliches Sozialleben. Der Wolf fasziniert. Uns alle.“…


Paolo Molinari, Wildbiologe mit Schwerpunkt Großraubwild, zitiert aus: Jaroslav Vogeltanz, Paolo Molinari: „WölfeJäger der Nacht“, Österreichischer Jagd- und Fischerei-Verlag, Wien, 2013, Seite 9, für weitere Informationen zur Textquelle klicken Sie bitte auf folgendes Buchcover:

PS: Frohe Weihnachten!

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

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