„Keine Angst schüren, sondern sensibilisieren!“

In einem Seminar, an dem ich vor einigen Jahren einmal teilnahm, sprach ein Neurolinguistiker davon, dass das menschliche Gehirn das Wort „nicht“ und die meisten Satzteile, die vor dem Wort „aber“ verwendet werden, nur sehr schwer verarbeiten kann. Ich war nun dementsprechend sensibilisiert und achtete im Alltag folglich öfter darauf und siehe da, es scheint tatsächlich zu stimmen.


Sensibilisieren, das will auch Rudi Heinisch aus dem brandenburgischen Buchholz bei Niemegk mit Hilfe eines Presseartikels, der am 10. Januar in der MOZ veröffentlicht wurde. (*1). Er legt darin Wert darauf, dass er keine Ängste vor dem Wolf schüren möchte. Es gibt eigentlich auch keinen Grund dafür, denn Isegrim „naschte dort schließlich in den vergangenen Wochen weder in Schaf- noch in Rinderherden“, aber….schauen wir uns doch einmal einige Aussagen des erfahrenen Waidmannes etwas genauer an:

Originaltext:

…“Das Tier wurde im Jagdrevier von Rudi Heinisch in Buchholz bei Niemegk, unweit des Dorfes, von mindestens zwei Wölfen zur Strecke gebracht. „Den Fundort hatte mir zuvor ein Nachbar hier aus Buchholz gemeldet“, so Weidmann Heinisch und zeigt Aufnahmen des durch zwei Kehlbisse getöteten Tieres, das eigentlich ganz legal auf Isegrims Speiseplan stehen darf.“…

und

…“Heinisch treibt eine Sorge. Er sagt: „Meiner Meinung nach ist schon bedenklich, dass Wölfe inzwischen unweit der Ortschaften solch starke Hirsche reißen“. Geschehen nur knapp 600 Meter von der Ortslage Buchholz entfernt und mit ziemlicher Sicherheit zur schönsten Mittagszeit.“…

Kommentar:


Der Hinweis, dass zwei Kehlbisse zum Tod des Damhirsches führten, ist allein kein ausreichender Beleg dafür, dass „mindestens zwei Wölfe“ an dem Riss beteiligt waren. Es dürfte sich um eine Spekulation Heinischs handeln, weil eben auch ein einzelner Wolf „nachgefasst“ haben könnte. Ähnlich sieht es bei der Vermutung aus, dass der Hirsch „zur schönsten Mittagszeit“ gerissen wurde. Der Text bietet keinen Aufschluss darüber, warum gerade in der Mittagszeit. Ich möchte jedoch den Wahrheitsgehalt der Aussagen und die Expertise des Waidmanns Heinischs an dieser Stelle gar nicht anzweifeln, ich möchte allerdings für einen möglichen anderen Hergang sensibilisieren…

…denn weiter heißt es im Originaltext:


…“Deshalb versucht er den Vorfall in die Öffentlichkeit zu bringen. Jedoch nicht um Angst zu schüren, sondern um zu sensibilisieren. „Ich will niemanden verrückt machen und habe nichts gegen den Wolf“, so der erfahrene Weidmann. Er ergänzt: „Die Menschen müssen aber wissen, dass der Wolf dicht am Dorf jagt“…

Kommentar:

Er „möchte niemanden verrückt machen und hat nichts gegen den Wolf“, so wird Heinisch zitiert. Wenn man dann im weiteren Verlauf des Textes jedoch folgende Äußerungen liest,

…“Kritisch beurteilt er die immer größer werdende Population“…
…„Was passieren könnte, wenn ein Artgenosse zu einem „Problemtier“ wird, das infolge Krankheit oder Verletzung den Hunger nicht mehr artgerecht stillen kann – will man sich besser nicht vorstellen.“…
…“Heinisch vertritt in diesem Zusammenhang auch die Ansicht, dass Isegrim hierzulande verniedlicht wird. Er mahnt: „Die Ausbreitung des Wolfes braucht dringend Augenmaß“…
…“Den Fund des gerissenen Damhirsches deutet er als Beleg dafür, dass einzelne Exemplare die ihnen eigentlich angeborene Scheu vor dem Menschen bereits verloren haben.“…

…dann erweckt das beim Leser durchaus einen anderen Eindruck. Heinisch ist gelungen, was er gezielt vermeiden wollte! Unabhängig davon, ob eine Entfernung von 600 Metern zum Dorf als ausreichend weit oder bereits als zu nah empfunden wird, bietet der gesamte Artikel meines Erachtens am Ende nur einen einzigen brauchbaren Hinweis: Hunde sollten in Wolfsgebieten stets angeleint werden!

Ich möchte mit diesem Artikel niemanden verrückt machen und habe nichts gegen Herrn Heinisch, die Menschen sollten aber wissen, dass vermutlich auch er dicht am Dorf jagt….


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


(Quelle: (*1) Märkische Onlinezeitung, www.moz.de, vom 10.01.2016, Artikel von Bärbel Kraemer: „Keine Angst schüren, sensibilisieren!“, abgerufen am 12.01.2016, hier der Link!)

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