Wardböhmen: Wolf rauft mit Hund – wie verhält man sich richtig?

Auf einem Spaziergang in der Nähe der Ortschaft Wardböhmen bei Celle soll eine Frau letzten Freitag mit ihrem Mischlingshund einem besenderten Wolf begegnet sein (*1). Als dieser nur noch rund fünf Meter von ihr entfernt war, leinte die Frau ihre Hündin ab. Der Mischlingshund soll daraufhin sofort auf den Wolf zugesprungen sein.

Im Gerangel – die Frau selbst spricht von einem „normalen Rangordnungsverhalten des Wolfes“ – habe er dann zugebissen. Der Hund habe sich dabei verletzt. Das Schreien und die Gesten der Frau veranlassten den Wolf jedoch schließlich dazu, sich zu trollen. Die Frau nutzte diese Gelegenheit, um noch schnell einige Beweisfotos vom Wolf zu machen.

Die hinzugezogene Polizei hingegen kann den Vorfall, so wie er schließlich dargestellt wurde, nicht bestätigen (*2). Ihr sei weder mitgeteilt worden, dass der Hund verletzt sei noch dass es Zeugen gäbe.

Hinzugezogene Experten gehen allerdings davon aus, dass die Fotos einen besenderten Wolf des Munsteraner Rudels zeigen.

Hintergrund:

Auch wenn es sich in Wardböhmen um einen besenderten Jährling aus dem 2014-Wurf des in der Nähe lebenden Munsteraner Rudels gehandelt haben mag, bleibt festzustellen: Jedes Jahr ab Dezember gehen viele Jungwölfe auf Wanderschaft, um sich ein eigenes Revier und einen eigenen Partner zu suchen.

Einige von ihnen fallen dabei dem Straßenverkehr zu Opfer, wie z.B. in diesem Jahr am 5. Januar bei Luckau in Brandenburg, in der Nacht zum 24. Januar an der Autobahn-Anschlussstelle Bremen-Mahndorf, am 25. Januar bei Kollwitz sowie am 26. Januar auf einer Landstraße bei Ovelgönne.

In dieser Zeit der Wolfswanderungen gibt es logischerweise vermehrt Begegnungen zwischen Wölfen und Menschen. Das Ereignis in Wardböhmen ist insofern erwähnenswert, weil es der erste Fall einer derartigen Attacke in Niedersachsen wäre – sollte der Vorfall sich denn tatsächlich so wie dargestellt zugetragen haben.

Was sagen eigentlich Fachleute dazu, wie man sich in einer vergleichbaren Situation verhalten soll?

Ich werfe einen Blick in das noch junge Büchlein „Der Wolf ist zurück – was mache ich wenn…“ von Günther Bloch und Elli H. Radinger, das sie im letzten Jahr veröffentlichten (*3).

Sie stellen darin fest, dass Hunde bereits dadurch, dass sie sich im Wolfsrevier aufhalten, eine potenzielle „Zielscheibe“ für Wölfe sein können. Sie halten es deshalb für „völlig natürlich“, wenn Wölfe einen Eindringling in „ihrem Territorium“ konfrontieren wollen.

Beide halten es für schwierig, konkret festzustellen, ob Wölfe einen Hund eher als Bedrohung oder als Mahlzeit sehen. Meistens identifizieren sie Hunde jedoch eindeutig als Konkurrenten, die es zu vertreiben gilt, vor allem, „wenn diese dem Wolf gegenüber Aggressionen“ zeigen.

Radinger und Bloch empfehlen, den Hund „hinter sich zu bringen“, sich „breitbeinig und verteidigungsbereit“ vor dem Hund aufzubauen und sich proaktiv zu verhalten: „Abwehrspray, Mantel oder Jacke schütteln, Schirm aufspannen, mit den Armen wedeln, laut rufen, usw.“…

Sie empfehlen, den eigenen Hund zu „kontrollieren“ und selbst jegliche Gefahrenabwehr zu regeln. Dies sei schließlich nicht der Augenblick, um auszuprobieren, ob die positive Verstärkung im Umgang mit dem eigenen Hund auch wirklich klappe, so die Experten.

Das Büchlein der beiden Autoren enthält selbstverständlich noch weitere konkrete Verhaltensempfehlungen und sei deshalb denen ans Herz gelegt, die durch derartige Pressemeldungen verunsichert sind.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quellen:

(*1) www.ndr.de, Artikel vom 26.01.2016: „Wolf kämpft mit Hündin in Wardböhmen“, abgerufen am 27.01.2016, hier der Link!

(*2) www.celleheute.de, Artikel vom 25.01.2016: „Wolf soll Hund verletzt haben – Offene Fragen“, abgerufen am 27.01.2016, hier der Link!

(*3) Günther Bloch, Elli H. Radinger: „Der Wolf ist zurück – Was mache ich wenn…?“, Norderstedt, 1. Auflage 2015, S. 34 f., für weitere Informationen klicken Sie bitte direkt auf nachfolgendes Buchcover!

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