Meinungsspiegel – Wölfe im Januar

Das neue Jahr begann in punkto Wölfe in Deutschland vergleichsweise unruhig. Es waren vor allem zwei Ereignisse, die für Aufsehen sorgten und die Gemüter erregten. Ein Vorfall im Gartower Forst, ein zweiter in Wardböhmen bei Bergen. Sollten Sie als Leser dieses Blogs beide Ereignisse noch nicht kennen, schauen Sie sich bitte in den vorherigen Beiträgen um. Dort wurden beide Vorfälle ausführlich beschrieben und kommentiert.

Erneut also Unruhe in Niedersachsen. In den anderen Bundesländern war es zu Beginn des Jahres hingegen vergleichsweise ruhig.

International standen besonders Finnland und die Schweiz im öffentlichen Fokus. In Finnland begann die umstrittene Jagd auf 46 der dort geschätzten 250 Wölfe. Damit soll – so die Behörden – der illegalen Jagd Vorschub geleistet werden, da finnische Landwirte in der Vergangenheit scheinbar immer wieder illegale Prämien für Wolfsabschüsse gezahlt haben.

In der Schweiz sollen – ebenfalls sehr umstritten – zwei Jungwölfe des Calanda-Rudels, eines von insgesamt zwei Wolfsrudeln in der Schweiz, geschossen werden, da einigen Jungwölfen von den Behörden „auffälliges Verhalten“ attestiert wurde. Die Wolfsschutzorganisationen in der Schweiz sehen das allerdings – zurecht, wie ich glaube – völlig anders.

Zurück nach Niedersachsen. Nachfolgend möchte ich einmal in Auszügen das Meinungsecho einiger Personen vorstellen, die zu den Ereignissen in Gartow und Wardböhmen ebenfalls öffentlich Stellung bezogen haben.

So zum Beispiel ist auf der Webseite des niedersächsischen CDU-Landtagsabgeordneten Ernst Ingolf Angermann zu lesen:

…„Über jede lockere Schraube in einem KKW wird informiert, aber wenn sich Wölfe in Niedersachsen einem Menschen bedenklich nähern, schweigt sich der zuständige Umweltminister aus“… (*1)

Der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Dr. Gero Hocker, fordert angesichts der aktuellen Vorfälle ebenfalls ein Handeln des niedersächsischen Umweltministers. Er schreibt auf der Webseite der FDP-Fraktion in Niedersachsen:

…“Weitere Vorfälle dieser Art könne sich das Umweltministerium nicht leisten, da die Akzeptanz des Wolfes zunehmend schwinde, wenn es immer häufiger zu Begegnungen mit Menschen und ihren Haus- und Nutztieren käme“…(*2)

Anders sehen das allerdings die anerkannten Wolfsexperten Ulrich Wotschikowsky und Elli H. Radinger.

Ulrich Wotschikowsky resümiert auf seiner Webseite:

…“Ich sehe keinen Anlass, sich Sorgen zu machen. Verschärfte Beobachtung und unverzügliche Meldung von Verhaltensauffälligkeiten sind das Gebot der Stunde.“ (*3)

Elli H. Radinger findet sogar sehr deutliche Worte. Sie schreibt auf ihrem Blog (*4):

…“Offensichtlich gibt es im Wolfsmanagement von Niedersachsen eine extreme Anti-Wolf-Tendenz. Um so unverständlicher, dass dann weiterhin die Jäger das Monitoring betreiben. Die Regierung hat anscheinend kein Interesse, daran etwas zu ändern.“…


…um danach noch jeweils einen Appell an die niedersächsischen Wolfsberater und die Jäger zu richten. Sie schreibt:

…“An die Wolfsberater
Ich möchte hinzufügen, dass es sehr viele sehr kundige Wolfsberater gibt, die einen großartigen Job machen, und das alles ehrenamtlich. Sie stehen zwischen allen Fronten. Ich gestehe – ich hätte nicht die Nerven dazu. Meine Hochachtung an Sie!
Ich weiß, dass viele von Ihnen kurz davor sind, aufzugeben. Bitte tun Sie es nicht. Sie haben mit so viel Idealismus begonnen und Sie sind die letzte Stütze für die Wölfe und die wichtigste Aufklärung für die Menschen in den Wolfsgebieten.
Informieren Sie sich über das Verhalten von wild lebenden Wölfen, klären Sie auf, dass Jungwölfe, die sich Menschen nähern oder durch Dörfer laufen, nicht gefährlich oder verhaltensauffällig sind. Mit dem unbedachten Vorschlag, solche Wölfe müssten auf Dauer „entnommen“ (= getötet) schaden Sie vielen guten Menschen, die jahrelange Aufklärungsarbeit betrieben haben und natürlich letztendlich auch dem Wolf, den Sie mit schützen wollten.“…

und:

…“An die Jäger
Ja, ich weiß, es gibt viele von Ihnen die pro-Wolf sind. Warum hören wir dann immer nur von denen, die der Meinung sind, der Wolf gehöre nicht hierher? Warum treten Sie nicht vor und sprechen sich öffentlich für den Wolf aus und gegen Ihre ewig gestrigen Kollegen? Räumen Sie in Ihren eigenen Reihen auf. Das ist längst überfällig.“

Aber auch Lokalpolitiker meldeten sich zu den Ereignissen zu Wort, so zum Beispiel auch Rainer Prokop, der Bürgermeister der Stadt Bergen, dem Ort also, in dessen Nähe ein Wolf mit einem Hund „gerauft“ haben soll. Er greift auf seinem „Bürgermeisterblog“ die alte Geschichte vom Rotkäppchen auf und schreibt dazu: (*5):

… „…ist ein wunderschönes Märchen mit „Happy End“ für Oma und Kind. Langsam bekomme ich das Gefühl, das Märchen wird Realität, mit „Happy End“ für den Wolf.“…

…worauf sich postwendend eine Kommunalpolitikerin (Name ist der Redaktion bekannt) in den sozialen Medien zu Wort meldete und den Beitrag des Bürgermeisters wie folgt kommentierte:

…“ich…kenne die Märchenstunden eines Bürgermeisters zur Genüge. Ihm bricht langsam aber sicher die Mehrheit unter dem Hintern weg. Da ihm das nicht gefällt, wird nun mit den Ängsten der Bürger gespielt und noch mehr Hetze gegen ein wehrloses Tier betrieben.“….


Sollten Sie es noch nicht wissen: Am 11. September 2016 sind Kommunalwahlen in Niedersachsen. Schade eigentlich, dass augenscheinlich einige glauben, sie müssten den Vorwahlkampf auf dem Pelz zugewanderter Beutegreifer austragen. Zumal in beiden Fällen, also in Gartow als auch in Bergen noch viele Fragen unbeantwortet sind!


Herzlichst
Ihr
Jürgen Vogler


Quellen:

  • Alle Webseitenabrufe vom 03. Februar 2016
  • (*1): www.ernst-ingolf-angermann.de, Beitrag vom 13.01.2016, hier der Link!
  • (*2): www.fdp-fraktion-nds.de, Beitrag vom 28.01.2016, hier der Link!
  • (*3): www.woelfeindeutschland.de, Beitrag vom 21.01.2016, hier der Link!
  • (*4): www.wolfsmagazin.blogspot.de, Beitrag vom 27.01.2016, hier der Link!
  • (*5): www.bergen-online.de, Beitrag vom 26.01.2016, hier der Link!

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