Posse um einen totgefahrenen Wolf

Als Posse bezeichnet man üblicherweise ein groteskes Ereignis, das sich öffentlich abspielt. Mir fällt allerdings gerade kein besseres Wort für das „Schauspiel“ ein, das sich derzeit in Burgwedel abspielt.


Am 15. April 2015 wurde ein Wolf in Höhe Berkhof bei Großburgwedel auf der A7 von einem Kraftfahrzeug überfahren. Es handelte sich dabei um den „Wanderwolf“, der zuvor halb Niedersachsen beunruhigte und auch den Niederlanden einen Besuch abstattete.

Wolfsfreunde nannten ihn „Kurt“. Zufälligerweise war er ein Bruder des Wolfes aus dem Munsteraner Rudel, der gerade einige Anwohner und Politiker in der Region Bergen-Munster vergrämt und in Anlehnung an seinen toten Bruder von seinen Befürwortern „Kurti“ genannt wird.

Meine eigene Aufregung über die Reaktionen der Verantwortlichen damals veranlassten mich übrigens dazu, diesen Blog ins Leben zu rufen.

Kurzum, die Jägerschaft Burgdorf e.V. setzte sich unverzüglich mit dem niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Verbindung, weil man aus dem überfahrenen Wolf ein Präparat zu Bildungs- und Lehrzwecken herstellen wollte.

Unsere Nachbarn aus den Niederlanden hatten allerdings die gleiche Idee. Für sie ist „Kurt“ seit langer Zeit der erste Wolf in Holland und somit besonders symbolträchtig.

Das schienen die Jäger in Burgdorf jedoch nicht zu wissen. Einem Presseartikel auf „Burgwedel-Aktuell“ von gestern zufolge, gehen sie entweder von „Unterschlagung“ oder sogar „Diebstahl“ des Wolfes aus. (*1)

In der heutigen Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) wird der Vorsitzende der Jägerschaft Otto Thiele entsprechend zitiert: „Ich will meinen Wolf zurück!“ (*2)

Mit ein wenig Recherche wäre das nun öffentliche Schauspiel allerdings zu vermeiden gewesen. Denn „Kurt“ ist bereits seit Ende Januar in den Niederlanden und soll nun im Naturmuseum „Naturalis“ in Leiden ausgestellt werden. (*3)

Wer wem seinerzeit was zusagte, wem der überfahrene Wolf zum heutigen Zeitpunkt eigentlich aus juristischer Sicht gehört und welche Folgen der augenscheinliche „Fauxpas“ nun haben wird, bleibt derweil offen.

Ich vermute allerdings, dass viele Menschen der breiten Öffentlichkeit in Holland „ihren Kurt“ eher gönnen werden als einem vergleichsweise exklusiven Personenkreis in Burgwedel.

P.S.: Auch ich werde „meinen Wolf“ demnächst wohl mal im Museum in den Niederlanden besuchen, denn sein damaliges „Lehrstück“ ist für mich auch heute noch „grenzenlos“!

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

Quellen:

(*1)  Burgwedel Aktuell, www.burgwedel-aktuell.de, Artikel: „Toter Wolf verschwindet spurlos“ vom 7.3.2016, abgerufen am 9.3.2016, hier der Link!

(*2) Hannoversche Allgemeine, www.haz.de, Artikel: „Tauziehen um einen Wolf-Kadaver“ vom 9.3.2016, abgerufen am 9.3.2016, hier der Link!

(*3) Wolven in Nederland, www.wolveninnederland.nl, Artikel: „Wandelwolf terug in Nederland“ vom 31.01.2016, abgerufen am 9.3.2016, hier der Link!

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