Umfrage zu Ängsten vor Wölfen

Bereits Charles Darwin beschrieb im Jahr 1872 sechs grundlegende Emotionen bei Menschen, die als Darwins „big six“ bekannt wurden. Demnach hat neben Freude, Überraschung, Traurigkeit, Ekel und Zorn die Angst einen prägenden Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden.


Angst ist eine oftmals unbewusste Emotion mit spürbar physischen Auswirkungen, die auftreten, wenn eine Gefahr wahrgenommen wird. Korrekterweise muss dabei zwischen Angst und Furcht unterschieden werden. Erwartet man das Auftreten einer Gefahr, fürchtet man sich vor etwas. Wird die Furcht dann Realität und man befindet sich in der befürchteten Situation, wird sie zur Angst. Nun sind Gefahr und Angst real vorhanden.

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) befragt zurzeit auf NDR.de die Leser nach ihrer Angst vor dem Wolf. Die Umfrage ist noch nicht beendet, aber nach weit mehr als 6.000 Antworten ist erkennbar, dass sich mehr als 40% der Antwortenden vor Wölfen fürchten.

Zu vermuten ist, dass es der sich fürchtende Teil der Bevölkerung sein wird, der am Ende maßgeblich beeinflussen wird, ob die Wölfe dauerhaft akzeptiert werden oder eben nicht. Denn der Wolf wird durch derartige Umfrageergebnisse zunehmend zum Politikum. Eine politische Partei kann es sich schon heute kaum noch leisten, keine Position zum Wolf zu haben. Erwartungsgemäß sind diese Positionen konträr.

Spektakuläre Aktionen, wie die durch das niedersächsische Wolfsmanagement veranlasste und am Ende erfolglose Verfolgung des jungen Wanderwolfes im März in Ostfriesland, bei der auch ein Polizeihubschrauber und eine Hundestaffel zum Einsatz kamen, schüren die Furcht in der Bevölkerung vor dem Wolf. Und sie erwecken nach außen den Eindruck, dass dem Wolfsmanagement des Landes wenig daran gelegen sein könnte, die Akzeptanz für den Beutegreifer zu erhalten. Auch wenn vielleicht nur Handlungskompetenz bewiesen werden sollte. Dem verunsicherten Mitbürger muss sich bei derartigen Aktionen der Eindruck aufdrängen, es handele sich um eine ernsthaft gefährliche Situation, die derlei Aufwand rechtfertigt.

Es ist zu vermuten, dass sich die Wolfspopulation innerhalb der nächsten 5 Jahre verdreifachen wird, im Jahr 2020 also von rund 900 Wölfen in Deutschland ausgegangen werden kann. Entsprechend häufiger werden sich einzelne Exemplare „verhaltensaufällig“ zeigen, was sich dem fachlich Versierten in der Regel jedoch frühzeitig ankündigt. Aus diesem Grund sollten die Verantwortlichen das bisherige „passive Wolfsmanagement“ bereits heute um einige „aktive“ Handlungsoptionen erweitern. Zusätzlich muss die jederzeitige Einsatzfähigkeit ausgebildeter Spezialisten vor Ort gewährleistet werden, damit – wenn nötig – blitzschnell und unbürokratisch gehandelt werden kann und darf. Beispielgebend für eine vergleichbar gut funktionierende Organisation ist die freiwillige Feuerwehr. Dem Ängstlichen kann zwar dadurch die Furcht nicht abschließend genommen werden, ihm muss aber jederzeit glaubhaft versichert werden können, dass die Wölfe in seiner Region scheu und ungefährlich sind.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


 

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