Wo sind die Aktionspläne?

Naturschutzpolitische Sprecher der Grünen aus 14 Landtagsfraktionen schafften es im vergangenen Monat, ein gemeinsames Positionspapier über die Wölfe in Deutschland auf den Weg zu bringen. Nur Vertreter aus Hessen und dem Saarland fehlen auf dieser einzigen DIN A 4-Seite, auf der in acht Punkten geschrieben steht, welche Standpunkte die Partei bundesweit und in den Ländern zum Wolf vertritt.

Das Papier blieb nicht lange unkommentiert. In Niedersachsen war es der CDU-Politiker Ernst Ingolf Angermann, der einem Zeitungsbericht zufolge die im Positionspapier „geforderte Einführung eines bundesweiten Wolfskonzepts“ als „entlarvend“ bezeichnete. (*1)

Angesichts der Existenznöte, vor denen zahlreiche Tierhalter inzwischen stehen, könne es sich die Landesregierung nicht erlauben, auf die Umsetzung einer bundesweiten Richtlinie zu warten, wird Angermann zitert .

Kommentar

Hier muss ein Missverständnis vorliegen. Und zwar auf Seiten des niedersächsischen Landespolitikers. Im siebten Punkt des Konzeptpapiers wird von den Grünen eine Überarbeitung des „Fachkonzept für ein Wolfmanagement in Deutschland“ aus dem Jahr 2007 gefordert.

Dabei handelt sich meines Wissens zwar um einen ausgewiesenen Leitfaden aber keinesfalls um eine bundesweit bindende Richtlinie.

Ich meine sogar, dass die Überarbeitung dieses Leitfadens tatsächlich dringend geboten wäre, denn das vorliegende Konzeptpapier repräsentiert den Erkenntnisstand über die hiesigen Wölfe und die Situation in den europäischen Nachbarländern aus dem Jahr 2006.

Damals gab es ganze zwei Wolfsrudel und einige einzeln streunende Wölfe in Deutschland, insgesamt wurden seinerzeit 25 Exemplare geschätzt.

Die Fortschreibung dieses Konzepts müsste die Weiterentwicklung des Wolfsmanagement- Portfolios jedoch keinesfalls verzögern und schon gar nicht behindern.

Hier dürfte das oben angesprochene Missverständnis Angermanns liegen.

Und wie positionieren sich die anderen Parteien?

Was jedoch die Mitbürger tatsächlich interessieren dürfte, wären die vergleichbaren Positionen der anderen etablierten Parteien zum Wolf. Da habe ich in der Vergangenheit außer von einigen Verbänden noch nichts entsprechend Abgestimmtes vernommen. Zumindest nicht länderübergreifend.

Würden die CDU, die SPD und meinetwegen auch noch die Linke sich ebenfalls über die Länder hinweg gemeinsam zum Wolf positionieren, würde man der Bevölkerung die Chance einräumen, sich sachlich orientieren, die Positionen vergleichen und ein eigenes Bild machen zu können.

Viele wären dann nicht länger irritiert darüber, warum Wölfe in Sachsen –Anhalt oder Sachsen den Parteien dort offensichtlich weniger Probleme bereiten als in Niedersachsen.

Könnte ein Grund, warum es bisher noch keine derartige Lösung gibt, vielleicht auch darin liegen, dass zum Beispiel die CDU in Sachsen und Sachsen-Anhalt Teil der jeweiligen Regierungsverantwortung ist und man deshalb dort die beschränkten oder zumindest komplizierten Umsetzungsmöglichkeiten im Wolfsmanagement aufgrund der EU-Vorgaben nur selbst zu gut kennt?

Es handelt sich zwar nur um eine reine Spekulation, aber spätestens, wenn sich diese Parteien ebenfalls auf eine eigene länderübergreifende Linie zum Wolf einigen wollten, wüsste der wolfsinteressierte Wähler am Ende dieses Prozesses wenigstens, ob sich in Niedersachsen einige Parteienvertreter tatsächlich ernsthaft echauffieren oder ob dort viele Wortbekundungen nur als „Wahlkampfgeklapper“ daherkommen. Die gemeinsame Linie über die Ländergrenzen hinweg wäre der Maßstab dafür!

Schnellere Reaktionen gefragt!

Dennoch, in einem Punkt seines Kommentars möchte ich Ernst Ingolf Angermann recht geben: Rot-Grün in Niedersachsen muss tatsächlich einige Strukturen im Wolfsmanagement endlich anpassen, um schneller als bisher auf Entwicklungen und Probleme reagieren zu können.

Wie lange will man eigentlich bei vermeintlich auffälligen Wölfen auf internationale Hilfe, zuletzt aus Schweden setzen? Nein, es müssen eigene Lösungen her!

Noch haben wir nur rund 350 Wölfe in Deutschland und dementsprechend selten Probleme. In rund einem Monat werden es schon über 400 Wölfe sein. Es ist demzufolge nicht zu erwarten, dass die Zahl der vermeintlichen Probleme in Zukunft sinken wird. Rein statistisch gesehen zumindest.

Die Länder brauchen deshalb eigene Aktionspläne für die wenigen „dreisten“ Wölfe, meinetwegen auch „Durchführungsverordnungen“, in denen steht, wann Wölfe eigentlich als auffällig zu betrachten sind und wie Vergrämung eigentlich richtig funktioniert. So, wie es die NINA-Studie seinerzeit bereits vorschlug. Dort nannte man sie „Reaktions- und Notfallpläne“.

Konzepte und Pläne allein reichen jedoch nicht. Es braucht zusätzlich funktionierende Strukturen dahinter!


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quellen:

(*1) www.fraktion.gruene-niedersachsen, Download in der Pressemeldung Nr. 58 vom 29.03.2016, hier der Link!

(*2) Celleheute, www.celleheute.de, Artikel vom 29. März 2016: „Angermann: Grüne Forderungen nach bundesweitem Wolfskonzept sind entlarvend“, abgerufen am 03.04.2016, hier der Link!

 

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