Jagd auf Wölfe nur eine Frage der Zeit?

Offen wollte er sich nicht mit den Wolfsfreunden anlegen und deshalb hielt sich Lüchow-Dannenbergs Kreisjägermeister Gebhard Schüssler beim Thema Wolf bedeckt, als er der Jägerschaft den letztjährigen Streckenbericht präsentierte.

Gleichzeitig zeigte er dabei ein Bild eines Muffel-Widders. Daneben stand „Ich muss gehen – der Wolf kommt“.

Schüssler hielt sich also bedeckt. Aus Furcht vor einem möglichen Proteststurm der Wolfsfreunde, heißt es. Oder sogar Schlimmeres.

So beschreibt es die „az-online.de“ in einem Bericht am 17. April über eine Jägerschafts-Veranstaltung in Lüchow-Dannenberg. (*1)

Kommentar:

Das ist die eigentliche und höchst bedenkliche Botschaft des Artikels: Jemand traut sich nicht, seine Meinung offen auszusprechen, weil er daraufhin bedrohliche Reaktionen Andersdenkender fürchtet.

Berechtigt oder unberechtigt?

Egal!

Bedenklich? Allemal!

Gerade an Tagen wie diesen sollte es darum gehen, den gesellschaftlichen Stellenwert der Meinungsfreiheit nicht nur wertzuschätzen, sondern offensiv zu verteidigen und angstfrei zu leben.

Die Reaktionen auf seine geäußerte Meinung muss man einfach aushalten. Das erfordert vielleicht etwas Mut, allerdings wird erst so  – durch Widerspruch – ein ernsthafter demokratischer und sachlicher Diskurs möglich.

Nur der Respekt sollte dabei nicht auf der Strecke bleiben. Ein gewisser Herr Böhmermann lässt grüßen.

Landtagsabgeordnete werden deutlicher

Etwas weniger zurückhaltend und entsprechend deutlicher als Gebhard Schüssler war an diesem Abend der niedersächsische Landtagsabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Helmut Dammann-Tamke.

Er warnte, wenn die Wachstumsprognosen der Wolfspopulation stimmten, gäbe es im Jahr 2025 rund 4500 Wölfe in Deutschland. Seine Fantasie reiche nicht, dass die Bevölkerung auf dem Land das akzeptiere. Deshalb müsse gegengesteuert werden.

Ich meine: Wenn die Prognosen einiger Wahlforschungsinstitute stimmen und sich die Zustimmung zu den großen Volksparteien in der gleichen Geschwindigkeit wie zuletzt verringert, dann dürfte es im Jahr 2025 gar keine Volksparteien mehr in Deutschland geben.

Weder die eine noch die andere dieser Aussagen kann als seriöse Prognose gelten, denn weder so noch so wird es aller Voraussicht nach kommen.

CDU-Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock wurde dann gleichsam noch etwas deutlicher als ihr Kollege Damman-Tamke, der das Wort „Abschuss“ übrigens vermied.

Die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht sei nur eine Frage der Zeit, meinte sie. Die Rückkehr des Wolfes habe durchaus ihren Reiz. Jedoch nur, wenn sie kontrolliert stattfinde, wenn man sie also begrenze, so die Politikerin.

Davon jedoch war bei der Abstimmung im niedersächsischen Landtag Mitte letzter Woche plötzlich keine Rede mehr.

Die CDU votierte gegen den Antrag der FDP, den Wolf in das niedersächsische Jagdrecht aufzunehmen.

Die persönliche Meinungsfreiheit ist halt das eine, der politische Fraktionszwang scheinbar jedoch etwas ganz anderes.

Einige Lüchow-Dannenberger dürften sich verwundert die Augen gerieben haben.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


(Quelle: (*1) az-online.de, www.az-online.de, Artikel vom 17.04.2016: „Wolfsjagd – nur eine Zeitfrage?“, abgerufen am 17.04.2016, hier der Link!)

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