Forderung: Wildnisgebiete in Deutschland mehr als verdreifachen!

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) äußert in seinem gestern an das Bundesumweltministerium übergebene Umweltgutachten 2016 sehr deutlich, dass der Handlungsdruck beim Biodiversitätsverlust in Deutschland so groß ist, dass er allein mit den herkömmlichen Ansätzen nicht mehr bewältigt werden kann.

Gefordert seien deshalb strukturelle Veränderungen in der Landwirtschaft, beim Thema Energie und beim Wohnen. Das Gutachten empfiehlt nicht weniger als den notwenigen „ökologischen Umbau“ der Industriegesellschaft.

Stärker ins politische Bewusstsein rücken muss demnach der Schutz der Biodiversität. Die wichtigste Ursache für den anhaltenden Rückgang der Biodiversität in der Agrarlandschaft sei die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Notwendig seien Flächen, in die keine Pflanzenschutzmittel eingetragen werden. Der SRU empfiehlt deshalb die Einführung einer Abgabe auf Pflanzenschutzmittel.

Ein innovativer Ansatz des Naturschutzes seien ferner Wildnisgebiete, in denen sich Natur ohne menschliche Eingriffe entwickeln kann. Sie kommen jedoch im dicht besiedelten Deutschland kaum noch vor. Diese Gebiete, die bisher 0,6 % der Fläche Deutschlands ausmachen, seien wichtige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und leisteten darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Hochwasserschutz. Außerdem seien sie von höchster Bedeutung für die Forschung, weil über die ungestörte Entwicklung von Ökosystemen kaum Kenntnisse vorhanden seien.

Dementsprechend fordert der SRU, die anvisierte Zielmarke von 2,0% solcher Wildnisflächen in Deutschland bis zum Jahr 2020 ernster als bisher zu nehmen. Um das Ziel zu erreichen, müsse weit mehr als in der Vergangenheit geschehen, so die Forscher.

Das 472–seitige Umweltgutachten 2016 (10MB) kann hier heruntergeladen werden!

Hintergrund:

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) berät die Bundesregierung seit nahezu 45 Jahren in Fragen der Umweltpolitik. Die Zusammensetzung des Rates aus sieben Professorinnen und Professoren verschiedener Fachdisziplinen gewährleistet eine wissenschaftlich unabhängige und umfassende Begutachtung, sowohl aus naturwissenschaftlich-technischer als auch aus ökonomischer, rechtlicher und politikwissenschaftlicher Perspektive.
Der Rat besteht derzeit aus folgenden Mitgliedern:

Prof. Dr. Martin Faulstich (Vorsitzender), Technische Universität Clausthal
Prof. Dr. Karin Holm-Müller (stellv. Vorsitzende), Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Prof. Dr. Harald Bradke, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe
Prof. Dr. Christian Calliess, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Heidi Foth, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Manfred Niekisch, Goethe-Universität und Zoologischer Garten Frankfurt
Prof. Dr. Miranda Schreurs, Freie Universität Berlin

(Quelle: Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), www.umweltrat.de, Artikel: „SRU-Umweltgutachten 2016: „Impulse für eine integrative Umweltpolitik“ vom 10.5.2016, abgerufen am 11.5.2016 (keine Gewähr für verlinkte Inhalte), hier der Link!)

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