3 Antworten von Heino Krannich

Heino Krannich (Foto rechts mit seinem treuen Gefährten Watson, Foto: Heino Krannich) gilt weltweit als ausgewiesener und gefragter Experte für die ganz schwierigen Fälle, wenn es darum geht, Tiere einzufangen, sie durch die sanfte Methode der Distanznarkose zu betäuben und sie zu transportieren. In weit über 1.300 Fällen konnte er bisher seine fachlichen Qualitäten unter Beweis stellen und somit auch so manchen Besitzer eines entlaufenden Hundes von dessen Sorgen befreien. Ein Blick auf seine Webseite www.heino-krannich.de lohnt sich, es wird dem Leser sofort klar, dass hier jemand unterwegs ist, der weiß, wovon er spricht. Außerdem bezieht Heino Krannich hier regelmäßig Stellung zu tagesaktuellen und allgemeinen Begebenheiten. Im März 2015 war er bei dem Versuch dabei, den verhaltensauffälligen Wolf in Westniedersachsen dingfest zu machen. Die Aktion scheiterte zuletzt allerdings. Wolfsmonitor bat Heino Krannich zum Interview:

WOLFSMONITOR: Herr Krannich, jemandem, der im März den Ablauf der Ereignisse in Westniedersachsen über die Presse verfolgte, musste sich der Eindruck einer gewissen Unentschlossenheit der Verantwortlichen und später, als die Polizei mit Hundestaffel und Hubschrauber hinzugezogen wurde, einer Überreaktion aufdrängen. Wie bewerten Sie diese Einschätzung im Rückblick?


„Die Unentschlossenheit, so denke ich mir, ist entstanden, weil niemand die Verantwortung für das „Modetier“ Wolf übernehmen wollte.
Wäre schneller reagiert worden, so könnte ich mir vorstellen, hätte ich den Wolf immobilisieren können. Leider war das Tier jedoch schon drei Stunden in Holland, als ich am Einsatzort ankam.
Soweit ich weiß, wurde keine Hundestaffel eingesetzt. Lediglich ein Hubschrauber, den haben wir, so denke ich, die Vergrämung des Wolfes zu verdanken. Es könnte einmal überdacht werden, in Zukunft Drohnen einzusetzen.“


WOLFSMONITOR: Am 19. März werden Sie in der Nordwestzeitung mit den Worten zitiert, „Ich mache da nicht mehr mit“. Von Ärger mit den Behörden über die Vorgehensweise wurde berichtet. Was war der Anlass Ihrer Reaktion?


„Der Anlass für meine Reaktion lag darin begründet, dass mir nicht  – wie abgesprochen –  bei der Jagdablösung die Transportkiste für den Wolf übergeben wurde. Und das nur aus einem reinen Kompetenzgerangel, welches der Sache nicht dienlich war. Kurze Zeit später zeigte sich, dass es sogar ein großer Fehler war.
Ich musste zum Zoo Osnabrück fahren (insges. 240 km) um eine Ersatz-Transportkiste zu besorgen. Während der Fahrt kam die Durchsage, dass der Wolf nur wenige Kilometer von meinem vorigen Standort in Rhauderfehn gesehen wurde. Bis ich mit der Transportkiste zurück kam, war der Wolf nicht mehr da.
Bei der folgenden Ortsbegehung in einer Feldmark machte ich eine Stelle aus, wo sich vermutlich das Tier aufhalten könnte. Mein Vorschlag, an einem Ansitzwagen eine Köderstelle mit einem toten Schaf zu bestücken, wurde abgelehnt.
Auch dies stellte sich wieder als Fehler heraus, denn am nächsten Tag wurde der Wolf von einer Erholungssuchenden auf 6 Meter von meiner vorgeschlagenen Köderstelle gesehen.
Jetzt wurde mein Ärger sehr groß und ich fragte mich, was ich hier noch soll, wenn ich nicht nach meiner Fasson arbeiten darf.
Dieses Vorgehen lässt mich auch daran zweifeln, dass es in Deutschland richtige Wolfsexperten gibt. Auch wenn diese sich als Experten bezeichneten Menschen in Kanada, Schweden oder Norwegen geforscht haben. Ich denke nicht, dass diese wissenschaftlichen Arbeiten einfach so auf Deutschland übertragen werden können.“


WOLFSMONITOR: Mal angenommen, die Ausgestaltung eines Wolfsmonitoringplans für ein Bundesland stünde unter Ihrer Verantwortung. Welches wären aus Ihrer Sicht drei unverzichtbare Maßnahmen, die ein solches Konzept enthalten müsste?


1. Aufklärungsarbeit: Wir können mit dem Wolf in dieser engbesiedelten Kulturlandschaft gemeinsam leben. Hierzu gibt es jedoch Regeln zu beachten, und Aufklärungsarbeit zu leisten, ohne Panik zu schüren oder den Wolf zu verharmlosen.
Ich würde den Mode-Wolfs-Mythos nicht mehr propagieren, sondern den Wolf als wildes Mitgeschöpf betrachten. Bei der oben beschriebenen Wolfsjagd habe ich einige Anwohner und vor allem ihre Meinung von dem Wolf kennen gelernt. Dieses Tier wird von vielen Menschen als „süß“ empfunden, und Mahnungen und Bitten, den Wolf nicht zu füttern, abgelehnt, mit der Begründung, dass die Wölfe ja „so süß“ sind. Über die Folgen ihres Handels machen sie sich keine Gedanken.
Mir stellt sich daher immer häufiger die Frage, ob diese verweichlichte „Gutmenschgesellschaft“ überhaupt mit diesem wilden Tier umgehen kann.


2. Gummigeschosse: In den Medien wurde ja häufig über die Vergrämung mit Gummigeschossen gesprochen. Aber ich warne davor, denn es müssen erst Versuche in punkto Ballistik unternommen werden. Der Schütze muss sich sehr gut hiermit auskennen und er muss die Anatomie des Tieres berücksichtigen. Denn wird aus einer zu nahen Distanz geschossen, könnten dem Wolf die Extremitäten gebrochen werden oder vom Einsatz des Gummischrots könnten andere Rudelmitglieder am Auge verletzt werden. Ich könnte solche Patronen selbst herstellen und entscheiden, ob sie tauglich sind. Es darf kein blinder Aktionismus aufkommen, denn das kann nicht der Sinn der Sache sein.


3. Immobilisierung und Besenderung oder Abschuss einzelner Tiere: Wenn es um den Schutz des Wolfes geht, muss vorweg einmal geklärt werden, dass es um den Erhalt der Art geht und nicht um das einzelne Individuum. Jeder Zwischenfall kann das Aus für den Wolf in Deutschland bedeuten. Der Wolf bekommt zurzeit keine Grenzen gelehrt. Er wird gefüttert, stromert in Ortschaften und in der Nähe von Kindergärten herum, verfolgt Reiter… und das sogar alles bei Tag. Nun liegt es an uns Menschen, ihm wieder Grenzen zu lehren und zu setzen. Bisher hat der Wolf die natürliche Scheu vor dem Menschen verloren. Dies wird nur gelingen, wenn man ein rangniedriges Tier aus einem Rudel immobilisiert und besendert oder notfalls erschießt, wenn die Tiere sich z. B. in der Nähe einer Ortschaft aufhalten. Die Wölfe kommunizieren untereinander, und wenn nun anstelle des erwarteten Futters ein Tier geschossen wird, wird die Nähe des Menschen wieder als Gefahr erkannt.
Es gibt genügend Beispiele, wo Tiere getötet wurden, um ihre Art zu retten.
Der Wolfschutz in dieser Region ist eine intellektuelle Ambivalenz, keiner weiß was, alle reden!“


Wolfsmonitor: Herr Krannich, ich bedanke mich für das Gespräch!

Kommentar verfassen