Wird umfangreiches Fotomaterial über frühe Menschenkontakte der Munsteraner Jungwölfe zurückgehalten?

Sollte tatsächlich stimmen (und da gibt es eigentlich kaum Zweifel), was NDR-Redakteurin Ulrike Kressel gestern in ihrem Artikel über das unter Verschluss gehaltene Fotomaterial aus dem Jahr 2014 – das Distanzlosigkeiten von Menschen gegenüber Wölfen des Munsteraner Rudels während ihres Heranwachsens zeigen soll – schreibt, liegt damit nun endlich ein nachvollziehbarer Grund für die spätere geringe Fluchtdistanz einiger Tiere genau dieses Rudels vor. (*1)

Denn die so „anerzogene“ Distanzlosigkeit dieser Wölfe Menschen und Hunden gegenüber mag am Ende vielleicht sogar dazu geführt haben, dass ein Jungwolf dieses Rudels, nämlich „Kurti“ (MT6), erschossen wurde, weil auch Umweltminister Wenzel zuletzt nicht mehr ausschließen wollte, dass es bei einer entsprechenden Nahbegegnung für einen Menschen gefährlich werden könnte.

Doch was nun?

Trotz aller Bemühungen von Ulrike Kressel, Licht ins Dunkel zu bringen, ist es in der nahezu undurchschaubaren Gemengelage für den Leser schwer, sich allein anhand dieses Artikels ein einigermaßen realistisches Bild von den Zusammenhängen zu machen.

Für so manchen Journalisten dürfte sich die Situation im Nachhinein allerdings anfühlen, als habe man ihn über ein Jahr lang wider besseren Wissens bewusst „am Nasenring durch die Manege gezogen“.

Manchem ängstlichen Mitbürger muss es ferner so vorkommen, als hätte man durch das absichtliche Verschweigen potenzieller Verhaltensursachen vorsätzlich ein Restrisiko in Kauf genommen.

Mal abgesehen davon, dass die Medienreaktionen auf die wenigen Nahbegegnungen einzelner Munsteraner Jungwölfe mit Menschen ausreichten, die Akzeptanz aller Wölfe in Deutschland ernsthaft auf die Probe zu stellen.

Wird es am Ende nun also doch einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) im niedersächsischen Landtag geben?

Bereits die junge Menschen- und Tierschutzpartei ETHIA forderte kürzlich mit Unterstützung von über 50.000 Petitionsunterschriften einen derartigen PUA. Allerdings zur abschließenden Aufklärung der Tötung vom MT6 (Kurti) und nicht wegen unter Verschluss gehaltener Fotobeweise.

Oder bleiben die nun aufgedeckten Geschehnisse folgenlos und man betreibt das Wolfsmanagement künftig in dem Bewusstsein weiter, etwas Entscheidendes gelernt zu haben, was in Zukunft tunlichst vermieden werden sollte?

Man darf gespannt sein, wie die für das Management des Munsteraner Wolfsrudels verantwortlichen Einrichtungen, also das Umweltministerium, die Truppenübungsplatzkommandantur, die Bundesforstbetriebe, das Wolfsbüro beim NLWKN und die Landesjägerschaft auf den NDR-Artikel reagieren werden und welche Schlüsse sie daraus ziehen.

Verderben zu „viele Köche“ im Wolfsmanagement am Ende doch „den Brei“? Oder ist die fachliche Ausbildung der Verantwortlichen vor Ort einfach unzureichend?

Ebenso darf man auf die politischen Reaktionen und vielleicht sogar Folgen neugierig sein.

Mein Kompliment geht vorläufig an Ulrike Kressel! Sie scheint in journalistischer Manier den Dingen unnachgiebig auf den Grund gehen zu wollen.

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

(Quelle: (*1) NDR, www.ndr.de, Artikel von Ulrike Kressel am 14.7.2016: „Haben Menschen „Kurti“ zum Problem-Wolf gemacht?“, abgerufen am 15.7.2016, hier der Link!)

 

 

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