WELT am SONNTAG: Neue deutsche Romantik?

Ist Natur der neue Mega-Trend? Haben wir bereits eine „Romantik 2.0“? Richard Kämmerlings, Leiter der „literarischen Welt“ und Wieland Freund widmeten sich am vergangenen Wochenende gemeinsam diesem Thema in der „Welt am Sonntag“. Sie suchten Antworten im neuzeitlichen Kulturbetrieb, in der Philosophie und in der zeitgenössischen Literatur.

Es mag jedoch auf viele Leser blasiert wirken, wenn beide den Erfolg des Försters Peter Wohlleben belächeln und dessen sowie einige andere Bücher als „naiven Kulturkitsch und billigen Eskapismus“ bezeichnen, um sich dann einige Zeilen später dem „gehobenen Segment“ zuzuwenden, in dem sich „etablierte Feuilletonisten“ und namhafte Schriftsteller demselben Thema zwar literarisch anspruchsvoll, jedoch nicht halbwegs so erfolgreich widmen. An den Verkaufszahlen gemessen natürlich.

Echtes Literatur- und Kulturverständnis scheint demnach halt eine gewisse Aura der Exklusivität zu benötigen.

Ob sich aus dieser Exklusivität heraus jedoch Mega-Trends erklären lassen?

An zwei Stellen ihres Beitrags kommen die Verfasser dann den Ursachen der neuartigen Natursehnsucht tatsächlich näher:

Zuerst, als sie Robert Macfarlane und dessen Verdacht, dass der Mensch die Natur mittlerweile als alten Weggefährten begreift, dem wohl nicht mehr viel Zeit bleibt, zitieren.

Und mit dem Hinweis, dass sich mit der wandelnden gesellschaftlichen Einstellung zur verantwortungsvollen Ernährung und zur individuellen Mobilität vielleicht tatsächlich eine neue Achtsamkeit – mit vielleicht einer „kritischen Masse“ für eine Abkehr von der Massentierhaltung und dem gedankenlosen Ressourcenverbrauch – entwickeln könnte.

Ich selbst denke, dass das Spektrum der Antworten auf die Eingangsfragen noch wesentlich vielfältiger ist.

Doch dazu hätten sich die Autoren ausgiebiger mit den politischen und wissenschaftlichen Hintergründen der einzelnen von ihnen aufgeworfenen Fragen befassen müssen. Einen Teil der Antworten hätten sie sogar in Peter Wohllebens Büchern finden können.

Sie hätten deshalb gut daran getan, vom Thron der Kulturkritik herabzusteigen und sich eingehender mit dem „naiven Kulturkitsch“ zu befassen.

Tröstlich ist, dass viele Bürger dieses Landes das tun. Ansonsten gäbe es keine wie auch immer geartete Naturbewegung, weil die „kritische Masse“ dafür fehlen würde. Und damit hätte sich auch die Ausgangsfrage der beiden Autoren, ob Natur der neue Mega-Trend ist, erübrigt.

Just my two cents….

Aber bilden Sie sich bitte selbst Ihr Urteil: Hier!

(Quelle: DIE WELT, www.welt.de, Artikel vom Ausgabe 32, Seite 13 der Welt am Sonntag: „Die Rückkehr der Romantik“, abgerufen am 8.8.2016, hier der Link!)

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