MU-Info: Vierteljährlicher LJN-Bericht für aktives Wolfsmanagement zu spät

Heute, am 8. August, veröffentlichte das Niedersächsische Umweltministerium (MU) folgenden Redebeitrag des Ministers Stefan Wenzel aus der heutigen Umweltausschusssitzung (im Wortlaut *1) und die dazugehörige Presseinformation (direkt im Anschluss an den Redebeitrag, ebenfalls im Wortlaut *2):

„Umweltausschuss: Unterrichtung zu TOP 7 – Berichterstattung zu Wolfsmonitoring“

– Es gilt das gesprochene Wort –

„Anrede,

zum Hintergrund habe ich Ihnen den 1. Quartalsbericht der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) von 2015 an die Hand gegeben. Sie finden dort auf Seite 2 einige Anmerkungen zu unserer heutigen Unterrichtung.

Dort heißt es: (Zitat) „Ende Januar wurden die ersten C3 Hinweise zu Nahkontakten gemeldet. Einen Monat später wurden auch C1 Nachweise von Nahkontakten auf dem Truppenübungsplatz Munster bekannt. Die geringen Distanzen zwischen Wolf und Mensch waren anhand von Fotos dokumentiert.“ (Zitatende)

Diesen Quartalsbericht finden sie auch im Internet.

Das Problem Anfang letzten Jahres war jedoch: In der Kooperationsvereinbarung zwischen dem Umweltministerium und der Landesjägerschaft heißt es: „Die Landesjägerschaft unterstützt das Land, indem sie das Wolfsmonitoring einschließlich des Einsatzes der Wolfsberaterinnen und Wolfsberater koordiniert und alle direkten und indirekten Wolfsnachweise kontinuierlich in digitaler Form festhält, bewertet und vierteljährlich an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz/ Fachbehörde für Naturschutz weitergibt.“

Im Normalfall hätte das Umweltministerium erst im April 2015 den Monitoring-Bericht der Landesjägerschaft erhalten. Für ein aktives Wolfsmanagement und eine adäquate Reaktion wäre das nicht nur in diesem Fall zu spät.

Aufgrund der berichteten Hinweise zu Nahkontakten beim Rudel Munster hielt das Umweltministerium es für notwendig, bereits frühzeitig, nicht erst mit Erhalt des Quartalsberichts, ein umfassenderes Bild über die berichteten Wolf-Mensch-Begegnungen und die sonstigen Hinweise aus dem Monitoring zu erlangen und so einen Überblick über die Gesamtsituation zu bekommen. Zu diesem Zweck hatte das Umweltministerium zu einem Treffen Ende Februar 2015 im Heidekreis eingeladen. In der Einladung an Vertreter des Heidekreises und benachbarter Landkreise, der Landesjägerschaft, der Bundesforsten, der Wolfsberater und des NLWKN wurde darum gebeten, vorhandene Dokumentationen von Sichtungen und Begegnungen von Menschen mit Wölfen zu der Veranstaltung mitzubringen, um diese auszuwerten und die Situation besprechen zu können.

Um ein konsistentes Bild der Lage zu erhalten und auch als Konsequenz aus den Erkenntnissen des Treffens in Oerrel, gab es Anfang April in Lohfelde und Anfang Juni erneut in Oerrel weitere Treffen zum Monitoring und zum Umgang mit dem Munster-Rudel. Anfang Mai fand eine Veranstaltung mit Wolfsberatern in Hannover statt.

Beim Treffen im Februar in Oerrel wurden verschiedene Aufnahmen gezeigt, die junge Wölfe bzw. einen jungen Wolf zeigen, der wenig Scheu vor Menschen zeigt und sich in geringen Distanzen zu Menschen bzw. Hunden aufhält.

Zwei Bilderserien wurden kurz nach dem Treffen von den Referenten auch dem Monitoring der Landesjägerschaft zugeleitet. Die beiden Serien stammen aus dem Januar 2015. Der Autor der Bilder hat einer Veröffentlichung in der Presse nicht zugestimmt, wohl aber zugelassen, dass sie in das Monitoring einfließen und zur Analyse des Wolfsverhaltens genutzt werden können. Auf diese Tatsache hatte der Bundesforstbedienstete bei der Weiterleitung der Bilder hingewiesen.

Zwei weitere einzelne Bilder ohne Protokoll und Dokumentation zu Ort, Zeit, Fotograf und Hinweis zum Standort des Fotografen wurden von einem Mitarbeiter der Bundesforsten in Oerrel ebenfalls gezeigt, sie taugten aber aufgrund der fehlenden Jahresangabe nicht als C1 Nachweis. Sie stammten auch nicht aus erster Hand und wurden daher nicht dem Monitoring zugeleitet.

Bildaufnahmen, denen die erforderlichen Daten zur Bewertung einer Situation fehlen, darunter fallen u.a. das Datum und der Ort, taugen nicht als Nachweis, um Wolfsverhalten bewerten zu können. Insbesondere das Jahr – und auch der Autor müssen zumindest dem Wolfsberater bekannt sein, damit u.U. entstehende Rückfragen zur Situation aus der heraus die Aufnahme gemacht wurde, bspw. ob der Fotograf im Auto saß, auf dem Pferd oder zu Fuß unterwegs war, ob eine Teleobjektiv verwendet wurde, müssen beantwortet werden können. Aufnahmen ohne solch eine Dokumentation taugen nicht als Nachweis, sondern können bestenfalls als C3-Hinweis gewertet werden. Solche unbestätigten Hinweise können jedoch zum Anlass genommen werden, die vermutete Situation näher zu beleuchten. Besonders wenn aus einer Region oder wie hier zu einer Situation gehäuft Hinweise eingehen, ist eine weitere Nachforschung angeraten.

Alle Anwesenden der Veranstaltungen konnten sich von verschiedenen vorliegenden Hinweisen ein Bild machen und ggfls. auch dafür sorgen, dass die Nachweise oder Hinweise in das Monitoring einflossen. Die Veranstaltungen sollten ja gerade sicherstellen, dass alle Hinweise Beachtung fanden. Auch die Landesjägerschaft hätte ggfls. fehlende Bilder jederzeit bei den Vortragenden anfordern können, wenn Material nicht unmittelbar überstellt worden wäre.

Die Besorgnis, dass eine besondere Situation gegeben sein könnte, wurde anhand der dort präsentierten Berichte und Bilder bestätigt. Aufgrund der Erfahrungen und Erkenntnisse dieses Treffens und auch der weiteren Treffen hat das Umweltministerium eine Vielzahl von Maßnahmen veranlasst.

Am 24.03.2015 wurde eine Sondersitzung des AK-Wolf abgehalten, in der die Vorkommnisse mit dem Munster-Rudel diskutiert wurden. Zu den Themen Verhalten, Habituierung, Konditionierung, Gefährlichkeit und Vergrämung von Wölfen, wurden externe Experten eingeladen und bei der Sitzung angehört.

Am 28.04.2015 erging ein Erlass an den NLWKN zur intensiven Überwachung der Wölfe auf den Truppenübungsplätzen Munster-Nord und Munster-Süd und deren Umgebung sowie der Umsetzung gezielter Maßnahmen. Da die Intensivierung des Monitorings auf Initiative des MU auf den Truppenübungsplätzen Munster Nord und Süd durch das LUPUS-Institut bereits begonnen hatte, wurde der NLWKN gebeten, LUPUS dort mit der Fortführung des Monitorings und der Besenderung von Wölfen zu beauftragen.

Außerhalb der Truppenübungsplätze sollte eine von der Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. beauftragte Person mit Finanzierung durch das MU die Wolfsberater bei der Protokollierung, Dokumentation und Überprüfung aller Sichtungsmeldungen aus der Bevölkerung unterstützen und ggf. koordinieren. Sofern erforderlich und fachlich sinnvoll, sollten dabei auch unterstützend aktive Monitoringmaßnahmen durchgeführt werden. Die beauftragte Person sollte auch als Ansprechpartner für die Öffentlichkeit fungieren. Alle Wolfsmeldungen sollten zeitnah an die beteiligten Partner (LJN, LUPUS, NLWKN und MU) weitergeleitet werden. Die abschließende, amtliche Bewertung der Sichtungsmeldungen und des Wolfsverhaltens sollte der NLWKN vornehmen, in Abstimmung mit dem MU und ggf. unter Einbeziehung externer Experten.

Um zeitnah eingehende Meldungen, wie im Erlass gefordert, analysieren und bewerten zu können, also nicht auf die Quartalsberichte warten zu müssen und um ein konsistentes Bild der Situation in Munster oder etwaiger vergleichbarer zukünftiger Situationen zu erhalten, wurden kurzfristig Stellen ausgeschrieben, um ein Wolfsbüro beim NLWKN zu installieren.

Auch der Kontakt und der Austausch mit den betroffenen Bundes- und Landesforsten wurden intensiviert, und die Öffentlichkeitsarbeit wurde verstärkt.

Die Bundeswehr trug Sorge dafür, dass die Soldaten und Angestellten der Truppenübungsplätze über den Umgang mit Wölfen aufgeklärt wurden, und ein strenges Fütterungsverbot ausgegeben wurde. Durch die Bundesforsten wurde am 16.04.2015 an die Kommandantur und das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Munster ein Aufruf mit der Bitte um Verteilung an alle Bediensteten und Übenden Truppen auf den Truppenübungsplätzen Munster-Nord und -Süd verschickt. Im Aufruf wird darum gebeten, alle Beobachtungen von Wölfen, seien sie auch scheinbar unbedeutend, den Kontaktpersonen des intensivierten Monitorings mitzuteilen, um nähere Erkenntnisse über das Verhalten und die Bewegungen der Tiere in möglichst kurzer Zeit zu erlangen.

Über die Monitoringmaßnahmen und das Vorgehen bei Sichtungen von und Begegnungen mit Wölfen wurden die Wolfsberaterinnen und Wolfsberater, die nicht bereits in das intensivierte Monitoring eingebunden waren, am 10.06.2015 in Absprache mit dem MU durch die Landesjägerschaft informiert.

In zahlreichen Pressemitteilungen und auch auf Bürgerveranstaltungen wurde die Situation des Munster-Rudels benannt und das distanzlose Verhalten der Wölfe thematisiert. Auch Vermutungen über die Gründe dieses Verhaltens wurden diskutiert, jedoch auch deutlich gemacht, dass keine Erkenntnisse zu den Gründen, die dieses Verhalten, ausgelöst haben könnten, vorliegen. In den Antworten auf diverse Presseanfragen, darunter bereits eine am 09.03.2015 vom NDR zum Verhalten der Munsteraner Wölfe, wurde das distanzlose Verhalten der Tiere und eine mögliche Habituierung thematisiert.

Ich komme zum Fazit:

Berichte, dem MU hätten Erkenntnisse über übermäßiges distanzloses Verhalten von Wölfen oder gar Bilder von Nahbegegnungen oder Fütterungen vorgelegen, die zurückgehalten worden wären, weisen wir zurück. Im Gegenteil – aufgrund von Hinweisen wurde die Treffen Anfang 2015 initiiert, um zeitnah ein möglichst vollständiges Bild zu bekommen. Durch dieses Treffen wurde die Situation des Munster-Rudels erstmals deutlich. Diese Erkenntnisse waren dann der Grund für die genannten Maßnahmen, wie das intensivierte Monitoring des Rudels sowie die Besenderung der beiden Wölfe. Zudem wurde erkannt, dass das bis dahin durchgeführte System des passiven Monitorings inklusive des Erhalts der Daten im Vierteljahresturnus nicht ausreichend ist. Auch aus diesem Grund wurden die Professionalisierung des niedersächsischen Wolfsmanagements betrieben und das Wolfsbüro gegründet.“

Die dazugehörige Presseinformation im Wortlaut (*2):

„Die heutige (Montag) Unterrichtung im Umweltausschuss hat klargestellt, dass dem Umweltministerium – anders als verschiedentlich behauptet – keine Geheimfotos vorliegen oder bekannt sind, die zeigen oder gar beweisen, wie Wölfe aus dem Munsteraner Rudel an die Nähe zu Menschen gewöhnt wurden. Wenn anderen Beteiligten oder Medienvertretern andere Fotos vorliegen, fordern wir sie dazu auf, uns diese Fotos bekannt zu machen.

Erneut wurde ausführlich erläutert, dass seitens des Umweltministeriums ab dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens von Berichten über das auffällige Verhalten einzelner Tiere aus dem Rudel Untersuchungen, Auswertungen, Informationen und Maßnahmen dazu veranlasst wurden.

Im Ergebnis wurden Tiere verstärkt überwacht, mit Sendern versehen, mit Vergrämungs­aktionen konfrontiert und im Fall des Wolfs MT 6 aus der Natur entnommen.

Bei allen Maßnahmen des Wolfsmanagements der Niedersächsischen Landesregierung steht die Sicherheit der Menschen an erster Stelle.

Erneut sei darauf hingewiesen, dass es strengstens zu unterlassen ist, Wölfe zu füttern oder in irgendeiner anderen Art und Weise zu versuchen, sie an die Nähe von Menschen zu gewöhnen (zum Beispiel durch „Verfolgung“ zum Zweck von Fotoaufnahmen).

Nähere Informationen über die Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen, deren Verhaltensweisen, den richtigen Umgang mit den Tieren sowie Hinweise zum Verhalten bei Begegnungen mit Wölfen gibt es bei den Wolfsberatern, den Naturschutzbehörden der Landkreise, bei der Landesjägerschaft Niedersachsen, im NLWKN, im Wolfsbüro und im Umweltministerium.“

Ansprechpartnerin:

Dunja Rose

Stellv. Pressesprecherin

Archivstraße 2

30169 Hannover

Quellen:

(*1) www.umwelt.niedersachsen.de, Pressemitteilung- Redebeitrag vom 8.8.2016, abgerufen am 8.08.2016, hier der Link!)

(*2) www.umwelt.niedersachsen.de, Pressemitteilung PI 164/2016:“Statement Umweltminister Stefan Wenzel: Fotoaufnahmen und Maßnahmen im Umgang mit den Wölfen des Munsteraner Rudels“ vom 8.8.2016

Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

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