Zahlenspiele – wie viele Wolfsberater braucht das Land?

Nun erlaube ich mir, die Zahlenmeierei vorläufig einmal auf die Spitze zu treiben. Das dürfte jedoch nur die politisch „angehauchten“ Leser interessieren, also diejenigen, die sich gerne einmal spekulativ auf die eine oder andere Idee einlassen. In meinen letzten beiden Beiträgen habe ich darauf hingewiesen, dass ein professionelles Wolfsmonitoring, dem Skript des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) nach, rund 100 Arbeitstage je Rudel umfasst. Außerdem habe ich über die Zahl 1000 im Zusammenhang über den „günstigen Erhaltungszustand“ unserer heimischen Wölfe philosophiert.


Einmal angenommen, der durchschnittliche ehrenamtliche Wolfsberater arbeitet wöchentlich vier Stunden für seine Aufgabe, was nach einer Studie, die im Jahr 2011 von der TU Dortmund für das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales in NRW angefertigt wurde, der Realität sehr nahe kommen dürfte, dann bräuchten wir…


a) …für das erste Szenario (441 besetzte Wolfsterritorien in Deutschland) bei 100 Monitoringtagen pro Jahr und Rudel entweder rd. 220 Vollzeitkräfte oder 1.760* ehrenamtliche Wolfsberater, beziehungsweise eine entsprechende Mischung beider „Beschäftigungstypen“,

b) …für das zweite Szenario (166 Rudel in Deutschland) entsprechend 83 Vollbeschäftigte oder 664* Ehrenamtliche,

c) …und für das dritte und letzte Szenario (je 50 Rudel in Deutschland und Polen) 25 Hauptamtliche oder 200* Ehrenamtliche.

(*bei der theoretischen Annahme, dass ein Wolfsberater über 50 Wochen im Jahr je 4 Stunden pro Woche für Monitoringaufgaben zur Verfügung steht)


Alles nur Zahlenspiele?

Was dürfte in den Augen der politisch Verantwortlichen am realistischsten klingen?


Man kann die Zahlen natürlich auch anders interpretieren. Allein in Niedersachsen zum Beispiel werden aktuell 114 ehrenamtliche Wolfsberater „vorgehalten“. Dadurch sind bereits heute Monitoringkapazitäten für rechnerisch 28 Wolfsrudel vorhanden. Trotzdem gelang es dort im März auch nach zweiwöchiger Verfolgung und der aktiven Unterstützung durch die Polizei nicht, einen vermeintlich „verhaltensauffälligen Wolf“ einzufangen. In diesem Zusammenhang wurden die Stimmen einiger Verbände für ein „bundesweites Kompetenzzentrum Wolf“ noch lauter. Eine Politikerin forderte sogar eine „Task Force Wolf“. Klingt, als wolle man dem nächsten „auffälligen Wolf“ mit einer Art „GSG 9 für Wölfe“ begegnen.


Nur mal so am Rande: Wenn es bei meinem Nachbarn in Hamburg brennt, nützt mir keine auch noch so gut ausgerüstete Feuerwehr in München!

Herzlichst
Ihr
Jürgen Vogler

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