Cuxland: Warum erneut Herr Müller?

Einerseits ist es tragisch, andererseits auch irgendwie merkwürdig: Nachdem bereits im Jahr 2014 bei zwei Wolfsübergriffen insgesamt drei Jungrinder des Landwirts Andreas Müller aus Lamstedt (Landkreis Cuxhaven) von Wölfen gerissen wurden, gibt es dort abermals gleich zwei neue Verdachtsfälle.

Beide erneut bei Andreas Müller.

Ende Juli, also vor etwas mehr als vier Wochen, wurde ein totes Tier seiner Herde gefunden, das den konkreten Verdacht auf einen neuerlichen Wolfsriss nährte. In der Nacht von Montag auf Dienstag dieser Woche nun wurde erneut ein Rind seiner Herde getötet und angefressen.

Tatverdächtige gibt es auch: Es sind die Wölfe des Cuxhavener Rudels, auch Cuxland-Rudel genannt. Die Untersuchungen, ob diese Wölfe tatsächlich die Täter sind, laufen indes noch. (*1)

Bereits nach der ersten Wolfsattacke im Jahr 2014 wurden die Weiden des Landwirts mit Unterstützung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gegen Wolfsübergriffe gesichert. Das dürfte dem Landwirt, sollte sich der Verdachtsfall auf die Wolfsübergriffe tatsächlich erhärten, zwar den Schadensausgleich sichern, doch nicht die beunruhigende Frage beantworten, warum dieser Zaun keinen ausreichenden Wolfsschutz gewährleistete.

Die Beantwortung dieser Frage erfordert vermutlich eine fachliche Begutachtung eines Herdenschutzspezialisten. Es gilt zwar als Binsenweisheit, dass der beste Schutz vor Wölfen aus einer Kombination von Elektrozäunen in Verbindung mit Herdenschutzhunden besteht. Und auch, dass es die hundertprozentige Sicherheit einer Nutztierherde vor Wolfsübergriffen überhaupt nicht gibt.

Aber dennoch bleibt die Frage offen: Warum immer wieder die Jungrinder genau dieses Landwirts? Und warum trotz des Schutzzauns? Lassen sich daraus vielleicht wertvolle Erkenntnisse über das grundsätzliche Verhalten von Wölfen ziehen, die auch anderswo hilfreich sein könnten? Kann man aus diesem Fall vielleicht etwas Konkretes für den Herdenschutz der Zukunft lernen?

Aus Sicht Wolfsmonitors wären hier  – sollte sich der Wolfsverdacht bestätigen – einige Forschungseuros des Landes mindestens genauso sinnvoll investiert, wie bei den vom Land angekündigten Studien darüber, wie viele Wölfe das Bundesland Niedersachsen überhaupt „vertragen“ kann oder ob sich Esel zum Schutz von Nutztierherden vor Wolfsübergriffen eignen (Wohl eher nein – Quelle: Einfache Internetrecherche). Vielleicht sogar besser!

Denn zwei Gewissheiten bleiben bestehen: Erstens: Die Wölfe, die heute quasi überall in Deutschland auftauchen können, wird man nicht wieder ausrotten! Zweitens: Es gibt deshalb keine Alternative zum wirksamen Herdenschutz!

Hintergrund: Bereits seit dem Jahr 2012 ist das „Cuxland“ Wolfsgebiet. Seit dem Jahr 2014 ist dort ein Wolfspaar unterwegs. Im vorigen Jahr gab es den ersten Nachwuchs mit offiziell bestätigten drei Tieren. Auch im laufenden Jahr ist Wolfsnachwuchs gesichtet worden. Mindestens vier Welpen sollen es demnach sein.

Im Februar 2015 war bei Lamstedt von einem NABU-Mitglied eine etwa 50 Zentimeter große Totschlagfalle im Naturschutzgebiet und Wolfsrevier Langenmoor gefunden worden, was zur Strafanzeige führte. (*2)

Das Streifgebiet des „Cuxland-Rudels“ verläuft im Raum Lamstedt-Westerberg, Langenmoor, Armstorf, Balksee, Bovenmoor bis nach Wanna, Flögeln und Bad Bederkesa sowie Heinschenwalde und Meckelstedt.(*3)

Quellen:

(*1) Cuxhavener Nachrichten, www.cn-online.de, Artikel vom 30.8.2016: „Erneut Jungrind getötet – Wieder ein Wolfsangriff in Lamstedt?“, abgerufen am 4.9.2016, hier der Link!

(*2) NABU-Niedersachsen, www.niedersachsen.nabu.de, Artikel vom 26.2.2015: „NABU stellt Strafanzeige zu Totschlagfalle im Wolfsrevier Cuxhaven“, abgerufen am 4.9.2016, hier der Link!

(*3) Cuxhavener Nachrichten, www.cn-online.de, Artikel am 31.7.2016 von Wiebke Kramp: „Zum dritten Mal – Wolfsangriff auf Rinderherde in Lamstedt“, abgerufen am 4.9.2016, hier der Link!

 

 

 

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