Die Wolfsampel: Wolf soll Fohlen in Bispingen getötet haben

Das Fohlen muss letztlich eine leichte Beute gewesen sein. Nur wenige Kilometer nördlich des Truppenübungsplatzes Munster sorgt zurzeit bei Bispingen in der Lüneburger Heide ein getötetes Fohlen für Aufregung. In der Nacht vom 17. auf den 18. Mai blieben von ihm nach der Geburt nur noch der Kopf und die Wirbelsäule übrig. Dahinter wird eine Wolfsattacke vermutet. Viele Pferdefreunde sehen sich nun mit einer Lage konfrontiert, die sie so nicht erwartet hätten, hieß es doch bisher, Pferde seien durch Wölfe kaum gefährdet. Einzelheiten zum Vorfall in Bispingen sind folgendem Link zu entnehmen, der auf die Seite des St. Georg-Pferdemagazins vom Jahr-Top-Special-Verlag führt.


Zuerst einmal: Ferndiagnosen sind undankbar und eigentlich unmöglich. Nur eine DNA-Analyse kann letztlich Aufschluss darüber geben, ob es Wölfe waren, denen dieses Fohlen zum Opfer gefallen ist. Das Ergebnis der DNA-Analyse wird bekanntlich jedoch einige Wochen auf sich warten lassen. Sollte es sich als richtig erweisen, dass Wölfe das Fohlen gerissen haben – ein einzelner Wolf wäre wohl kaum in der Lage gewesen, rund 20 kg Pferdefleisch in so kurzer Zeit zu fressen – dann spreche ich dem Gestütsbetreiber, der nach Auskunft seiner Webseite sogar mehrere Jahre beruflich in Kanada und den USA verbracht hat, als Pferdefreund mein besonderes Bedauern aus. Er hat immerhin versucht, seine Pferde mit Herdenschutzeseln zu schützen.


Zweitens: Schon wieder Niedersachsen! Dass dieser Fall nun gerade in diesem Bundesland auftritt, muss jedoch als unglücklicher Zufall gewertet werden und ist wohl allein dem Umstand geschuldet, dass das Fohlen – obwohl es mitten im Wolfsgebiet geboren wurde und einige Esel als Schutztiere auf derselben Weide grasten– am Ende scheinbar doch nicht ausreichend vor Wölfen geschützt war. Das ist vor allem deshalb bedenklich, weil solch ein jagdliches „Erfolgserlebnis“ für die vermeintlichen Wölfe weitere Versuche dieser Art zur Folge haben könnte.


Folgerungen

Welche Schlüsse lassen sich aus diesem Vorfall – immer unter dem Vorbehalt, dass es überhaupt Wölfe gewesen sind – ziehen?

  •  Zuerst muss die Frage erlaubt sein: Welche Eselrassen sind tatsächlich für den Einsatz als Herdenschutztiere geeignet?
  • Pferde können als Huftiere per se Opfer von Wolfsangriffen sein. Das ist eigentlich nichts Neues, auch wenn in Deutschland bislang ein Beispiel dafür fehlt. In der „Richtlinie über die Gewährung von Billigkeitsleistungen und Zuwendungen zur Minderung oder Vermeidung von durch den Wolf verursachten wirtschaftlichen Belastungen in Niedersachsen“ sind Pferde im Übrigen aufgeführt.
  • In anderen Bundesländern wäre eine Entschädigungszahlung seitens des Landes – auch wenn diese nicht den ideellen Wert des Tieres ersetzen kann – bereits dann wahrscheinlich, wenn der Wolf als „Täter“ nicht ausgeschlossen werden kann. In Niedersachsen muss der Beweis vorliegen, dass Wölfe ursächlich für den Schaden sind, damit der Schadensausgleich gezahlt wird. Die entsprechende DNA-Auswertung dauert in der Regel mehrere Wochen bis hin zu Monaten. Diese Regelung gehört umgehend auf den Prüfstand, möchte man die Akzeptanz der Bevölkerung für den Wolf nicht weiter ernsthaft gefährden.
  • Die Pferdehalter in der Lüneburger Heide sollten aus eigenem Interesse und gegebenenfalls auch ohne Unterstützung des Landes nun möglichst schnell damit beginnen, ihre Fohlen in angemessener Weise zu schützen und zwar, bevor die Wölfe einen weiteren vergleichbaren „Jagderfolg“ verzeichnen können. Ein weiterer „Jagderfolg“ des vermeintlichen Wolfsrudels würde die Lage für alle anderen Pferdehalter in der Region unnötig verkomplizieren. Hinweise zum Herdenschutz gibt es im Internet zuhauf! Wer diesem Link folgt, findet entsprechende Downloads auf der Seite der „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe“ (GzSdW)!

Die Wolfsampel

Nun zur Einordnung des Fohlenübergriffs. Da es meines Wissens keinen objektiven Maßstab für die Gefährlichkeit von Wölfen für Menschen gibt, habe ich eine „Wolfsampel“ entwickelt, die sich auf die „siebenstufige Geistsche Eskalationsspirale“ bezieht. Ich habe dieses Modell in meiner 1. These hier auf dieser Webseite vorgestellt. Ich erlaube mir – natürlich völlig unverbindlich – bei diesem (noch unbestätigten) Fall in Bispingen die Ampel auf „grün“ zu schalten. Meine Begründung dafür: Der Übergriff geschah nachts, unweit eines Dorfes, rund 250 Meter vom letzten Haus der Ortschaft entfernt. Der vermeintliche Wolfsschutz war (letztlich leider) unzureichend und das Fohlen somit scheinbar eine leichte Beute für den oder die Angreifer. Das Gewicht des gerissenen Fohlens dürfte mit 20 bis 25 kg dem Gewicht eines Schafes entsprochen haben, es dürfte dem „Angreifer“ aufgrund der noch unzulänglichen Bewegungsfähigkeit des Fohlens – soweit es lebend geboren wurde, wovon ausgegangen wird – leicht gefallen sein, es zu erbeuten. Es bestand außerdem zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für einen Menschen.

Noch ein abschließendes Wort zu dem Gerücht mit den 300 Wölfen im verlinkten Artikel. Dabei dürfte es sich um eine Schätzung der Gesamtzahl aller Wölfe in Deutschland handeln!

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

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