Hessen: Dampfplaudern gegen die Wolfsrückkehr

 „Der Wolf soll bleiben, wo er ist“, fordert Ralf Meisezahl, Schäfer und Beauftragter für große Beutegreifer beim Hessischen Schafzuchtverband laut eines Berichts des „Rhein-Main-Extra-Tipp“ gestern.

Die bisherigen Herdenschutz-Lösungen werden seiner Ansicht nach nicht im Rhein-Main-Gebiet funktionieren. Deshalb gebe es nur einen Ausweg: „Den Wolf wieder zur Bejagung freigeben! Andernfalls sind wir Schäfer die Dummen“, wird er zitiert. (*1)

Kommentar

Der anthropozentrische Größenwahn und das bloße öffentliche Wettern einzelner uneinsichtiger Dampfplauderer gegen die Wölfe sind kontraproduktiv und tragen nichts zu einem tragfähigen Lösungsansatz zur Koexistenz von Wölfen und Schafen in unserer Kulturlandschaft bei.

Sollte es sich zudem auch nach 18 Jahren der Wolfsrückkehr tatsächlich noch nicht bis zum Beauftragten für große Beutegreifer beim Hessischen Schafzuchtverband herumgesprochen haben, dass die Bejagung aufgrund des Schutzstatus auf absehbare Zeit keine ernstzunehmende Option ist, dürfte er für die Mitglieder seines Verbandes in dieser Funktion keine ernstzunehmende Unterstützung sein. Im Gegenteil.

Denn selten war die Situation für Schäfer so günstig, die Öffentlichkeit für alle möglichen Probleme der eigenen Zunft zu sensibilisieren. Gerade die Aufmerksamkeit der Medien für die Wölfe sind der Grund dafür, dass man den Schäfern zurzeit überall zuhört. Keine schlechte Verhandlungsposition.

Die damit verbundenen Chancen jedoch nicht zu begreifen und sich darüber hinaus zu gebärden, wie ein störrischer Esel, dürfte allerdings jede halbwegs konstruktive Diskussion nahezu unmöglich machen.

Der Schafzuchtverband sollte deshalb an dieser Stelle aufpassen, sich nicht als ernstzunehmender Gesprächspartner zu disqualifizieren und die mit der Wolfsrückkehr verbundenen Gestaltungschancen verstreichen zu lassen.

Da man den Wolf in Mitteleuropa nicht erneut „ausrotten“ wird, kann es auch für die Schäfer in Hessen nur darum gehen, sich mit der Situation professionell zu arrangieren. Dampfplauderei dürfte – wie beschrieben – dabei nur hinderlich sein…

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

Quelle: (*1) Rhein-Main-Extra-Tipp,www.extratipp.com, Artikel vom 22.10.2016 von Christian Reinartz: „Wölfe in Hessen: Schäfer fordern den Abschuss“, abgerufen am 23.1.2016, hier der Link!

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