Frustrierter Wolfsberater schmeißt hin

Der 37-jährige Landwirt Christian Lohmeyer, der noch bis Mitte Juni als ehrenamtlicher Wolfsberater im Landkreis Nienburg tätig ist, stellt aus Frust sein Ehrenamt als Wolfsberater zur Verfügung! Das berichtete die „Mediengruppe Kreiszeitung“ aus Syke am Donnerstag. Den gesamten Artikel können Sie über folgendem Link lesen:

Kommentar:
Dass jemand ein Ehrenamt aus persönlicher Enttäuschung aufgibt, dürfte nicht ungewöhnlich sein. Wohl jeder kennt entsprechende Fälle in seiner näheren Umgebung, vielleicht aus dem ortseigenen Sport- oder Schützenverein. In der Regel wird jedoch wenig „Trara“ darum gemacht. Zumeist zu Recht.
Doch dieser besondere Fall hinterlässt einen schalen Beigeschmack, einerseits, weil er über die Presse und auch in den sozialen Medien öffentlich verbreitet und diskutiert wird, und andererseits, weil der junge Mann sich genau deshalb einige Fragen gefallen lassen muss:

Mit welcher Erwartungshaltung hat der 37-Jährige dieses Ehrenamt eigentlich angetreten? Deutlich wird zumindest, dass diese Erwartungen am Ende nicht erfüllt worden sind, vielleicht auch nicht erfüllt werden konnten. Jedem Anfang wohnt bekanntermaßen ein Zauber inne, doch beim Aufbau des landesweiten Wolfsmonitorings waren- wenn man die Sache nicht allzu naiv betrachtet – wie bei jedem Projekt, das von Grund auf neu entwickelt werden muss, Startschwierigkeiten vorherzusehen.

Der 37 Jahre alte Landwirt, Schäfer und Jäger dürfte bei der Ausübung seiner Tätigkeit – so ist anzunehmen – einem gewissen Druck ausgeliefert gewesen sein, denn gerade zahlreiche Landwirte, Schäfer und Jäger – die als direkt Betroffene wohl eher zu denen gehören, die den Wolf nicht uneingeschränkt willkommen heißen, haben einen Großteil der mit der Wolfsrückkehr verbundenen Risiken zu tragen. Aus meiner Sicht ist das Bemühen des Landes Niedersachsen und der Landesjägerschaft, möglichst viele gesellschaftliche und somit auch die direkt betroffene Gruppierungen aktiv in das Wolfsmonitoring einzubinden, trotz dieses bedenklichen Einzelfalls zu begrüßen.

Die meisten Fragen, die der junge Mann in dem Artikel aufwirft, lassen sich im Übrigen sehr wohl angemessen beantworten. Dutzende Wolfsberater und –betreuer sowie Wolfsbotschafter tun dies täglich – ebenfalls ehrenamtlich. Deshalb liegt durchaus die Vermutung nahe, dass der Landwirt sich die Sache zu einfach vorgestellt und die dazu notwendigen vorbereitenden Hausaufgaben nicht sorgfältig genug gemacht haben könnte.

Zuletzt nutzt er die Möglichkeit, auch noch kräftig auszuteilen: Der NABU solle lieber „Zaun- als Wolfspatenschaften“ initiieren, der Schutzstatus des Wolfes sei übertrieben, nichts sei geregelt und notwendige Entscheidungen würden seitens der politisch Verantwortlichen nicht getroffen. Weiter wird er mit den Worten zitiert: „Wir warten im Grunde doch alle auf den ersten nachweisbaren aggressiven Angriff eines Wolfes auf einen Menschen“ – vorher reagiere das Ministerium vermutlich nicht.“



Das ist in beiderlei Hinsicht nachweislich falsch und deshalb muss diesen Aussagen deutlich widersprochen werden!

Am Ende bleibt für alle Beteiligten ein schaler Beigeschmack. Der junge Mann hat weder sich noch der Sache einen Gefallen getan und scheint letztlich überfordert gewesen zu sein. Die administrativ Verantwortlichen in Niedersachsen sollten jedoch die Hinweise, an welcher Stelle es Verbesserungspotenzial in der Kommunikation mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern gibt, ernst nehmen. Wobei dem Außenstehenden nicht transparent sein dürfte, welche Rolle der Jägerschaft – die ja bekanntlich in Niedersachsen auf der Grundlage einer Kooperationsvereinbarung das Wolfsmonitoring durchführt – und welche Rolle dem Ministerium und dessen nachgelagerten Einrichtungen dabei zukommt.

Herzlichst
Ihr
Jürgen Vogler

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