Cunnewitz: Schäferei im Blut?

Er habe die Schäferei im Blut, schrieb die Leipziger Volkszeitung kürzlich über den nun bereits mehrfach von Wölfen „heimgesuchten“ Hobbyschäfer Martin Just aus dem sächsischen Cunnewitz (Landkreis Bautzen). Verliert ein Schäfer allerdings in Südosteuropa ein Schaf an den Wolf, sei ihm das höchst peinlich, weil es zeige, dass er seinen Job nicht richtig gemacht habe. So beschrieb es Dr. Josip Kusak letztes Jahr auf einer internationalen Konferenz in Wolfsburg.

Okay, die Verhältnisse in Südosteuropa mögen sicherlich nicht Eins zu Eins mit denen im Freistaat Sachsen zu vergleichen sein, schließlich müssen dort die meisten Schäfer – anders als Just  – ihren Lebensunterhalt mit der Schäferei verdienen. Im Kern steckt in der Aussage Kusaks jedoch ein Fünkchen Wahrheit!

Apropos Wahrheit: Wenn Herdenschutzhunde, wie Hobbyschäfer Just es behauptet, gar nicht hinter Elektrozäunen gehalten werden dürften, wie ist es dann eigentlich zu erklären, dass andere Schäfer in Sachsen – allen voran Frank Neumann, der schon früh im Freistaat mit Herdenschutzhunden arbeitete – diese auch heute dort noch erfolgreich einsetzen?

Damit die restlichen Schafe des Hobbyschäfers eine reelle Chance haben, auch die kommenden Nächte zu überleben (wenn sie nicht bereits eingepfercht sind), sollte Just so langsam mal damit beginnen, gewisse Realitäten zu akzeptieren, anstatt „auf neue Risse zu warten“!

Und eine dieser Realitäten ist – so bitter das auch für ihn klingen mag: Seine Schafe sind unzureichend geschützt, die möglichen Schutzmaßnahmen wurden bisher nicht ausgeschöpft und im Zweifel, das wissen professionelle Schäfer wie z.B. Frank Neumann und Tino Barth aus eigener Erfahrung nur zu gut, bieten gerade die von Just abgelehnten Herdenschutzhunde in Verbindung mit Elektrozäunen tatsächlich den besten Schutz. Besonders auch für Schäfer, die bereits Bekanntschaft mit Wölfen gemacht haben.

Unter anderem genau diese Herdenschutzhunde wurden Just kürzlich vom Kontaktbüro der Wolfsregion Lausitz angeboten, heißt es in einer Pressemitteilung von dort.

Im Sinne seiner Schafe ist zu hoffen, dass er dieses Angebot nun endlich annimmt!

Den entsprechenden Beitrag in der Leipziger Volkszeitung können Sie unter Nutzung dieses Links aufrufen!

PS.: Anders als die Überschrift vermuten lässt, läuft in der Lausitz nichts „aus dem Ruder“! Außer einigen Heißspornen vielleicht. Derartige Herausforderungen gab es auch in der Vergangenheit bereits mehrfach in Deutschland. Die Lösung waren dann meistens die Herdenschutzhunde!


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quellen: Leipziger Volkszeitung, www.lvz.de, Artikel am 8.11.2016 von Roland Herold: „Der böse Wolf von Cunnewitz  – In der Lausitz läuft ein Vorzeige-Naturschutzprojekt aus dem Ruder“, abgerufen am 14.11.2016, hier der Link!

Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

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