Goldenstedter Wölfin: Besenderung nur Gerücht!

In einem „Hallo Niedersachsen“-Beitrag äußerte Achim Stolz vom Niedersächsichen Landesbetrieb für Naturschutz (NLWKN) am 26. Oktober gegenüber dem NDR, das „Besenderungsprojekt“ werde in der ersten Hälfte des nächsten Jahres starten. Bis dahin seien keine einzelnen Besenderungen von einzelnen Tieren vorgesehen. (hier! …ab Minute 1:50)

Der NDR-Beitrag lässt den Zuschauer in dem festen Glauben, dass mit „Besenderung“ die sogenannte Goldenstedter Wölfin gemeint sein muss.

Der bereits durch seine Unterschriftenaktion bekannte Wildbiologe und Wolfsschützer Jan Olsson reagierte unmittelbar mit einer weiteren breit angelegten Kampagne darauf. Denn seiner Einschätzung nach käme eine Besenderung der Goldenstedter Wölfin ihrem Todesurteil gleich.

Er rief deshalb auf der Online-Plattform „Change.org“ öffentlich dazu auf, per E-Mail ein Schreiben an das Niedersächsische Umweltministerium zu richten, um gegen die Besenderung der Wölfin zu protestieren. (*2)

Jetzt antwortete Dr. Frank Krüger aus dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz mit einer ebenso aufwändigen Antwortaktion – ebenfalls per E-Mail – darauf. In dieser Mail heißt es:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ohne erkennbaren konkreten Grund haben uns zahlreiche E-Mails besorgter Bürger erreicht, die offensichtlich ein Gerücht zur Ursache haben. Da wir Ihre Unterstützung für den Wolf zu schätzen wissen, geben wir Ihnen gerne die folgenden Erläuterungen:

Aufgrund der auffällig vielen Nutztierrisse – verursacht durch die Barnstorfer Fähe im Jahr 2015 in Verbindung mit der Überwindung des wolfsabweisenden Herdenschutzes in vier Fällen – ist zunächst überlegt worden, dieses Tier mit einem Senderhalsband auszustatten.

Dadurch sollten u.a. Erkenntnisse über Aufenthaltsschwerpunkte der Fähe und zu besonders gefährdeten Weiden gewonnen und Klarheit geschaffen werden, ob tatsächlich dasselbe Tier für alle Nutztierrisse in der Region ursächlich ist. Durch ein intensiviertes Monitoring, das keinerlei Hinweise auf weitere Wölfe in dieser Region brachte, konnte bereits ohne eine Besenderung mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass es sich um ein Einzeltier in der Region handelt.

Nach verstärkten Bemühungen der Weidetierhalterrinnen und Weidetierhalter zum Herdenschutz und der Verstärkung der Herdenschutzmaßnahmen auf den Weiden auf denen der wolfsabweisende Grundschutz überwunden worden war, war im Folgenden ein deutlicher Rückgang der Nutztierrisse zu erkennen. Weidetiere, die wolfsabweisend geschützt waren, sind seitdem nicht mehr angegriffen worden. Statt einer Besenderung wurde entschieden, dass das Wolfsbüro in dem Gebiet der Barnstorfer Fähe verstärkt Informationen für Nutztierhalterinnen und Nutztierhalter anbietet und bei Bedarf Zaunmaterial zur Umsetzung oder Aufstockung des wolfsabweisenden Grundschutzes verleiht, um so den Herdenschutz weiter auszubauen.

Bereits im Frühjahr 2016 hat das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz beschlossen, von einer Besenderung der Barnstorfer Fähe, auch Goldenstedter Fähe genannt, abzusehen. Eine Besenderung der Barnstorfer Fähe im Sinne einer Managementmaßnahme ist daher nicht mehr vorgesehen.

Werden Wölfe besendert, um daraus allgemeingültige oder auf ein bestimmtes Gebiet bezogene Informationen zu deren Habitatansprüchen, Raum-/Zeit-Verhalten, Beutespektrum u.a. zu erhalten, so dient eine Besenderung einem besseren Verständnis dieser Tiere, aber auch und vor allem deren Schutz (wissenschaftliches Interesse und Naturschutzinteresse). Beispiele aus Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass aus Senderdaten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, die zur Aufklärung der Öffentlichkeit nützlich und damit gut für die Akzeptanz der Wölfe sind. Ein solches, wissenschaftliches, Untersuchungsvorhaben mit Besenderung mehrerer Wölfe ist auch in Niedersachsen geplant. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse über individuelle Gewohnheiten sind dabei allerdings einem strengen Datenschutz unterworfen, um Außenstehenden keine Möglichkeit zu bieten, einzelne Tiere gezielt aufzusuchen und diesen nachzustellen.

Bislang ist bei Wölfen kein Schaden durch ein Senderhalsband selbst aufgetreten, die Fähe FT10 ist an einer Sepsis, verursacht durch Bissverletzungen am Bauch, gestorben.

In Niedersachsen ist keine Besenderung zur permanenten Überwachung geplant, insbesondere nicht bei einem Wolf, der lediglich Beute macht, indem er ungeschützte Nutztiere reißt, denn das entspricht seiner Natur. Nur für den Fall, dass von einem Tier oder einem Rudel aufgrund eindeutiger Verhaltensauffälligkeiten eine Gefahr für Menschen drohen könnte, ist eine Besenderung als Managementinstrument vorgesehen, um gezielte Vergrämungsmaßnahmen durchführen zu können. Aber auch die dadurch gewonnenen Daten würden nur den direkt damit befassten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekannt gegeben, die Senderfrequenzen würden in keinem Fall einer Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.“ (*3)

Mit freundlichen Grüßen

im Auftrag

Frank Krüger



Quellen:

(*1) NDR, www.ndr.de, Hallo-Niedersachsen- Beitrag vom 26.10.2016 (verfügbar bis zum 26.01.2017): „Wie umgehen mit Problemwolf in Diepholz?“, abgerufen am 14.11.2016, hier der Link!

(*2) Petition von Jan Olsson auf „Change.org“: Neuigkeiten vom 4. November zur Petition – „Todesurteil für die Goldenstedter Wölfin!“, abgerufen am 14.11.2016, hier der Link!

(*3) Dr. Frank Krüger, Referat 27 – Biologische Vielfalt, Natura 2000, Schutzgebiete, Niedersächisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz Hannover, authentifiziert am 14.11.2016


 

 

 

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