Phantomdiskussion

Zurzeit wird wieder einmal „ordentlich“ Stimmung gegen die freilebenden Wölfe in Deutschland gemacht. Ein dabei häufig benutztes Argument: Die Zahl der Wolfsrisse sei in Deutschland heute mehr als zwanzigmal so hoch wie im Jahr 2002. Verschwiegen wird jedoch häufig: Im selben Zeitraum hat sich die Zahl der Wolfsrudel in Deutschland versiebenundfünfzigfacht! Nicht zuletzt deshalb steht erneut der Vorwurf im Raum, einige Wortführer würden in der Diskussion jegliches Maß verlieren.


Zur Erinnerung:

  • Bundesweit wurden im Jahr 2015 von rund 360 Wölfen insgesamt 618 Nutztiere getötet.
  • Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland 40.359.656 Nutztiere (ohne Pferde und Geflügel). (*1)
  • Der „Rissfaktor“ beträgt also 0.0015%, oder anders, im Vorjahr kam auf etwa jedes 65-tausendste Nutztier ein vom Wolf gerissenes Tier.
  • Man mag anführen, dass hier nur die nicht eingestallten Weidetiere aufgeführt werden dürfen. Rechnet man also die 1,6 Mio Schafe und ein Drittel der Rinder, beträgt der Rissfaktor immer noch 0,010%, was bedeutet, dass jedes 9.415. Nutztier Opfer eines Wolfes geworden ist.

Eine andere Zahl:

In der Lausitz wurden zwischen 2001 und 2012 insgesamt 4.136 Wolfslosungen untersucht. Es stellte sich dabei heraus, dass die Nahrung der Wölfe dort nur zu 0,75% aus Nutz- oder Haustieren bestand. Und das zu einem Zeitpunkt, als die Nutztiere dort noch nicht flächendeckend durch Herdenschutzmaßnahmen vor Wolfsübergriffen geschützt waren.

Eckehard Niemann, Sprecher der niedersächsischen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), äußerte sich nun gegenüber der TAZ: „Die Probleme mit dem Wolf wurden unter dem Deckmantel der politischen Korrektheit immer wieder unter den Teppich gekehrt“.

Die Zahlen belegen: Gesamtperspektivisch gibt es eigentlich gar kein politisch relevantes Problem!* Die Nutztierschäden werden üblicherweise ersetzt, Präventionsmaßnahmen in Wolfsregionen nach den existierenden Richtlinien unterstützt. Wenn das nicht immer in der erwünschten Geschwindigkeit erfolgt, ist das gewöhnlich der behördlichen Ablauforganisation geschuldet.

Die „Lautsprecher“ einiger Verbände führen offenbar gerade eine Phantomdiskussion. Interessant zu beobachten ist, wie es einigen Beteiligten dabei tatsächlich gelingt, das Thema auf so manche politische Agenda zu heben. Ebenso spannend, wer dann auf diesen Zug so alles aufspringt.

Politisch dürften wir – besonders zurzeit – eigentlich ganz andere Probleme haben! Zuletzt las man häufiger von einem „Glaubwürdigkeitsproblem“…

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quellen:

(*1) Statistisches Bundesamt – Destatis, www.destatis.de, Wirtschaftsbereiche Land- & Forstwirtschaft, Fischerei, Fleischerzeugung, abgerufen am 16.11.2016, hier der Link!

(*2) TAZ, www.taz.de, Artikel von Luca Spinelli am 15.11.2016: „Landwirte fordern Wolfsjagd“, abgerufen am 16.11.2016, hier der Link!

*Amerkung: Die wenigen tragischen Einzelschicksale einmal ausgenommen.

 

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