Anti-Wolfs-Tiraden in Südergellersen nach drei Übergriffen in nur einer Woche!

Handelt es sich um ein weiteres „Lehrstück“ der Wolfsrückkehr? Sowohl der Betroffene selbst als auch der Vorsitzende eines Schafzuchtverbandes sehen sich nach dem dritten Übergriff auf eine Schafherde innerhalb von nur einer Woche in Südergellersen veranlasst, Anti-Wolfs-Tiraden zu äußern.

Von einem „Lehrstück“ ist auszugehen. Und es ist vordergründig wohl auch der nachvollziehbaren Verzweiflung des Schäfers Gerd Jahnke geschuldet, wenn er sich zu solch unüberlegten Aussagen wie die, dass der Wolf ins Jagdrecht gehöre, hinreißen ließ.

Unüberlegt? Ja, unüberlegt! Denn so richtig scheint er mit dem deutschen Jagd- und Reviersystem und den Wölfen nicht vertraut zu sein, ansonsten hätte er seine Forderung sicherlich anders formuliert.

Dass die Vorfälle in Südgellersen nun offenbar für eine „Anti-Wolf-Kampagne“ herhalten müssen, wird spätestens, als Joachim Rehse vom Landesschafzuchtverband Niedersachsen die NDR-Bühne betritt, deutlich. (*2)

Nebenerwerbsschäfer Rehse ist nämlich alles andere als ein Wolfsfreund und lässt in der Öffentlichkeit kaum eine Gelegenheit aus, die Wölfe für allerlei Unbill verantwortlich zu machen und dabei auch das „Ende des Abendlandes“ nicht auszuklammern.

Quasi erwartungsgemäß sprach er deshalb in Südergellersen davon, dass die Gegend mit Wölfen „gesättigt“ sei und die Weidetierhaltung (mal wieder) „vor dem Aus“ stehe.

Ich durfte den Vorsitzenden des Landesschafzuchtverbandes kürzlich auf einer mehrtägigen Tagung persönlich „erleben“. Was mich beeindruckte: Spätestens, als der professionelle Schäfer Knut Kucznik zu Wort kam, litten die in meinen Augen teils abwegigen Argumente Rehses (z.B. seine Proklamation des Endes der Weidewirtschaft) deutlich. Sie wandelten sich urplötzlich in wenig konstruktive politische Parolen um. In Anti-Wolfs-Parolen!

Denn Kucznik betreibt die Schäferei bereits seit Jahren in Brandenburg, ohne je ein Schaf an einen Wolf verloren zu haben. Er verkörpert quasi den modernen Typ des an die neuen Herausforderungen angepassten Schäfers. So einer lässt den niedersächsischen Schafzuchtfunktionär und Nebenerwerbshalter im direkten Vergleich natürlich wie einen „Schuljungen“ aussehen. Und zwar wie einen, der noch viel zu lernen hat.

Der Forderungskatalog des Schäfers Gerd Janke aus Südergellersen an die Politik ist übrigens noch etwas länger. Janke fordert darin beispielsweise auch, dass die Politik konkrete Maßnahmen ergreifen möge, um die Schäfer besser vor den Wölfen zu schützen.

Die Netzgemeinde ist allerdings – zumindest was die Wolfschutzseite betrifft – auch hier in Teilen anderer Meinung. Sie sieht Janke selbst in der Verantwortung, seine Schafe besser vor den Wölfen zu schützen.

Ein Herdenschutzhund auf 700 Schafe sei, als bremse man einen Ferrari allein mit der Handbremse. Ziemlich unwirksam also.

Die Eignung von Eseln als verlässlicher Wolfsschutz ist in Fachkreisen ebenfalls höchst umstritten. Und sogar die in Niedersachsen seit rund 2 Jahren gültige „Richtlinie Wolf“ fördert (Punkt 2.3.1):

…„bei Schafen mit einer Mindestherdengröße von 100 Schafen die Anschaffung von 2 Herdenschutzhunden, bei einer Herdengröße ab 200 Schafen ist für jeweils weitere 100 Schafe ein zusätzlicher Herdenschutzhund förderfähig.“…

…und vielleicht auch nötig!!! Denn diese Zahlen wurden seinerzeit nicht einfach „aus der Luft gegriffen“!

Was Schäfer Janke nun also offensichtlich schnell braucht, sind weniger die Weisheiten eines Funktionärs, als weitere Herdenschutzhunde!

In Sachsen zum Beispiel gibt es eine „schnelle Eingreiftruppe“ für vergleichbare Ereignisse. Aber auch in Niedersachsen selbst sind bereits zahlreiche Schäfer erfolgreich mit Herdenschutzhunden unterwegs. Vielleicht kann hier einer (aus-)helfen?

Gut, das Jankes Schafe sich offenbar bereits an die Anwesenheit eines solchen Hundes in der Herde gewöhnt haben. Vielleicht ist gerade deshalb eine schnelle und wirksame Hilfe bei ihm vielversprechend?!

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

Quellen:

(*1) NDR, www.ndr.de, Presseartikel vom 4.12.2016: „Südergellersen: Drei Angriffe, zwölf tote Schafe“, abgerufen am 5.12.2016, hier der Link!

(*2) ebenda: Hallo Niedersachsen-Interview (3:06 Min.): „Wolfsangriffe: Schäfer beklagt zwölf tote Tiere“, abgerufen am 5.12.2016, hier der Link!

 

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