Ein „postfaktischer“ Rinderriss in Barnstorf?

Manchmal beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl, wenn ich Darstellungen lese wie kürzlich die über einen grausigen Fund auf einer Weide im niedersächsischen Barnstorf. (*1) Da äußert Rinderzüchter Marius Kinkhorst gegenüber der Zeitung für meinen Geschmack etwas zu voreilig, dass er sich – nachdem er ein totes Rind angefressen auf einer Weide fand – sofort sicher war, dass hier ein Wolf zugeschlagen habe.

Zufällig ist auch sein „Freund“ Werner Olschewski beim Pressetermin dabei. Der kann den finanziellen Schaden sogar auf der Stelle beziffern.

Olschewski ist kein „unbeschriebenes MK-Blatt“ und selbst auch schon „Wolfsopfer“ geworden. Bereits vor ungefähr zwei Monaten äußerte er gegenüber der MK- Kreiszeitung, „nichts mehr mit denen aus Hannover zu tun haben zu wollen“. (*2)

Und dann wartet man in Barnstorf mit der notwendigen Spurensicherung für den DNA-Nachweis bis zum Abend, obwohl das tote Tier bereits morgens gefunden wurde. Der Wolfsberater hatte offensichtlich vorher keine Zeit.

Die Wahrscheinlichkeit, brauchbare Spuren für einen abschließend aussagekräftigen DNA-Nachweis zu sichern, schwindet bekanntlich jedoch mit jeder verstrichenen Stunde. Eine Angabe darüber, wie lange das Rind bereits tot auf der Weide gelegen haben könnte, ist dem Artikel leider nicht zu entnehmen. Müßig anzuführen, dass es im Zweifel noch drei weitere Wolfsberater im Landkreis Diepholz gegeben hätte?

Der Leser erfährt stattdessen, dass es sich hier um einen besonders tragischen Fall handelt, da das Tier am Wochenende Teil einer Krippenvorstellung bei einer Hofweihnacht hätte sein sollen. Einige Schafe, die ebenfalls für den Einsatz in der Krippe vorgesehen waren, wurden sogar schon vor einigen Tagen gerissen!

Um sich als Leser ein Gesamtbild vom Vorfall zu machen, fehlen jedoch einige wesentliche Informationen. So findet man beispielsweise im Zeitungsbeitrag keinerlei Hinweis darauf, ob das Rind nicht auch „post-mortem“ angefressen worden sein könnte.

„Postfaktisch“ ist seit wenigen Tagen das Wort des Jahres.

Spätestens, wenn man am Ende dieses Artikels liest: „Die offizielle Bestätigung, ob hier wirklich ein Wolf „am Werke“ war, steht noch aus“, ahnt der Leser, dass sich ihm hier ein anschauliches Beispiel dafür bietet, was mit dem jüngst „preisgekrönten Wort“ überhaupt gemeint sein könnte.

Denn am „Täter Wolf“ zweifelt in Barnstorf nach diesem Pressebericht bestimmt keiner mehr. Schließlich stand es bereits „in der Zeitung“. Und wurde von keinem Geringeren als von Marius Kinkhorst „verkündet“. Und mit Hilfe von Redakteur Sven Reckmann und der Kreiszeitung verbreitet!

So funktioniert salonfähige „postfaktische Pressearbeit“ offenbar heute…

Hier geht es zum MK-Beitrag!


Quellen:

(*1) MK-Kreiszeitung, www.kreiszeitung.de, Beitrag vom 9.12.2016: „Grausiger Fund auf der Rinderweide“, abgerufen am 10.12.2016, hier der Link!

(*2) MK-Kreiszeitung, www.kreiszeitung.de, Beitrag vom 12.10.2016: „Goldenstedter Schafhalter werfen Land Eselei vor“, abgerufen am 10.12.2016, hier der Link!

Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

(Anmerkung: Für die Richtigkeit der Angaben und Inhalte der verlinkten Webseiten wird keinerlei Gewähr übernommen)

 

Kommentar verfassen