Der Kern so mancher Fehleinschätzung…

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) veröffentlichte gestern einen Artikel (dpa) über einen angeblichen Streit in Niedersachsen um den Abschuss von Wölfen. Auch Helmut Dammann-Tamke, CDU-Landtagsabgeordneter und Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, kommt in dem Beitrag zu Wort:

In weiten Teilen der Lüneburger Heide sei die Akzeptanz gegenüber dem Wolf in der Bevölkerung in beängstigender Weise gesunken, lautet sein Resümee. Auch wenn nicht so ganz klar ist, in welcher seiner Funktionen er dies gerade äußert, beurteilt er weiter: „Die Jäger als Teil der Gesellschaft seien davon nicht ausgenommen.“

Zwei Dinge, so befindet er, seien Fakt: Die Selbstregulierung des Wolfsbestandes über einen Mangel an Beute sei nicht in Sicht. Und: Die natürliche Scheu des Wolfes vor dem Menschen sei nicht genetisch bedingt, sondern werde von Elterntieren anerzogen“, so Dammann-Tamke.

„Wenn wir die Akzeptanz für den Wolf in der Bevölkerung erhalten wollen, muss es oberstes Ziel sein, den Wölfen zu vermitteln: Halte dich fern vom Menschen und seinen Nutztieren“, glaubt er.

Außer der Feststellung, dass die angeblich schlechte Stimmung in der Lüneburger Heide nicht zuletzt durch einige „Kollegen“ Damman-Tamkes mitgeschürt wurden und offenbar sogar eine örtliche Zeitung mit einer „Kampagne“ maßgeblich dazu beigetragen hat (die Belege dafür findet man im Verlauf dieses Blogs), sind die Ausführungen Dammann-Tamkes meiner Einschätzung nach in zweierlei Hinsicht zu ergänzen:

Aus dem Umstand, dass eine Selbstregulierung des Wolfsbestandes über einen Mangel an Beutetieren nicht in Sicht ist, lässt sich keineswegs die Notwendigkeit einer Bestandsregulierung durch die Jägerschaft, deren Präsident Dammann-Tamke in Niedersachsen ist, ableiten. Im Gegenteil. Weder das deutsche Jagdrecht noch die Ausbildung der Jäger sind bislang dafür geeignet. Nicht zuletzt deshalb gehören Wölfe auch nicht ins Jagdrecht.

Zweitens: Die Angst vieler Menschen vor dem Wolf ist ebenso wenig genetisch bedingt, sondern wird maßgeblich erst durch Mythen und Märchen (aber auch Jägerlatein) geschürt.

Oberstes Ziel, so glaubt Damman-Tamke, müsse es sein, „den Wölfen zu vermitteln: Halte dich fern vom Menschen und seinen Nutztieren“.

Oberstes Ziel, so glauben andere, müsse es sein, Jägern zu vermitteln: Halte dich von Wölfen fern! Nutztierhaltern muss darüber hinaus noch stärker verdeutlicht werden: Ob sich ein Wolf von deinen Tieren fernhält, entscheidest nicht zuletzt du selbst durch die Qualität deiner Schutzmaßnahmen.

Wölfe können nämlich nicht zwischen erlaubten und unerlaubten Beutetieren unterscheiden. Deshalb ist hier die Qualität des Herdenschutzes entscheidend. Und das beschreibt den Kern so mancher Fehleinschätzung.


„Gegen Zielsetzungen ist nichts einzuwenden, sofern man sich dadurch nicht von interessanten Umwegen abhalten lässt.“

Mark Twain (1835 – 1910)


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung, Ausgabe Lingener Tagespost, www.noz.de, Artikel (dpa) vom 2.1.2016: „Streit in Niedersachsen über den Abschuss von Wölfen“, abgerufen am 3.1.2017, hier der Link!

 

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