Der „weiße Fleck“ des Vorzeigeschäfers

Deutlicher lässt sich ein Dilemma kaum demonstrieren. Wendelin Schmücker aus Winsen (Luhe), ein landauf, landab gegen den Wolf demonstrierender Schäfer, schreibt einen Leserbrief, mit dem er eine breite Öffentlichkeit darüber in Kenntnis setzt, dass er sich mit Herdenschutzhunden offenbar überhaupt nicht auskennt. (*1)

Dabei bieten gerade diese Hunde, die längst vielen Schäfern in Deutschland seit Jahren hervorragende Dienste leisten, in Verbindung mit Elektrozäunen den bestbekannten Schutz vor Wolfsübergriffen auf Nutztiere. Das weiß jeder, der sich mit Wölfen ernsthaft beschäftigt.

„Aber Herdenschutzhunde, die gibt es hier in der Gegend gar nicht, sie sind mir wie fremde Wesen“, schreibt Schmücker.

Ersteres ist zwar unwahrscheinlich, mag aber stimmen. Je nachdem, wie man „Gegend“ gerade definiert. Letzteres glaube ich ihm gerne.

Schmücker – das darf man zur Kenntnis nehmen, um die Tragweite seiner Äußerung richtig einschätzen zu können – ist ein nahezu omnipräsenter Vorzeigeschäfer, der seine Abneigung gegen Wölfe nicht verheimlicht und auf Demonstrationen auch schon mal einen Appell an „die höchste Person dieses Landes“ richtet, um sie zu bitten, den Schutzstatus des Wolfs „herabzustufen“.

Denen, die ihm zuhören, „beglückt“ er seit Jahren mit seinen „Ausrottungsphantasien“ sowie zweifelhaften Botschaften, wie „der Wolf hat hier kein Lebensrecht“ oder Wölfe seien „Schädlinge“ und „nutzlos wie Ratten, Flöhe oder Zecken“. Sogar seriöse Zeitungen berichteten darüber. (*2)

Kein Wunder also, wenn sich Teile der aktuellen Wolfshysterie gleichermaßen wirklichkeitsverweigernd inhaltlich diesem Niveau annähern.

Antworten auf die Frage, welche Kernbotschaft Schmückers aktueller Leserbrief eigentlich bereithält, überlasse ich lieber Ihrer eigenen Interpretationsbegabung, liebe Leserinnen und Leser.

Unterdessen frage ich mich, ob ein gutgläubiges Publikum es tatsächlich verdient hat, auch noch im fast zwanzigsten Jahr der Wolfsrückkehr gerade von denen öffentlich „belehrt“ zu werden, für die zeitgemäße Herdenschutzlösungen offensichtlich selbst immer noch „Neuland“ sind.

Medienvertreter, die künftig realistisch über wirksamen Herdenschutz berichten wollen, sollten deshalb lieber Schäfer wie Knut Kucznik, Holger Benning oder Frank Neumann konsultieren.

Natürlich gibt es auch noch ungezählte andere Schäfereien mit zeitgemäßen Herdenschutzlösungen, nur bei denen bin ich mir gerade nicht sicher, ob sie Medienvertreter überhaupt willkommen heißen.

Kucznik (Berlin/Brandenburg), Benning (Niedersachsen) und Neumann (Sachsen) arbeiten hingegen bereits seit Jahren erfolgreich mit Herdenschutzhunden und klären in der Regel die Öffentlichkeit auch gerne über die tatsächlichen Sorgen und Nöte ihres Berufsstandes auf. Aber vor allem sind sie Herdenschutzspezialisten!

P.S.: Nein, Schafe müssen nicht aussterben, wie Schmücker es den Lesern offensichtlich suggerieren möchte. Wohlmöglich nicht zuletzt wegen der Herdenschutzhunde… Bei den Wirklichkeitsverweigerern sind sich da einige allerdings nicht ganz so sicher!


„Ehrlichkeit ist das erste Kapitel im Buch der Weisheit.“

Thomas Jefferson (1743 – 1826)


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quelle:

(*1) AZ-Online, www.az-online.de, Leserbrief von Wendelin Schmücker vom 5. Januar 2017: „Müssen Schafe erst aussterben?“, abgerufen am 6.1.2017, hier der Link!

(*2) Hannoversche Allgemeine, www.haz.de, Beitrag vom 17.10.2014: „Schäfer fordert Ausrottung der Wölfe“, abgerufen am 6.1.207, hier der Link!

 

Kommentar verfassen