Die Volksparteien und der Wolf – aktuelle Eindrücke (Teil 1)

Oha, schon wieder 2017! Dieses Jahr ist Wahljahr! Schnell werden deshalb jetzt noch einige halbherzig recherchierte Botschaften unters Volk geschleudert (so kommt es einem zumindest vor). Schließlich müssen auch die unattraktiven Themenfelder, die vielleicht auch nur eine Handvoll Wähler hinterm Ofen hervorlocken, noch politisch „besetzt“ werden. Dabei ist offensichtlich kein Thema zu klein, egal wie relevant es tatsächlich für das große politische Alltagsgeschäft ist. Deshalb nun also auch Wölfe, trotz Trump, Türkei und Terrorismus.

Auffällig: Auch bei der AFD scheint das Thema nun angekommen zu sein. Gerade beantragte sie in Brandenburg „effektive Regulierungsmaßnahmen für die Wolfspopulation“ (hier! – *1).

Fast genauso liest es sich bei der CSU, wo Landwirtschaftsminister Christian Schmidt in dieser Woche eine „beschränkte Abschussfreigabe“ für Wölfe forderte (hier! – *2).

Und auch aus der CDU beim Bund hört man erstmals deutlichere Worte, wie kürzlich die von Gitta Connemann, die unter anderem stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Bereiche Landwirtschaft und Ernährung ist. Sie äußerte kürzlich in einem Zeitungsinterview, dass der „Abschuss von Wölfen kein Tabu“ sein dürfe und die Zahl der „Problem-Wölfe besorgniserregend zunehme“. (hier! – *3).

Woher Connemann diese Information hat, ist jedem, der sich mit dem Thema näher beschäftigt, schleierhaft, da sie eindeutig falsch ist (außer man ist vielleicht Schäfer und sieht in jedem Wolf einen Problemwolf).

Allein die Qualität dieser Information deutet deshalb für mich darauf hin, dass das Thema Wolf in der politischen Realität Berlins eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Auch wenn man von ihr zuletzt wenig dazu hörte, die FDP und insbesondere Christian Lindner haben sich bereits im Frühjahr 2016, nämlich am 3. Mai, mit ihrer Forderung, den Wolf ins NRW-Jagdrecht zu übernehmen, deutlich positioniert. Allerdings nicht, ohne aller Welt zu zeigen, wie wenig man auch dort offensichtlich von Wölfen selbst versteht (hier! – *4).

Für die genannten parteipolitischen Vertreter scheint ein frühzeitiges „Tötungsmanagement“ jenseits „echter“ Problemwölfe also offensichtlich auch noch in heutiger Zeit ein kaum in Zweifel zu ziehender Lösungsbaustein eines zeitgemäßen Wolfsmanagements zu sein. Anders lassen sich die Äußerungen kaum deuten.

Doch häufig klingen die Argumente derer, die „kontrollieren“, „regulieren“ und schließlich auch „schießen“ wollen, nicht in allen Ohren schlüssig und ausgereift. Und sie sind es bei näherer Betrachtung auch nicht.

Auch daran, dass es in den Bundesländern, in denen Wölfe längst heimisch sind, bereits in filigraner Feinarbeit zwischen den Interessengruppen ausdiskutierte und politisch vereinbarte Wolfsmanagementpläne oder Wolfskonzepte gibt, scheint sich gerade kaum noch jemand erinnern zu wollen.

Allen, die daran mitgewirkt haben, dürften die aktuellen politischen Vorstöße wie eine Verhöhnung ihrer mühseligen Arbeit vorkommen, denn alles, was zurzeit geregelt werden muss, steht eigentlich bereits genau in diesen Plänen.

Was schließlich die Vermutung aufkeimen lässt, dass hier gerade das Thema Wolf auf die bundespolitische Wahlkampfbühne gehoben werden soll. Und das, obwohl viele der von den immer selben Interessensgruppen herbeigeredeten Probleme offenbar im vorgegebenen Ausmaß gar nicht existieren (z.B.: hier! – *5).

Im zweiten Teil dieses Beitrags geht es um die SPD, die GRÜNEN und DIE LINKE (Fortsetzung folgt…).


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quellen (alle abgerufen am 8.1.2017):

(*1) AFD-Fraktion Brandenburg, 5.1.2017, hier der Link!

(*2) Donaukurier, 5.1.2017, hier der Link!

(*3) Nordwest-Zeitung (NWZ-Online), Tobias Schmidt am 6.1.2017, hier der Link!

(*4) Wolfsmonitor, 6.5.2016, hier der Link!

(*5) Wolfsmonitor, 17.11.2016, hier der Link!

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