Die Sehnsucht mancher Schäfer nach einfachen Lösungen

Als Wolfsmonitor kürzlich den mit hohem Sendungsbewusstsein ausgestatteten Schäfer Wendelin Schmücker, dem nach eigenem Bekunden offenbar sogar Herdenschutzhunde fremd sind (hier!), als „Vorzeigeschäfer“ bezeichnete, gab es verwunderte Leserreaktionen.


Nicht, weil Wolfsmonitors Resümee in den Augen dieser Leser falsch war, sondern – und jetzt kommt es – sich sogar selbst Schäfer von der Bezeichnung „Vorzeigeschäfer“ für Schmücker deutlich distanzierten.

Heute müssen wir lesen, dass Joachim Rehse, oder Jochen Rehse (ist mal so und mal so zu vernehmen), selbst Nebenerwerbsschäfer und Funktionär beim Landesschafzuchtverband Niedersachsen (einer von vier Verbänden in Niedersachsen), dem niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel gestern bei einem Besuch in Uelzen „Beratungsresistenz“ unterstellte. (*1)

Natürlich forderte er quasi gleichzeitig, die Wölfe, die Herdenschutzmaßnahmen überwinden, konsequent zu entnehmen.

Rehse stößt jedoch offenbar mit seinen Forderungen im niedersächsischen Umweltministerium immer wieder auf taube Ohren. Und warum? Weil die Mitarbeiter im Ministerium auch „beratungsresistent“ sind?

Wohl kaum, sondern eher weil er – wie auch gestern wieder in Uelzen – ständig vorgaukelt, es gäbe einfache Lösungsmöglichkeiten dort, wo allein die rechtliche Lage durch den vielfachen (auch internationalen) Schutzstatus der Wölfe wesentlich komplexer ist, als man es in aller Kürze hier darstellen könnte.

Und dieses Vorgaukeln einfacher Lösungen (was Rehse offensichtlich „Beratung“ nennt) hat am Ende des Tages mitunter auch einen populistischen Unterton, weil sich nämlich gerade diejenigen davon angesprochen fühlen dürften, die sich ebenfalls dort nach einfachen Lösungen sehnen, wo es sie nicht gibt. Und vielleicht sogar gar nicht geben kann!

Minister Wenzel bleibt bekanntlich beharrlich bei seiner Linie, lotet aber dennoch weitere Möglichkeiten zur Unterstützung der Weidetierhalter aus. Und warum? Weil er dabei bleiben muss und weil er die rechtstaatlichen Prinzipien klugerweise nicht außer Acht lässt.

Natürlich würde man sich wünschen, einige bürokratische Verfahren im Ministerium liefen operativ etwas schneller. Für Wenzel wäre es jedoch politisch viel gefährlicher, den eingeschlagenen rechtssicheren Pfad eigenmächtig zu verlassen.

Mir stellt sich darüber hinaus die Frage, welchen Eigenanteil die Kommunikationsstrategie Rehses daran trägt, dass es in der Bevölkerung zunehmend – wie er sogar selber feststellt  – immer häufiger eine „Abweisung“ gegen Schäfer gibt.

Und auch, ob er nicht vielleicht ebenfalls zu denen gehören könnte, „die mit viel Trara und wenig Sachkunde ein schlechtes Licht auf ihren Berufsstand werfen.“ (Zitat aus einem (nicht veröffentlichten) Leserbrief zum Wolfsmonitor-Artikel „Der „weiße Fleck“ des Vorzeigeschäfers“).

Was mich nach all dem „Geheule“ Rehses persönlich beruhigt: Es gibt sie, die „anderen“ Schäfer. Und sie sind offenbar sogar sehr zahlreich. Sie sind nach eigenen Bekunden daran interessiert, die Themen „Biodiversität und Artenschutz von allen Seiten zu beleuchten und dann konstruktiv nach vorn zu arbeiten“, und das sogar „schneller und eindeutiger für alle Aspekte, als dies derzeit geschieht“ (Leserbriefzitat).

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quelle: (*1) az-online, www.az-online.de, Beitrag vom 12.1.2017: „Wenzel bleibt vage – „Der Mann ist beratungsresistent“, abgerufen am 12.1.2017, hier der Link!

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