Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) bemängelt falsch verstandenen Naturschutz

Im Editorial der Juli-Ausgabe der Mitgliederzeitschrift der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), dem Dachverband vieler Züchter, Reiter, Fahrer und Voltigierer mit immerhin rund 720.000 angeschlossenen Mitgliedern in Deutschland, meldet sich nun auch der Präsident, Breido Graf zu Rantzau, zum Thema Wolf zu Wort (hier der öffentlich zugängliche Link auf das Interview).
Er stellt fest, dass bereits über 50 Schafe gerissen wurden. Und, so schreibt er weiter: „…ist es falsch verstandener Naturschutz, das Tier zu verharmlosen und in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft heimisch werden zu lassen. Den ungefährlichen Wolf, der dem Menschen fern bleibt und nicht seinem Jagdtrieb nachgeht, wird es niemals geben.“

Kommentar:
Noch ein Verbandsvertreter, der die Ereignisse der letzten Wochen interessensorientiert wendet und nutzt, um sich zu Wort zu melden. Es ist allerdings erstaunlich, dass dies erst nach rund 17 Jahren Anwesenheit von Wölfen in Deutschland geschieht und dass dabei zufällig „ins gleiche Horn gestoßen“ wird, in das auch viele andere Funktionäre zurzeit „blasen“. (Wolfsmonitor berichtete). Und das Ganze geschieht auch noch in scheinbar völliger Unkenntnis der Lage, denn richtig wäre die Feststellung gewesen, dass bereits in Niedersachsen allein im Jahr 2014 weit mehr als 50 Schafe gerissen wurden. Für Präsident Graf zu Rantzau scheint es zudem falsch verstandener Naturschutz zu sein, Wölfe in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft heimisch werden zu lassen. Außerdem, so schreibt er, könne Schutz vor Wölfen nur die Politik gewähren.

Das Selbstverständnis dieser Generation von Funktionären ist manchmal schon etwas merkwürdig. Anstatt sich mit den Fakten vertraut zu machen und die Mitglieder über geeignete Schutzmaßnahmen zu informieren, hört man immer häufiger „Geplapper und Geklapper“. Denn es ist mitnichten so, dass „nur die Politik“ den geeigneten Schutz gewähren kann. Es ist am Ende jeder einzelne Nutztierhalter selbst, der hierfür (laut Tierschutzgesetz) Sorge zu tragen hat. Staatliche Hilfsleistungen zum Herdenschutz sind vielleicht wünschenswert und oft sogar hilfreich, gewöhnlich jedoch „Billigkeitsleistungen“, auf die kein gesetzlicher Anspruch besteht. So sieht die triste Realität aus. Zu diesem späten Zeitpunkt in der Diskussion mit eher schwachen Argumenten Hilfestellungen von der Politk zu fordern, wirkt, als wolle man die eigenen Unzulänglichkeiten verbergen. „Die Politik“ ist nämlich am Ende eher für Rahmengesetzgebungen und unter Umstanden auch manchmal „nur“ für eine ordnungsgemäße Durchführung von Gesetzen und Verordnungen „höherer Instanzen“ – zum Beispiel der EU – verantwortlich.

Die Rückkehr des Wolfes bleibt – das wird erneut an diesem Beispiel deutlich – für viele Menschen eine Herausforderung, der man sich am liebsten gar nicht stellen will. Einigen fällt es dabei scheinbar besonders schwer, sich mit neuen Entwicklungen anzufreunden, anderen jedoch weniger. Es gibt genügend gute Beispiele von Nutztierhaltern, die zwar auch keinen Beifall über die Rückkehr der Beutegreifer klatschen, ihre Tiere dennoch wirksam vor ihnen schützen. Ein Blick in diese Richtung ist im Zeitalter des Internets leicht möglich und wäre sicherlich auch für den Grafen hilfreich. Er wird dabei feststellen, dass die Herausforderungen, die durch die Wolfsrückkehr entstehen, für viele Nutztierhalter so neu gar nicht sind und von diesen täglich gemeistert werden. Ein Blick gen Süden oder Osten dürfte Aufschluss darüber geben.

Wie wohltuend liest sich im Vergleich dazu die Stellungnahme des zweiten großen deutschen reiterlichen Verbandes, der „Vereinigung der Freizeitreiter und –fahrer in Deutschland e.V.“ (VFD),  in der sich der Verband so ganz anders zum Wolf äußert. Lesen Sie bitte dieses Statement selbst (hier der Link) und entscheiden Sie, welche Haltung Ihnen persönlich angemessener erscheint. Bleibt am Ende nur zu hoffen, dass auch der VFD am 08. Juli zum „Runden Tisch“ des Bundesumweltministeriums in Berlin eingeladen wurde, ansonsten könnte die Diskussion dort sehr einsilbig verlaufen.


Herzlichst
Ihr
Jürgen Vogler

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