Steht der Schutz des Wolfes in Deutschland über den Interessen der Landwirte?

Ob es „überrascht“ oder „erzürnt“ klang, als Walter Heidl, seines Zeichens Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), feststellte, dass in Deutschland der Schutz des Wolfes derzeit über den Interessen der Landwirte stehe, ist nicht überliefert.

Dennoch muss es auf den Top-Agrar-Leser so wirken, als hätte diese Einsicht das ureigenste Weltbild des Bauernverbandspräsidenten im Sinne von „es kann nicht sein, was nicht sein darf“ nachhaltig erschüttert. (*1)

Dass es ausgerechnet der eigenen jahrzehntelangen Strukturpolitik der Bauernverbände geschuldet sein dürfte, die unter der Devise „Wachsen oder Weichen“ bekannt wurde, dass nun ausgerechnet dieser Erwerbszweig in den letzten Jahren durch das „Weichen“ vieler Bauern immer weiter in Richtung Bedeutungslosigkeit und damit auch aufs politische Abstellgleis rutscht, ist das eigentlich Bemerkenswerte daran.

Der Anteil der deutschen Landwirtschaft an der Bruttowertschöpfung machte im Jahr 2015 nur noch 0,6 (im Jahr 2011 noch 0,9) Prozent und an den Erwerbstätigen rund 1,5 Prozent (noch 1,6 im Jahr 2011) aus. (*2)

Und deshalb müssen die Bauernverbands-Funktionäre auch künftig befürchten, dass immer häufiger von anderswo Themen auf die politische Agenda gesetzt werden. Und dass diese Themen dann auch „über den Interessen der Landwirte“ stehen.

Entpuppt sich die eigene Strukturpolitik, bei der das Höfesterben quasi als Nebeneffekt geduldet wurde, am Ende also als ein klassisches „Eigentor?“


P.S.: 17 von 18 deutschen Bauerverbandspräsidenten haben im November 2016 die „Nachhaltigkeitsoffensive“ des Westfälisch – Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) abgelehnt, weil sie folgende Worte nicht mittragen konnten:

„Wir müssen uns verändern, weil wir als Berufsstand durch unsere Art und Weise der landwirtschaftlichen Erzeugung dazu beitragen, dass Boden, Wasser, Luft und Tiere sowie Elemente der Kulturlandschaft geschädigt werden.

Es ist offenbar so eine Sache, mit dem Selbstverständnis und den Interessen einiger Funktonäre…

So, und jetzt zurück zu den Wölfen….


Quellen:

(*1)Top-Agrar-Online, www.topagrar.com, Artikel: „BBV: Im Zweifel für den Abschuss von Wölfen“, vom 29.1.2017, abgerufen am 29.1.2017, hier der Link!

(*2) Deutscher Bauernverband, www.bauernverband.de: Situationsbericht 2016/17, Punkt 1.1 „Wirtschaftliche Bedeutung des Agrarsektors“, abgerufen am 29.1.2017, hier der Link!

 

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