Entwickelt sich beim Umgang mit Wölfen in Bayern ein anderer Akzent?

Der Verlauf der Ereignisse ist fast immer ähnlich. Zuerst durchstreifen einzelne Wölfe eine Region Deutschlands, gleichzeitig gibt es erste öffentliche Meldungen über Wildtier- oder Nutztierrisse.

Danach werden immer häufiger „amtliche“ Wolfsnachweise bekannt gegeben, wie beispielsweise kürzlich die von zwei Wölfen im Nationalpark Bayerischer Wald oder auch Anfang 2017 im nördlichen Landkreis Straubing-Bogen. (*1)

Gleichzeitig steigt – wie zufällig – die Zahl der Medienmeldungen über gerissene Nutztiere und selbstverständlich auch die Zahl der Übergriffe, bei denen sich im Nachhinein der Wolfsverdacht nicht bestätigt, so wie kürzlich in einem Freilaufstall in Fürstenzell. (*2)

Auch die Zahl der auskunftsfreudigen Wolfsexperten in den betroffenen Regionen steigt nun meistens sprunghaft an.

Und am Ende wird – getreu dem Motto, es sei bereits alles gesagt, nur noch nicht von jedem – so lange über den Heimkehrer Wolf schwadroniert, bis dabei schließlich auch der Letzte zu Wort gekommen ist.

Doch statt sich konstruktiv darüber auszutauschen, wie man die Weidetiere wirksam vor Wolfsübergriffen schützen kann, verlieren sich einige lieber darin zu diskutieren, wie und ab wann man die streng geschützten Wildtiere „begrenzen“, „kontrollieren“ und mitunter auch „abschießen“ kann oder darf.

Öffentliche Stellen kaschieren ihre offenkundige Unsicherheit im Gegensatz dazu offenbar lieber in wahlkampf- und wolfsgerechter Symbolpolitik und gründen Wolfsbüros, Dokumentations- und Beratungsstellen sowie Wolfskompetenzzentren, als gäbe es kein Morgen.

Wobei das Argument, fachliche Information und sachliche Beratung könne die Akzeptanz erhöhen, sicherlich richtig ist.

Träfe man denn am Ende nicht, sobald es dann tatsächlich „um die Wurst“, beziehungsweise einem Wolf an den Pelz gehen soll – wie gerade dem Wolf „Pumpak“ – offenbar doch lieber eine vermeintlich „vorschnelle“ Fehlentscheidung, und zwar ohne vorher alle selbstgeschaffenen fachlichen Instanzen überhaupt in die Entscheidungsvorbereitung einbezogen zu haben.

Wird nun in Bayern ein andersartiger Akzent im Umgang mit dem Wolf sichtbar?

Mitnichten! Erstaunlich ist vor allem, dass es offensichtlich überhaupt erst wenige Wölfe bis nach Bayern geschafft haben, obwohl man sich dort quasi mitten im geografischen Schnittpunkt der wölfischen Alpenpopulation, der Karpartenpopulation und der Balkan-Wolfspopulation befindet.

In der bayerischen Politik „sortiert“ man sich derzeit vor dem Hintergrund der zunehmenden Wolfsnachweise. Die „Christsozialen“ und „Freien Wähler“ stellen sich demonstrativ an die Seite der Landwirte und würden – den neuesten Pressemeldungen zufolge – auch gerne den Schutzstatus des Wolfes aufweichen, während die SPD die Daseinsberechtigung des Wolfes im Ökosystem des Freistaates ausdrücklich betont. (*3)

Die Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN stellten sogar noch vor wenige Tagen im bayerischen Landtag den Antrag, die Staatsregierung möge veranlassen,…“den „Managementplan Wölfe in Bayern Stufe 2“ über den „Arbeitsstand April 2014“ hinaus weiterzuentwickeln und Strukturen für den „Managementplan Wölfe in Stufe 2“ zu schaffen und hierfür insbesondere eine Richtlinie zu erlassen, die eine Förderung für flächendeckendem Präventionsmaßnahmen möglich macht sowie intensive objektive und wissenschaftlich fundierte Öffentlichkeitsarbeit bei Nutztierhaltern und in der Bevölkerung zu betreiben.“ (*4)

Hintergrund: Die „Stufe 2“ des Wolfsmanagementplans in Bayern regelt den Umgang mit „einzelnen standorttreue Wölfen“, nachdem in der „Stufe 1“ der Umgang mit „durchziehenden und zuwandernden Einzeltieren“ geregelt wurde.

Vorläufig heißt es deshalb: Schaun mer mal, dann sehn mer scho, wie`s weiter geht….im Freistaat.


Quellen:

(*1) Bayerisches Landesamt für Umwelt, www.lfu.bayern.de. Pressemeldungen vom 25.1. und 1.2.2017, abgerufen am 6.2.2017, hier der Link!

(*2) BR24, www.br.de, Beitrag: „Gerissenes Kalb in Fürstenzell – Es war nicht der Wolf“ vom 2.2.2017, abgerufen am 6.2.2017, hier der Link!

(*3) BR24, www.br.de, Beitrag: „Raubtier-Diskussionen in Bayern – Wirbel um den Wolf“ vom 2.2.2017, abgerufen am 6.2.2017, hier der Link!

(*4) Bayerischer Landtag, Drucksache: 17/15139 vom 25.1.2017, abgerufen am 6.2.2017, hier der Link!


Beitragsfoto: Heiko Anders, www.andersfotografiert.com

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