Wieviel Wolf verträgt das Sauerland?

Diese Frage stellten sich offenbar die Mitglieder des Hegerings Winterberg-Hallenberg kürzlich und luden daraufhin ausgerechnet Prof. Dr. Michael Stubbe aus Halle zur Beantwortung dieser Frage ein, um – so schreibt es die Westfalenpost – darüber hinaus mit ihm und Jägern, Landwirten, Naturschützern und Touristikern über die zu erwartende „Ansiedelung“ des Wolfes zu diskutieren.

Wer sich Michael Stubbe ins Haus holt, weiß gewöhnlich, dass der „Jagdwissenschaftler“ dem geneigten Publikum mitunter auch seine eher weniger wissenschaftlich fundierte Meinung präsentiert. Auch seine Ansichten zur „jagdlichen Bewirtschaftung“ von Wölfen gehören zweifelsfrei dazu.

Unvergessen ist für mich sein Auftritt vor den Stendaler Jägern, bei dem er feststellte, dass der Wolf ist ein gefährlicher Konkurrent des Menschen sei. Wo der Räuber an Boden gewinne, verliere der Waidmann“, so Stubbe (siehe hier!). Mit ihm schaut man offensichtlich vertrauensvoll in die Vergangenheit…

Früher regelte man so manche wildtierpolitische Herausforderung wie selbstverständlich mit dem Filzhut auf dem Kopf und der Flinte in der Hand. Angesichts dieser offenbar bewährten Methode gehört der Wolf laut Stubbe auch heute wieder in das Jagdrecht.

Ob der emeritierte Professor, der argumentativ gerne mal in die „Klamottenkiste“ greift und – um gegen die Wölfe zu wettern – dabei so seriöse Quellen wie die vom stark umstrittenen Kaj Granlund verwendet, seinen Zuhörern an diesem Abend überhaupt ein Alternativszenario zur von ihm präferierten Bejagung der Wölfe angeboten hat? Wie es sich eigentlich für einen seriösen Wissenschaftler gehört?

Meines Wissens versäumte er dies zuletzt öfter mal,… und ließ dementsprechend sein Publikum „alternativlos“ zurück.

Die Frage können am Ende wohl nur diejenigen beantworten, die letzten Freitag tatsächlich in Hallenberg dabei waren. Wurde dort tatsächlich umfassend und objektiv über den Wolf informiert? Oder wurden die Besucher dort am Ende vielleicht sogar einseitig „indoktriniert“?

Folgender „Schnelltest“ könnte im Nachhinein Aufschluss darüber geben:

Immer mehr seriöse und namhafte Waidmänner, darunter beispielsweise der WILD und HUND-Chefredakteur Heiko Hornung, aber auch Spitzenfunktionäre der Landesjagdverbände (z.B. Niedersachsen), warnten zuletzt davor oder distanzierten sich davon, den Wolf ins Jagdrecht übernehmen zu wollen.

Aus sehr guten Gründen, wie ich übrigens meine. Wurden die Zuhörer letzten Freitag in Hallenberg davon in Kenntnis gesetzt?

Wenn nicht, gibt es offensichtlich noch weiteren Aufklärungsbedarf im Sauerland, einem Landstrich, der sich vorerst noch Wolfserwartungsland nennen darf…

P.S.: Gerade kriege ich von einem Wolfsmonitor-Leser folgende Pressemitteilung „zugespielt“. Demnach war letzten Freitag alles offenbar noch viel einseitiger als erwartet. 99 Prozent der Aussagen an diesem Abend waren gegen den Wolf gerichtet und vom Verschwinden vieler Tierarten bis zu Zuwachsen der Talwiesen und der fehlenden Bestäubung durch Bienen wegen Wegfall der Wanderschäferei wurde merkwürdig skurril argumentiert. Auch von seinen ausgiebigen Forschungsreisen in die Mongolei wusste Stubbe zu berichten. Und er wagte – so ist zu lesen – einen wie ich finde recht heiklen Vergleich. Und erntete offenbar sogar Applaus dafür. Aber lesen Sie selbst: Hier ist der Link, der zur entsprechenden Veröffentlichung in der WAZ führt!


Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler


Quellen:

(*1) Westfalenpost, www.wp.de, Artikel: „Schützen oder schießen?“ von Rita Maurer am

(*2) WAZ, www.waz.de, „Die Märchen vom Wolf“ vom

 

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