Politikverbitterung und EU-Verdrossenheit durch Wölfe?

Es klingt befremdlich, wenn man sich die aktuelle Pressemeldung des Deutschen Jagdverbandes (DJV) über die Konferenz zur „Zukunft der Naturschutzrichtlinien“ im EU-Parlament in Brüssel einmal etwas genauer durchliest.

Denn dass ausgerechnet ein Jagdverband glaubt, die „negativen ökonomischen wie ökologischen Folgen für Gesellschaft, Landwirtschaft und Biodiversität der zunehmenden Bestände von Kormoran, Biber und Wolf“ besonders gut zu kennen, klingt sicherlich nicht nur für so manchen Außenstehenden, sondern bestimmt auch für viele akademisch gebildete Biologen und andere Naturwissenschaftler überraschend.

Wenn dann aber auch noch der Vizepräsident dieses Verbands, Dr. Volker Böhning, die bestehenden und einvernehmlich beschlossenen EU-Regularien kritisiert und als Ursache der für ihn (augenscheinlich) bestehenden Probleme ausmacht, wirft das kein besonders gutes Licht auf ihn und seinen Verband.

Einerseits, weil die als problematisch bezeichneten Wölfe grundsätzlich überhaupt kein so breites gesellschaftliches oder gar ökologisches Problem darstellen, wie vom DJV herbeigeredet.

Und andererseits, weil die Brüsseler „Parlamentarische Intergruppe Biodiversität, Jagd und ländliche Aktivitäten“ (also die so genannte „Jagd-Intergruppe“, in der ein informeller und parteiübergreifender Meinungsaustausch gepflegt wird) als eine von insgesamt neunundzwanzig anerkannten „Intergruppen“ in Brüssel wohl ursprünglich nicht als Forum gegründet wurde, um ausgerechnet den EU-Politikern auf der Grundlage waghalsiger Behauptungen explizite Vorwürfe zu unterbreiten.

Nach Böhning ist beispielsweise die Definition des „Günstigen Erhaltungszustandes“ der Dreh- und Angelpunkt des Wolfsbestandes.

Das ist jedoch nur eine von mehreren politisch möglichen Lesarten.

Eine alternative Sichtweise ist beispielsweise die, dass nach dem Erreichen dieses Erhaltungszustandes (also einer Mindestanzahl von Wölfen) erst alle geeigneten Lebensräume von den Beutegreifern besiedelt worden sein müssen, bevor überhaupt über etwaige Eingriffe in den Bestand nachgedacht wird. Die übrigens unter Umständen nicht einmal nötig sein werden.

Und was noch beunruhigender ist: 70 solcher „Intergruppen“ haben sich seinerzeit um eine Anerkennung in Brüssel beworben, 29 wurden letztlich anerkannt. Die Gruppe „Biodiversität, Jagd und ländliche Aktivitäten“ ist eine davon.

Gewichtigere und somit wirklich ernstere Herausforderungen als Wölfe gibt es – das liegt klar auf der Hand – offenbar jedoch ganz andere. Zum Beispiel die, dass unsere Lebensmittel von immer weniger Landwirten und immer mehr Konzernen produziert werden.

Das scheint jedoch in dieser speziellen Brüsseler Intergruppe, in der es – zumindest dem Namen nach – auch um Biodiversität und ländliche Aktivitäten geht, nur eine nachgeordnete Rolle zu spielen.

Das beschreibt einen Grund, warum die intensive Beschäftigung der Politik mit dem Wolf manchmal wie eine riesengroße Nebelkerze wirkt…

Besonders dann, wenn man beispielsweise so etwas liest: hier der Link! (*2)


Quellen:

(*1) Deutscher Jagdverband, www.jagdverband.de, Pressemeldung vom 8. März 2017: „DJV spricht Klartext zu Konflikten mit Kormoran, Biber und Wolf“, abgerufen am 9. März, hier der Link!

(*2) Konzernatlas 2017: Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie Ausschnitt, Heinrich-Böll-Stiftung, www.boell.de, abgerufen am 9.3.2017, hier der Link!

 

 

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