Uelzen: Landrat auf den Barrikaden

Aha, auf die Barrikaden geht er also, der Landrat Uelzens. Gemeint ist Dr. Heiko Blume, der gemeinsam mit dem Kreistag seines Landkreises eine (rechtsunverbindliche) Resolution zum Wolf verabschiedete und nun offenbar mit der Reaktion des niedersächsischen Umweltministers darauf unzufrieden ist.

Warum nur? Ich könnte mir vorstellen, dass Anhaltspunkte für eine Beantwortung dieser Frage in den „sieben konkrete Forderungen“ der Resolution zu finden sind, insbesondere in den Punkten 3, 5 und 6.

Denn diese Punkte können von Menschen, die sich dem Tier- und Artenschutz und insbesondere dem Wolfsschutz verbunden fühlen, durchaus als provokant empfunden werden. Außerdem wurden sie erkennbar schlecht aufbereitet.

Punkt 3 beispielsweise gilt bereits heute. Es scheint allerdings so zu sein, dass man in Uelzen bereits dann einen „Problemwolf“ auszumachen versucht, wenn ein Tier – wie im Beitragsfoto der verlinkten Beitrags dargestellt  – unzureichend geschützte Schafe auch attackiert, wenn sie sich in der Nähe eines Gebäudes befinden.

Gebäude jeder Art aber gehören zum ganz normalen Lebensraum von Wölfen in der Kulturlandschaft. Warum also sollte ein Wolf sie explizit meiden, wenn der offenbar schlecht geschützte „Schnellimbiss“ daneben steht und lockt?

Mit „Bestandsmanagement“ (Punkt 5) sind in Uelzen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch Wolfsabschüsse gemeint. Über die Folgen sollte man sich allerdings informieren, bevor man solche Punkte in eine Resolution aufnimmt. Ob das die Kreistagsangehörigen getan haben? Durch Abschüsse der Elterntiere instabilisierte Familienverbände (Rudel) richten in der Regel wesentlich mehr Ungemach an als stabile Wolfsfamilien.

Insofern klingt auch der Punkt 6 – also die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht – widersinnig. Zumal das deutsche Jagd-und Reviersystem überhaupt nicht darauf „vorbereitet“ ist.

Fazit: Da mag der Landrat noch so oft wie er will auf die Barrikaden gehen. Die Resolution seines Hauses zeigt deutlich, worauf die Berichterstattung der AZ-Online bereits seit längerem hindeutete: Inhaltlich fragwürdig, könnte sie in Hannover auch als politische Provokation verstanden werden…

Herzlichst

Ihr

Jürgen Vogler

PS.: Es ist die AZ-Online, die dem Landrat einen Platz „auf den Barrikaden“ zuweist. Dr. Blume selbst scheint vor allem aktive Monitoring-Maßnahmen für erforderlich zu halten. Das wiederum klingt nicht ganz so falsch…


Quelle:  AZ-Online vom 16.3.2017:„Landrat geht auf die Barrikaden“, abgerufen am 17.3.2017, hier der Link!

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